Wenn der Schleichweg zur Rennstrecke wird

Gaggenau (BNN) – In Oberweier werden die Kanäle saniert. Stadtverwaltung und Polizei appellieren an die Vernunft der Autofahrer. Denn auf den „Schleichwegen“ geht es teilweise gefährlich zu.

Kein Durchkommen: Wegen Kanalarbeiten sind Friedhof, Kindergarten und Eichelberghalle nur über Waldprechtsweier zu erreichen – oder über Schleichwege. Foto: Swantje Huse/BNN

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Kein Durchkommen: Wegen Kanalarbeiten sind Friedhof, Kindergarten und Eichelberghalle nur über Waldprechtsweier zu erreichen – oder über Schleichwege. Foto: Swantje Huse/BNN

Wer derzeit rund um Oberweier auf einem Feldweg spazieren geht, muss sich auf einiges gefasst machen: Seit Beginn der Kanalsanierungsarbeiten im Zentrum des Gaggenauer Stadtteils die Durchfahrt unmöglich ist, haben sich neben der offiziellen Umleitung einige Schleichwege etabliert. Und das ist nicht ungefährlich.

Von Lastwagen, die plötzlich über die Felder rumpeln, bis hin zu Autos mit Geschwindigkeiten, die einer Landstraße würdig sind, sei schon alles vorgekommen, erklärt die Pressesprecherin der Stadt Gaggenau, Judith Feuerer, gegenüber dieser Redaktion. Abgesehen davon, dass die Wege nicht für eine ständige Verkehrsbelastung gemacht seien, gebe es noch einen viel wichtigeren Aspekt: „Das ist wirklich gefährlich.“

Weil sich die Gemeinde Bischweier und Anwohner an die Stadt gewandt haben, appelliert diese jetzt wiederum an die Autofahrer, sich doch bitte an die ausgeschilderte Umleitung zu halten, auch wenn diese länger als die Schleichwege sei. „Bisher waren wir kulant“, betont Feuerer. Das könnte sich aber bald ändern. Feuerer spricht von einem mehrstufigen System, angefangen mit Appellen und Verwarnungen über Kontrollen und Bußgeldern bis hin zu Sperrungen. „Es wäre aber schon schön, wenn man das offenlassen könnte.“

Polizei macht Streifenfahrten

Mit Streifenfahrzeugen fährt die Polizei nun in und um Oberweier herum, wie Revierleiter Jens Vogel bestätigt. Während Feuerer von 15 Verwarnungen in einer halben Stunde am vergangenen Mittwoch spricht, ist Vogel recht entspannt. Die Polizei habe bei jeder Baustelle das Schleichweg-Problem, innerorts genauso wie an der B 462.

Entsprechend fällt sein Urteil zu Oberweier gemäßigt aus. „Ein großes Problem ist es nicht“, sagt Vogel. Aber er bestätigt: „Die Ortsansässigen nutzen die Schleich- und Feldwege.“ Und sie wissen in der Regel auch, dass sie das eigentlich nicht sollten. „Die meisten, die wir ansprechen, sehen es auch ein.“ Nur wenn sich ein Autofahrer völlig uneinsichtig zeige, werde derzeit ein Bußgeld verhängt.

Die Stadt setzt auf die Symbolwirkung und die Mundpropaganda: „So groß ist Oberweier nicht“, sagt Stadtsprecherin Feuerer. „Wenn da schon 15 Verwarnungen rausgegangen sind, dann spricht sich das rum.“ Allerdings sei auch klar, dass die Situation beobachtet werde: „Wir können nicht einfach zusehen, dass sich Gefahrensituationen entwickeln.“ Immerhin wird die Kanalsanierung in Oberweier noch den ganzen Mai in Anspruch nehmen, so der derzeitige Plan.

Die Fahrt über Schleichwege wird übrigens nicht völlig untersagt. „Wir bitten eindringlich darum, auf den Wirtschaftswegen nicht schneller als 30 Stundenkilometer zu fahren“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung. Denn auch wenn der Frust jetzt groß sei: „Nicht auszudenken, wenn wirklich was Schlimmes passiert.“

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Ihr Autor

BNN-Redakteurin Swantje Huse

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Erstellt:
4. Mai 2022, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 29sec

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