Wenn die Stadionwurst per App bestellt wird

Ettlingen (BNN) – Wer mit Bank- oder Kreditkarte bezahlt, kann dies in vielen Fällen nur dank der Firma VR Payment. Sie hat einen großen Standort in Ettlingen.

Da braucht’s in der Boutique keine Kassiererin: Die VR Payment-Gruppe ist Spezialist für bargeldloses Bezahlen. Ihren größten Standort hat sie in Ettlingen. Foto: payfree/Mark Bleker

Da braucht’s in der Boutique keine Kassiererin: Die VR Payment-Gruppe ist Spezialist für bargeldloses Bezahlen. Ihren größten Standort hat sie in Ettlingen. Foto: payfree/Mark Bleker

Shopping auf smarte Art ist technisch längst möglich: Die Kundin wählt in der Modeboutique ihre neue Kleidung aus, hält ihre Einkaufstasche an einen Scanner – der erkennt Dank RFID-Chip-Technologie an der Ware den Rechnungsbetrag innerhalb einer Sekunde. Quasi im Vorbeigehen bezahlt die Kundin kontaktlos mit einer Smartphone-App, Girocard (die frühere EC-Karte) oder Kreditkarte. „Die Verkäuferin hat so mehr Zeit für die Beratung“, sagt Markus Tode, Prokurist bei der VR Payment GmbH in Ettlingen.

Die hat zwar in der Bankenmetropole Frankfurt ihren Sitz. Über die Hälfte der 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten aber in der Ettlinger Dependance. Wer auf der Schnellstraße oder auf der A 5 daran vorbeifährt, sieht den markanten Firmenschriftzug – der nicht ohne Grund an Volks- und Raiffeisenbanken erinnert: VR Payment ist der Zahlungsspezialist der genossenschaftlichen Finanzgruppe.

Jede Kundin, jeder Kunde, der beim Bäcker, Metzger, Einzelhändler, in der Gastronomie, im Freizeitpark, im Parkhaus, Hotel oder Supermarkt mit der EC-Karte, Kreditkarte oder per Smartphone-App bezahlt, hat irgendwann schon einmal die Dienstleistung von VR Payment genutzt. „Wir stellen ein Fünftel der Zahlungsterminals in Deutschland. Das wollen wir erhöhen“, sagt Tode im Gespräch mit dieser Zeitung.

Corona hat das bargeldlose Bezahlen enorm beschleunigt – insbesondere das kontaktlose Bezahlen, bei dem am Terminal beim Einzelhändler keine Geheimzahl mehr eingegeben werden muss.

2019 stellte VR Payment bundesweit 124.000 Terminals zur Verfügung. Im vergangenen Jahr waren es 189.000. Die Zahl der Bezahlvorgänge stieg im gleichen Zeitraum um knapp 50 Prozent auf 538 Millionen.

Markus Tode, Manager beim Zahlungsspezialisten VR Payment in Ettlingen. Foto: Skrock Fotografie

Markus Tode, Manager beim Zahlungsspezialisten VR Payment in Ettlingen. Foto: Skrock Fotografie

Gute Voraussetzungen für weiteres Wachstum bei der VR Payment also, die mehrheitlich der DZ Bank gehört – dem Spitzeninstitut der Genossenschaftsbanken, das zugleich die Nummer zwei unter den deutschen Banken ist. Herausfordernd sei, dass die Innovationszyklen immer kürzer werden und Fachkräfte rar sind, sagt Tode. Die Nähe zum genossenschaftlichen IT-Dienstleister, der atruvia AG in Karlsruhe, und zum KIT sind Gründe, warum VR Payment in Ettlingen so stark präsent ist.

Zur Erklärung des Geschäftsmodells: Wenn ein Gewerbe- oder Firmenkunde – sagen wir ein Bäckermeister – zu seiner Volksbank geht und seinen Kunden elektronische Zahlungen ermöglichen will, dann kommt VR Payment ins Spiel. Die Ettlinger stellen die Zahlungsterminals und die Zahlungssysteme zur Verfügung, damit der elektronische Einkauf von Brötchen, Croissant & Co funktioniert.

