Werdende Mütter „zunehmend verunsichert“

Rastatt (naf) – Corona, die Schließung der Geburtsstation der Rastatter Klinik: „Werdende Mütter sind zunehmend verunsichert“, sagt Hebamme Sabine Karck. Ihr Geburtshaus verzeichnet große Nachfrage.

Hebamme Sabine Klarck ist täglich mit den Sorgen werdender Mütter konfrontiert, die derzeitige Schließung der Rastatter Geburtsstation ist eine davon. Foto: Nadine Fissl

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Hebamme Sabine Klarck ist täglich mit den Sorgen werdender Mütter konfrontiert, die derzeitige Schließung der Rastatter Geburtsstation ist eine davon. Foto: Nadine Fissl

Es ist ein Thema, das vielen Rastattern Sorgen bereitet. Bis zum Jahresende soll die Entbindungsstation der Barockstadt geschlossen bleiben, um Plätze für eine mögliche zweite Corona-Welle freizuhalten, wie Klinikum-Mittelbaden-Geschäftsführer Jürgen Jung bereits im Juli erklärte. Doch „die Mütter in der Umgebung glauben an keine Wiedereröffnung“, sagt Sabine Klarck, Hebamme des Geburtshauses in Rastatt. Ihre Hebammenpraxis mit Geburtshaus ist – Hausgeburten ausgenommen – aktuell die einzige Möglichkeit, in Rastatt zu gebären. Und die Nachfrage sei groß.
„Normalerweise erreichen uns zwei bis vier Anfragen am Tag. Nachdem die Schließung der Geburtsstation bekannt wurde, stand das Telefon mindestens eine Woche lang nicht mehr still“, erzählt Klarck. Alle Geburten könne sie jedoch nicht auffangen. „Es hat mir oft leidgetan, aber wir haben eben nur ein dünnes Team.“ Während der Rufbereitschaft, die einige Wochen vor der Geburt beginnt, ist Klarck rund um die Uhr für ihre Schwangeren erreichbar. Da mache es natürlich einen Unterschied, ob sie für vier oder acht Frauen verantwortlich ist.

Kapazitäten reichen nicht mehr aus

Werdende Mütter, die von einer anderen Hebamme betreut werden und lediglich in ihrer Praxis gebären wollen, nimmt sie generell nicht auf. Voraussetzungen für eine Entbindung im Geburtshaus sind ein Basisgespräch, in dem man sich zunächst kennenlernt, sowie ein vertiefendes Gespräch, bei dem es um die individuellen Wünsche jeder Mutter geht. „Das sollte vier bis fünf Wochen vor dem Entbindungstermin stattfinden“, sagt Klarck. Wenn eine Schwangere sich erst kurz vor der Entbindung beim Geburtshaus meldet, wie es nach der Schließung der Geburtsstation des Öfteren der Fall war, könne sie ihr nicht helfen.

„Die werdenden Mütter sind zunehmend verunsichert“, beobachtet Klarck, angefangen habe das schon zu Beginn der Corona-Pandemie. Die Sorge, sich in der Klinik anzustecken oder den Partner nicht bei der Geburt bei sich haben zu können, habe bereits im Frühjahr viele Frauen in das Geburtshaus geführt. Die Schließung der Entbindungsstation tat ihren Rest. In den vergangenen drei Monaten musste Klarck bereits fünf Schwangere auf die Hebammengemeinschaft in Germersheim verweisen. Ihre Kapazitäten reichen nicht mehr aus.

Die Gründe, warum einige Frauen nicht in der Klinik in Balg entbinden wollen, seien – vom fehlenden Fahrzeug bis zur persönlichen Bindung an Rastatt – sehr unterschiedlich. Der Tenor sei jedoch eindeutig: „Rastatt ist eine Kreisstadt. Es wäre traurig, wenn hier die Geburtshilfe zu kurz kommt.“ Außerdem weiß Klarck von einer Geburt, bei der die Zeit nicht mehr reichte, um nach Baden-Baden zu fahren. Das könne zwar immer mal wieder passieren aber „es liegt die Vermutung nahe, dass das ohne die Entbindungsstation in Rastatt häufiger vorkommen wird“ (siehe auch: zum Thema).

Verlust der nahegelegenen Klinikversorgung für Klarck problematisch

Das Geburtshaus selbst ist ebenfalls unmittelbar von der Schließung betroffen. Den Standort der Praxis hat man sich vor zwei Jahren „mit dem Bewusstsein ausgesucht, dass die Klinik in der Nähe ist“, sagt Klarck. Denn bei Komplikationen während der Geburt sind auch die Hebammen auf ärztliche Hilfe angewiesen. Es kann beispielsweise vorkommen, dass die Plazenta operativ entfernt werden muss. So auch in zwei „grenzwertigen Situationen“, in denen eine nahe Geburtsstation in Rastatt laut Klarck „sehr gut gewesen wäre“.

Dass bestimmte Fachabteilungen in einer Klinik zusammengefasst werden sollen, könne sie nachvollziehen, allerdings nur, wenn auch der Umkreis mit Notfallambulanzen ausgestattet sei. Bei einer Zusammenfassung spare man zwar Personal, das sei ihrer Meinung nach aber der falsche Weg: „Die erwiesenermaßen sinnvolle und sichere Geburtshilfe kann man gewährleisten, wenn eine Hebamme auch nur für eine Frau zuständig ist.“

Im Juli hatten Landrat Toni Huber und Klinik-Geschäftsführer Jung bekräftigt, dass eine dauerhafte Schließung der Geburtsstation nicht zur Diskussion stehe. Einige werdende Mütter und auch Bündnisse wie „Geburtsklinik Rastatt bleibt“ scheinen daran zu zweifeln.


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