Wenn Hühner unter Bäumen „grasen“

Rastatt (kba) – Der Hobbylandwirt Pascal Uhrig in Ottersdorf macht seine Hühner mittels eines fahrbaren Stalls mobil. Kräuter und Gräser sind Aromageber fürs Frühstücksei.

Einen mobilen Hühnerstall mit viel Technik hat Pascal Uhrig selbst gebaut. Rund 80 Legehennen und vier Hähne sind der Stolz des Hobbybauern und seiner Familie. Foto: Kerstin Bausch

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Einen mobilen Hühnerstall mit viel Technik hat Pascal Uhrig selbst gebaut. Rund 80 Legehennen und vier Hähne sind der Stolz des Hobbybauern und seiner Familie. Foto: Kerstin Bausch

Eier legende Haustiere sind längst keine Seltenheit mehr. Auch der Landschaftsschützer und Hobbylandwirt Pascal Uhrig, der für die Freien Wähler im Ortschaftsrat Ottersdorf ist, hatte seine Hühner zunächst im Garten. Nun hat er zum Wohl der Tiere und zur Landschaftspflege ein „Mobile Home“ für sie gebaut, in dem sie nun mitten auf der Streuobstwiese ihre Stange für die Nacht haben.

Mittlerweile 80 Stück Federvieh

Mittlerweile sind es 80 Stück Federvieh, die in dem selbst gebauten und voll automatisierten Viehanhänger ein Zuhause im Grünen auf der Streuobstwiese von Pascal Uhrig gefunden haben. Der hat sich seit Jahren in Ottersdorf unter anderem im Verbund mit dem Obst- und Gartenbauverein für den Landschaftsschutz engagiert und er weiß: „Auch mit deutlich weniger Hühnern haben Sie schnell kein Gras mehr im Garten.“ Draußen in der Natur sei dies ganz anders. Sind Leckerbissen wie Löwenzahn, Butterblumen und Kräuter gerupft, böten die saftigen Wiesen unter den alten Bäumen noch gut zwei lang Wochen reichlich Gräser und Blättchen „für die besten Eier auf der Welt“, die ein Freund dem „Hühnerhelden“ kürzlich attestierte, als er das Banner für den Hühnerwagen gestaltete. Im Wagen steuert ein Rechner Türen, Beleuchtung und Abluft.

Küken aus eigener Handaufzucht

Die Eier holt Uhrig von außen, um die Tiere möglichst wenig im Stall zu stören, wenn sie mit lautem Gackern auf den elf Plätzen Eier legen. Im Mai 2020 zog der erste Schlupf aus eigener Handaufzucht ein. Auch eine Naturbrut, bei der die Hennen selbst brüten dürften, wäre für den 43-Jährigen reizvoll. Bislang haben Uhrig und seine Familie die meisten zu Hause aus den Eiern ausgewählter Rassen „ausgebrütet“ – erst im Inkubator, dann unter der Wärmelampe: Marans, deren Eier manchmal fast schokobraun sind, Roteländer, deren Namen sich von „Rhode Island“, dem Ursprung der Zucht, herleitet und die hübschen Barnefelder, eine holländische Rasse, deren schwarz-braune Federzeichnung ihre edle Optik noch unterstreicht, waren Uhrigs erste Wahl unter den Zwiehuhnrassen. Diese seien zukunftsweisend, da die Tiere nicht nur Eier liefern, sondern auch Fleisch ansetzen. Wer mit Uhrig über Hühner spricht, ahnt schnell, dass dieses Hobby mehr als bloßer Nebenerwerb ist, eher schon eine Lebenseinstellung. Zehn Legehennen hat die Familie vor einem Jahr vor dem Schlachter gerettet. Nun spazieren diese fröhlich herum – und legen noch immer.

Bis zu 120 Tiere dürften in das Mobil. Doch Uhrig mag es geräumiger: „Bei 100 wäre für mich Schluss.“ Gerade ist wieder eine Nachzucht gelungen. Rund 750 Quadratmeter bietet das Hühnerfeld, das Uhrigs jeweils für rund vier Wochen mit einem Elektrozaun zum Schutz vor Fuchs und Marder abstecken. Danach ziehen sie ein Stück weiter. Das ist dann schon oft ein halber Tag Arbeit für die ganze Familie mit allen drei Kindern, erklärt Uhrig. Zusammenpacken, Hühner rein, Wiese mähen und den Anhänger mit dem Traktor versetzen. Für ihn überwiegen dennoch die Vorteile: Gerade im Frühjahr, wenn Schädlinge wie Engerlinge aus dem Boden kommen, dezimierten die Hühner sie auf natürliche Weise, hielten den Boden locker und die Wiese kurz. Umgekehrt fühlten die Tiere sich unter den Bäumen geschützter, zum Beispiel vor dem Bussard.

„Wir haben einen Trend zum Selbstproduzieren. Man will wissen, wo seine Nahrung herkommt“, meint Uhrig und betont, den Unterschied schmecke man eben auch. Gras und Kräuter, Würmer und Raupen, Samen und Blümchen plus eine Portion Körner gäben diesen Land-Eiern im besten Wortsinn ihr Aroma.

Sogar Kindergarten war schon zu Besuch

Vier Hähne gehören ebenfalls zur Stammbesetzung. Und kommt jemand vorbei, kommen einige Hühner angelaufen. Kein Wunder, dass viele Ottersdorfer gerne vorbeikommen. Sogar der Kindergarten war gerade Gruppe für Gruppe da. „Und ich hab sogar einen Klappstuhl hier“, verrät Uhrig, zum einfach nur mal Dasitzen und Gucken, falls mal Zeit wäre. Doch nun sei erst mal Erntezeit beim Streuobst und dann sei auch bald schon wieder das Gras platt und der nächste Umzug da.

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Erstellt:
22. August 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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