Wenn die Heimat nicht nur eine Farbe hat

Sinzheim (sga) – Die Sinzheimerin Esha Deibel verarbeitet in ihrem Buch ihre Lebensgeschichte als Adoptierte. 1996 bereiste sie ihre ursprüngliche Heimat Indien.

Will die Menschen an ihrem Schicksal teilhaben lassen: Esha Deibel. Foto: Deibel

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Will die Menschen an ihrem Schicksal teilhaben lassen: Esha Deibel. Foto: Deibel

Esha Deibel wird oft gefragt, wo sie herkommt. Doch es ist nicht ihr Wohnort, für den sich die meisten Menschen interessieren. Weil die Sinzheimerin eine andere Hautfarbe hat, geht es oft um das Land, in dem sie geboren worden ist. Für Deibel ist das eine große Belastung – auch, weil sie sich selbst oft nach ihrer Herkunft fragt.

„Irgendwas fehlt innerlich“, erzählte die 24-Jährige vor einigen Monaten im Gespräch mit dem BT (wir berichteten). Sie wisse zwar, dass sie in Indien von einem damals zwölfjährigen Mädchen in Delhi (Hauptstadt von Indien) geboren und in einem Waisenhaus abgegeben wurde. „Aber du willst irgendwann auch wissen, wer deine leibliche Mutter ist.“ Die ewige Frage nach ihrer Herkunft führt sie schließlich sogar in das Land, in dem sie 1996 das Licht der Welt erblickt hat. Gemeinsam mit ihren Adoptiveltern, „bei denen ich auf jeden Fall auch eine Heimat gefunden habe“, wie Deibel erzählt, reist sie nach Indien. Antworten findet sie dort trotzdem nicht.

Natürlich ist die Sinzheimerin dankbar, nach Deutschland geholt worden zu sein. Aussagen wie „Sei doch froh, dass du nicht mehr dort bist“ oder „Du hast hier doch alles“ hört sie jedoch nicht gerne. „Die Menschen verstehen einfach nicht, dass auch ich als Adoptivkind schlechte Zeiten haben kann.“ Das müsse ja nicht unbedingt mit der Ausgangssituation zu tun haben. Ein Mensch mit einem Dach über dem Kopf und genügend Essen dürfe trotzdem mal traurig sein: „Nur, weil es anderen Personen schlechter geht, muss man seine Gefühle nicht verstecken“, ist sie der Meinung. Deibel weiß, dass sie mit ihren Emotionen nicht alleine ist. Um ihre Erfahrungen zu verarbeiten und anderen Menschen bei ihrem Schicksal zu helfen, hat sie sich zur Veröffentlichung eines Buchs entschieden.

Leben kann bunt, aber auch schwarz sein

In „Heimat hat zwei Farben“ schreibt sie von ihrem Leben in Deutschland und über die Höhen und Tiefen als Adoptivkind – was sie bewegt, womit sie sich auseinandersetzen muss und wie sie sich mit der Unterstützung ihrer Adoptiveltern etwas in Deutschland aufgebaut hat. Deibels 136 Seiten langes Werk ist für 12,99 Euro im Telescope-Verlag erscheinen. Die Freude der Sinzheimerin ist groß, denn eins will sie mit ihrem Buch klarmachen: „Das Leben ist bunt und manchmal eben schwarz.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
7. Juni 2021, 06:50 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 12sec

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