Es gibt aber weitere Beispiele, auch in der Region: So setzt der Karlsruher SC als Kunde der Volksbank Karlsruhe Baden-Baden letztlich auf VR Payment, die 84 Terminals ins Stadion gebracht hat. „Wenn ich als KSC-Fan einen Schal kaufen will oder eine Stadionwurst, dann kann ich so bargeldlos bezahlen“, erklärt Tode. Allerdings – dies beklagen einige Fans an die Adresse KSC – bietet der Sportclub inzwischen weniger Stände an, in denen mit Bargeld bezahlt werden kann.

Auch der SSV Jahn Regensburg, Hannover 96 oder Eintracht Frankfurt nutzen VR Payment. Die technischen Möglichkeiten sind raffiniert. „Bei Hannover 96 kann ich während des Spiels per Smartphone App meine Stadionwurst bestellen und verpasse kein Tor“, sagt VR Payment-Pressesprecherin Verena Schneider. Die App zeigt auch, wann man den Imbiss in der Pause – bereits bezahlt – abholen kann.

Einsatz beim Stromtanken möglich

Im Fanshop von Eintracht Frankfurt funktioniert das smarte Shopping der VR Payment-Tochter payfree wie beim eingangs erwähnten Beispiel im Textilgeschäft der Zukunft.

Chancen fürs Unternehmen sieht Tode übrigen auch bei Ladesäulen für E-Autos. Auch solche stellt VR Payment in Kooperation mit einem Anbieter zur Verfügung. Ab Juli 2023 müssen neue Ladesäulen mit verschiedenen Bezahlkarten funktionieren, so will es der Gesetzgeber. Das kommt VR Payment zupass. Deren Terminals im Einzelhandel akzeptieren schließlich ebenfalls alle gängigen Girokarten oder Kreditkarten – auch von Sparkassen- oder Deutsche-Bank-Kunden, um zwei Beispiele zu nennen.

Rasant zugenommen hat zuletzt die Zahl der Verkaufsautomaten: Wurst vom Metzger, Pizza vom Italiener, Milch vom Hofladen – zu jeder Tages- und Nachtzeit wird das per Automat verkauft. Dies auch als Antwort auf den Online-Handel, der keine Ladenschlusszeit kennt. „Dank Robotik sowie smarter Bestell- und Bezahlsysteme sind die Verkaufsautomaten so schick wie nie zuvor“, so die Handelsforscher der EHI Retail Institute GmbH (Köln) gegenüber den BNN. Die Ladenöffnungszeiten ließen sich so ausweiten, sagt der Tech-Experte des EHI, Ulrich Spaan. Auch die Nahversorgung der Bevölkerung in City-Lagen oder auf dem Land lasse sich mit Automaten verbessern.

VR Payment hatte im Vor-Corona-Jahr noch 1.800 Verkaufsautomaten im Betrieb – mittlerweile sind es 44.500, die über ihr System funktionieren. Man wolle Omnikanal-Anbieter sein, betont Tode: So bietet VR Payment auch Onlineshop-Lösungen samt Zahlungsmodul für Firmenkunden der Genossenschaftsbanken an.

Zum Thema:

Kontaktlos bezahlen:
Mit der Girocard (der früheren EC-Karte) oder mit der Kreditkarte hat das den Vorteil, dass es schnell geht und hygienisch ist. Bei Beträgen, die unter 50 Euro liegen, wird dann grundsätzlich auf die Eingabe einer Geheimzahl (PIN) verzichtet. Grundsätzlich deshalb, weil Karteninhaber spätestens nach fünf Transaktionen oder nach einer Gesamtsumme von maximal 150 Euro wieder eine PIN eingeben müssen.

Falls die Karte gestohlen wird: Dann könnte der Dieb bei kleineren Beträgen einige Male einkaufen, bis die Karte gesperrt ist. Der Kunde könnte dann laut Verbraucherzentrale unter Umständen bis zu einer Höhe von 50 Euro haften. Ob dieser Maximalbetrag erhoben wird, entscheidet die kartenausgebende Bank.

Das sagt der Sicherheitsprof: „Wenn Sie kontaktlos ohne PIN zahlen, ist das tatsächlich weniger sicher“, sagt Jörn Müller-Quade, Professor am KIT. Es komme darauf an, wer das Risiko trägt, so der Informatiker und Kryptograph gegenüber unserer Zeitung. In der Regel können Kunden die Kontaktlosfunktion ihrer Karten aber am Geldautomaten deaktivieren – dann ist beim Bezahlen an Terminals immer eine PIN-Eingabe erforderlich.

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