Wenn der „Sommernachtstraum“ in Hatzenweier spielt

Baden-Baden (mf) – Seine ungewöhnliche Herangehensweise an Shakespeares Klassiker „Sommernachtstraum“ bringt dem Schauspieler Bernd Lafrenz viel Applaus bei „Kultur im Klappstuhl“.

Gute Idee: Schauspieler Bernd Lafrenz steckt seinen Kopf durch verschiedene Bilderrahmen und zeigt so, welche Figur er gerade darstellt. Foto: Martina Fuß

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Gute Idee: Schauspieler Bernd Lafrenz steckt seinen Kopf durch verschiedene Bilderrahmen und zeigt so, welche Figur er gerade darstellt. Foto: Martina Fuß

„Wenn Euch das Stück gefallen hat, dann gebt Beifall. Wenn nicht, dann wiegt es nicht schwerer als ein Traum“. Schauspieler Bernd Lafrenz hatte eben den letzten Vers der Shakespeare-Komödie „Ein Sommernachtstraum“ ausgesprochen, als eine Menge Applaus aufbrandete. Es war der Dank für ihn und seinen Geniestreich, das mit viel Personal ausgestattete Shakespeare-Stück komplett alleine aufzuführen.
Der Beifall drückte auch aus, dass an diesem wunderschönen Klappstuhl-Sommerabend in Neusatz wirklich alles stimmte. Die Temperaturen waren angenehm, die Sonne blinzelte durch die Bäume und das Wasserschloss bildete ein perfektes Bühnenbild. Die Gäste brachten ihre Sitzgelegenheit selbst mit und die Trachtenkapelle der Grünen Jäger hatte die Bewirtung im Schulhof übernommen. Vonseiten des Musikvereins und auch von Ortsvorsteher Hans-Wilhelm Juchem gab es viel Lob dafür, dass bei den Klappstuhl-Veranstaltungen auch die Stadtteile berücksichtigt werden.

Schauspieler und Shakespeare-Spezialist Bernd Lafrenz präsentierte in Neusatz eine der am meisten aufgeführten Komödien des englischen Dichters. Es gibt eine ganze Menge unterschiedlichster Rollen in diesem Verwechslungsspiel, das Shakespeare 1595 geschrieben hat. Wie ein einziger Schauspieler wohl die vielen Personen darstellen wird, konnte man sich im Vorfeld gespannt fragen. Schließlich gibt es da die beteiligten Liebespaare, die Schauspieltruppe, die Elfen und Feen und deren königliche Hoheiten Oberon und Titania. Ja selbst ein Esel ist dabei, in den sich die Feen-Königin versehentlich verliebt.

Umgebung wird eingebaut

Zunächst trat Lafrenz als Zeremonienmeister Philostrat am Hofe des Herzogs Theseus auf die Bühne, die nur mit wenigen Requisiten ausgestattet war. Die Geschichte spielte im antiken Athen und – man höre und staune – auch im nahe gelegenen Zauber-Wald in Hatzenweier. Es war eines der Stilmittel, die Bernd Lafrenz nutzte: Als Erzähler zitierte er zum einen Original-Verse aus dem Sommernachtstraum, zum anderen brach er die literarische Ebene mit solchen Anspielungen auf die Umgebung herunter. Auch die Neusatzer Kirche spielte plötzlich eine Rolle, ebenso wie das im 14. Jahrhundert erbaute Wasserschloss. Als Darsteller vieler Shakespeare-Werke gefiel Lafrenz natürlich die Idee, dass der große Meister zu seiner Zeit durchaus hier im Schloss hätte auftreten können.

Je nach Rolle wechselte er gekonnt Stimme und Attitüde. Ein weiteres Hilfsmittel, um unterschiedliche Figuren darzustellen, waren leere Bilderrahmen. Je nachdem, durch welchen Rahmen er schaute, stellte er jemand anderes dar. Das war witzig, gut gemacht und jederzeit nachvollziehbar.

Besonders geschickt geriet die Szene mit den Handwerkern, die im Hatzenweierer Wald für die Aufführung anlässlich der Hochzeit des Herzogs probten. Lafrenz hängte sich eine Menge Kopfbedeckungen an Schnüren um den Hals, und je nachdem, ob er den Zimmermann Peter, den Löwen oder den späteren Esel Zettl darstellte, zog er eine andere Mütze über. Zauberhaft gelang ihm die Darstellung des Puck, mit Glitzerkappe und Glitzerflügel. Am Ende ging das Durcheinander um den Liebes-Zaubertrank doch gut aus. Jede und jeder bekam, wen er wollte, und das begeisterte Publikum klappte nach zwei Stunden amüsanter Unterhaltung die Stühle wieder zusammen.

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Erstellt:
20. Juli 2021, 11:00 Uhr
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