Wertschätzung, die unter die Haut geht

Forbach (stn) – Etwa 25 Tattoos hat der Gausbacher Maurice Ochs laut eigener Aussage. Eines davon ist seinem besten Freund Toby gewidmet, der 2017 im Alter von 34 Jahren an einem Hirntumor verstarb.

Jedes Tattoo hat für Maurice Ochs eine besondere Bedeutung. Foto: Maurice Ochs

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Jedes Tattoo hat für Maurice Ochs eine besondere Bedeutung. Foto: Maurice Ochs

„Ich trage mein Leben unter meiner Haut“, sagt der 31-jährige Maurice Ochs über die vielen Kunstwerke, die in schwarzer Tinte einen Großteil seines Körpers zieren. Wie viele Tattoos er mittlerweile auf seinem Körper hat, kann er gar nicht mehr so genau sagen. „Etwa 25 Stück, schätze ich mal“, vermutet Ochs. An sein erstes Tattoo im Jahr 2008/2009 erinnert er sich hingegen noch sehr genau. „Angefangen hat es mit einem ,Ochs‘, der die Initialen meiner Familie trägt“, erzählt der zweifache Vater und Ehemann.

Als zweites folgte das Datum, an dem er seine Frau Carmen kennenlernte. Das war am 22. August 2010. Das Tattoo ließ er sich noch am Ende desselben Jahres stechen. „Wir kannten uns schon länger. Dann sind wir zusammengekommen und da war mir klar, dass das für immer ist. Man merkt ja, ob es passt. Ansonsten hätte ich mir das Tattoo auch nicht machen lassen“, sagt er selbstbewusst. Direkt unter dem Kennenlerndatum auf dem rechten Oberarm: der Schriftzug „Keine ist wie du“.

Seine kleine Familie hat er auch auf dem rechten Unterarm in Form eines Kompasses verewigt. Statt Himmelsrichtungen zieren den Kompass allerdings die Anfangsbuchstaben seiner Frau Carmen, seines sechsjährigen Sohnes Elian und seiner zweijährigen Tochter Kaja.

Ein Denkmal an den besten Freund

Diesen Kunstwerken sollten im Lauf der Jahre noch viele weitere folgen. „Immer dann, wenn es ein Ereignis in meinem Leben gab – sei es ein fröhlicher, glücklicher Moment oder aber auch ein trauriger Moment“, so der 31-Jährige.

Ein besonders schmerzhafter Verlust war der Tod seines besten Freundes Toby, der 2017 im Alter von nur 34 Jahren an einem Hirntumor starb. Als Erinnerung an ihn hat Ochs sich eine Yankee-Mütze mit dem Namen seines besten Freundes auf den linken Arm tätowieren lassen. „Die Mütze war sein Markenzeichen“, erläutert Ochs. Unter der Mütze ist der Schriftzug „Nur nach vorne gehen“ zu sehen, in Anlehnung an das gleichnamige Lied der Düsseldorfer Punk-Band „Broilers“: „Das war Tobys Motto. Er hat nie aufgegeben und hat zu uns gesagt ,Macht euch keinen Kopf, geht immer weiter‘.“

Für Ochs ist dieses Erinnerungstattoo deshalb eines der wichtigsten. „Diese Verewigung unter der Haut zeigt jedem, wie wichtig diese Person war und ist, ein Zeichen, dass man ihn niemals vergessen wird. Ein Denkmal an ihn. Gleichzeitig hilft es einem auch, mit dieser Trauer abzuschließen, man hat das Gefühl diese Person immer bei sich zu haben“, sagt Ochs. „Ein Tattoo ist für mich mehr als nur ein Mode-Accessoire. Es gibt Kraft, hilft zu verarbeiten, zeigt anderen, wie man über sie denkt, zeigt Wertschätzung.“

Motive sind immer eine Überraschung

Mit schwarzer Tinte unter die Haut gebracht hat Ochs auch die Geburtstage seiner Freunde – 26 Stück an der Zahl –, seine Hobbys (Tennis und Fastnacht), sowie seinen momentanen Beruf als Soldat im Eurokorps in Straßburg.

Jedes dieser Bilder hat er sich innerhalb von einer Sitzung machen lassen, weil „ich das Endprodukt gleich sehen will“, wie er selbst sagt. Die Schmerzen hierfür nimmt er gerne in Kauf. Wie sehr es weh tut, sei abhängig von der Körperstelle. „Auf dem Unterarm merkt man es gar nicht. Aber das Tattoo auf den Rippen war schmerzhaft“, gesteht er, „aber man gewöhnt sich dran.“

Welches Motiv sich Ochs stechen lässt, verrät er seiner Familie vorher übrigens nie. „Was genau unter die Haut kommt, ist immer eine Überraschung. Meist waren sie begeistert, einzig bei dem Tattoo mit der Fasentverein-Hexenmaske gab es nicht gerade Freudensprünge“, weiß er, „aber alles in allem war die Rückmeldung positiv.“

Die Yankee-Mütze war das Markenzeichen seines besten Freundes Toby. Foto: Maurice Ochs

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Die Yankee-Mütze war das Markenzeichen seines besten Freundes Toby. Foto: Maurice Ochs

Ihr Autor

BT-Volontärin Nora Strupp

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Erstellt:
11. Februar 2021, 11:10 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 52sec

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