Wenn das Land Schlafen im Zelt regelt

Stuttgart/Rastatt (vn) – In sechs Wochen sind Sommerferien. Den Veranstaltern von Ferienfreizeiten läuft die Zeit davon. Die Corona-Pandemie erfordert völlig neue Konzepte für die Durchführung.

In den Zeltlagern dürfte dieses Jahr große Unsicherheit herrschen – falls sie überhaupt stattfinden. Foto: Jaspersen/dpa/Archiv

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In den Zeltlagern dürfte dieses Jahr große Unsicherheit herrschen – falls sie überhaupt stattfinden. Foto: Jaspersen/dpa/Archiv

Ob die Vorbereitungen rechtzeitig abgeschlossen werden können, ist unklar. Drohen Kindern und Jugendlichen nach dem monatelangen Unterricht zu Hause jetzt noch sechs abwechslungsarme Ferienwochen?

„Eine verlässliche Betreuung der Kinder in den Sommerferien benötigt ordentliche Vorbereitung, außerdem kommt zusätzlicher Aufwand durch den Infektionsschutz hinzu“, schildert der Landtagsabgeordnete Jonas Weber (SPD) aus Rastatt die Nöte von Vereinen und Sozialverbänden, die ihn in jüngster Zeit erreicht hätten. „Das kann in so kurzer Zeit bis zu den Sommerferien kaum geleistet werden.“ Weber befürchtet, dass weitere Organisationen und Vereine mit Absagen folgen. „Die Auswirkungen für die Betreuung für Kindern und Eltern sind enorm.“

Weber kritisiert die Landesregierung: Erst seit wenigen Tagen würden „vage Handlungsempfehlungen“ vorliegen, die von den Organisatoren als „größtenteils realitätsfern“ bezeichnet werden. Dabei habe die SPD-Landtagsfraktion bereits „seit April“ auf verlässliche Regelungen gedrängt.

Nach Angaben des Landesjugendrings habe die „AG zum Hochfahren der Angebote der Kinder- und Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit am 5. Juni sehr ausführlich getagt. Es müsse weitere Öffnungsschritte geben, da waren sich alle einig. „Möglichst viele Angebote sollen für möglichst viele Kinder und Jugendliche stattfinden“, so der Tenor. Der Teufel steckt bekanntlich im Detail, wie sich an Auszügen der Regelungen für Ferienlager, Zeltlager und Übernachtungen in Zelten belegen lässt, die das Sozialministerium verfügt hat:

Die Abstandsregelung von 1,5 Metern zwischen Betreuenden und Teilnehmenden ist außerhalb der Schlafzeit einzuhalten. Die Gesamtfläche des Zeltlagers ist so zu gestalten, dass pro Person eine Fläche von zehn Quadratmetern außerhalb der Übernachtungszelte zur Verfügung steht.

Möglichst viele Zelte sollen aufgebaut werden, um die Belegung pro Zelt auf ein Minimum zu reduzieren. Die Übernachtung im eigenen Zelt sollte ermöglicht werden. Die Schlafstellen in den Zelten sollen um 180 Grad versetzt (Kopf an Fuß) aufgebaut werden (siehe „Aufgespießt“).

Zelte, die für die Übernachtung genutzt werden, stehen nicht für Tagesaktivitäten zur Verfügung. Tagsüber ist die bestmögliche Belüftung dieser Zelte sicherzustellen. Für schlechte Witterungsverhältnisse haben die Organisatoren durch einen Aufbau von Bedachungen mit Planen, Segeln, Pavillons oder Zelten ohne Seitenwände dafür zu sorgen, dass überdachte Flächen im Zeltlager zur Verfügung stehen.

Bei der Belegung der Zelte mit Teilnehmenden und Betreuenden ist darauf zu achten, dass die Belegung während des Angebots möglichst gleichbleibend ist.

Betreuer, die ehrenamtlich im Einsatz sind, müssen nach dem Ende des Angebots eine Karenzzeit von 14 Tagen einhalten, bis sie erneut eine ehrenamtliche Betreuung übernehmen. Für hauptamtliche Betreuungskräfte trägt der Arbeitgeber die arbeitsschutzrechtliche Verantwortung.

Die Träger der Veranstaltungen müssen ihre Hygienekonzepte um ein Präventions- und Ausbruchsmanagement erweitern.

Der Kreis Rastatt bleibt bei der Absage seiner beiden Zeltfreizeiten in Bettenfeld in der Vulkaneifel, die zwischen 30. Juli und 25. August geplant waren. „Schweren Herzens“, wie Pressesprecherin Gisela Merklinger auf BT-Anfrage nochmals betont. „Bei den von uns organisierten Freizeiten kann das geforderte Abstandsgebot nicht eingehalten werden.“ Man habe aber keine Sorge, dass andere Veranstalter wie Vereine und Kirchen passende Angebote für Kinder und Jugendliche offerieren werden.

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Erstellt:
20. Juni 2020, 14:15 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 31sec

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