Wer kriegt wie viel im Amateurfußball?

Baden-Baden (moe) – Eine Umfrage soll Licht ins finanzielle Dunkel des Amateurfußballs bringen: Journalisten von Correctiv und EyeOpening.Media haben eine erste bundesweite Befragung gestartet.

Geschichten über Geld im Amateurfußball gibt es reihenweise, Fakten aber nur sehr wenige. Foto: Jens Schierenbeck/dpa

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Geschichten über Geld im Amateurfußball gibt es reihenweise, Fakten aber nur sehr wenige. Foto: Jens Schierenbeck/dpa

Der altvordere Stürmer, der durch seine Tore in der ersten Amateurliga so viel Schotter verdient hat, dass er sich Gartenterrasse und Hofeinfahrt hat pflastern können – oder sogar gleich das ganze Haus. Der schon etwas abgehalfterte Ex-Profi, der als Spielertrainer in der Kreisliga nochmal kräftig Kasse macht. Der regionale Jungstar, der vom Geldbündel jonglierenden Club-Mäzen mit einem neuen Auto geködert wird oder einfach der trinkfeste Kapitän, der für eine Bier-Flatrate im heimischen Clubhaus in den 90 Minuten davor auf den ramponierten Plätzen der B-Klasse Woche für Woche die Knochen hinhält.

Die Geschichten über die Bezahlung von Amateurfußballern sind beinahe so alt wie das Spiel selbst. Nahezu jeder Kicker kann die ein oder andere Räuberpistole zum Besten geben. Fakt ist, auch in den Spielklassen ab der Regionalliga abwärts fließt regelmäßig Geld. Die große – meist unbeantwortete – Frage hingegen lautet: Wie viel?

Licht ins finanzielle Dunkel bringen

Journalisten des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv sowie die Produktionsfirma EyeOpening.Media, die im Auftrag der ARD arbeitet, haben es sich zur Aufgabe gemacht, Licht ins finanzielle Dunkel zu bringen – mit einer ersten bundesweiten Onlineumfrage, die sich an die rund zwei Millionen aktiven Vereinsspieler in Deutschland richtet. „Von Nord nach Süd, vom Osten bis in den Westen kann eigentlich jeder etwas zu diesem Thema sagen – egal auf welchem Niveau man spielt, die Geschichten gibt es ja überall“, sagt Arne Steinberg, Journalist bei Correctiv und federführend mit der Umfrage betraut.

Im Vergleich zum Geschichtenreichtum ist die Faktenlage zu diesem Thema recht dünn. „Es gab wenig in den Medien, wenig in der Forschung“, berichtet Steinberg: „Vereinzelt gab es episodenhaft Berichterstattung und vor zehn Jahren mal eine Diplomarbeit – das war es soweit.“ Das soll sich in Kürze ändern. Wer verdient wie viel? Wird nach Leistung bezahlt? Auf welche Weise wird eigentlich entlohnt? Beeinflusst die Bezahlung das Klima in der Mannschaft oder im Verein? Unter anderem auf diese Themen erhoffen sich Steinberg und sein Kompagnon Wigbert Löer von EyeOpening.Media Antworten.

Teilnahme noch bis Ende November

Noch bis Ende November kann in wenigen Klicks an der Befragung teilgenommen werden – auch anonym. Neben allgemeinen Daten zum Alter, dem Bundesland und Beruf sind rund zehn weitere Fragen zu beantworten. Obendrein kann man den Verantwortlichen weitere Hinweise, Meinungen und Dokumente übermitteln, um den Machern bei der Recherche zu helfen.

Die Resonanz ist laut Steinberg durchaus vielversprechend. Der Journalist, der zusammen mit Correctiv-Kollegen sowie der ARD-Dopingredaktion im vergangenen Sommer mit der Recherche über Schmerzmittelmissbrauch im Fußball – der Hashtag damals lautete passenderweise „Pillenkick“ – für Aufsehen gesorgt hatte, will zwar „nur ungern konkrete Zahlen nennen, weil sich das dynamisch ändern kann, aber wir sind mit dem Rücklauf bisher zufrieden. Und ich glaube, das ist ein gutes Zeichen, dass das Thema im Amateurfußball Reaktionen hervorgerufen hat“.

Erste Berichte aus den Kabinen und Clubhäusern sind bereits eingegangen: Beispielsweise von Gönnern, die ihren Lieblingsverein im großen Stil finanziell pushen – und damit im eigenen Verein offenbar nicht nur Applaus ernten. Funktionäre hingegen berichten im Umkehrschluss auch von Nachwuchskickern mit Euro-Zeichen in den Augen.

Die Befragung läuft noch bis Ende November.

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Erstellt:
26. November 2020, 15:15 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 39sec

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