Wertvolle Kopie unter dem Hammer

Paris (kie) – Am Freitag wird die Mona Lisa versteigert – jedoch nur eine Kopie. Doch ihr früherer Besitzer war zeitlebens davon überzeugt, dass es sich bei dem Bild um das Original handelt.

Kleines Bild mit großer Wirkung: Zahlreiche Kopien der Mona Lisa wurden in den vergangenen 500 Jahren angefertigt. Nun steht eine davon zum Verkauf. Foto: Sabine Glaubitz/dpa

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Kleines Bild mit großer Wirkung: Zahlreiche Kopien der Mona Lisa wurden in den vergangenen 500 Jahren angefertigt. Nun steht eine davon zum Verkauf. Foto: Sabine Glaubitz/dpa

Sie zählt zu den berühmtesten Gemälden aller Zeiten und wurde in den vergangenen 500 Jahren tausendfach künstlerisch adaptiert. Nun versteigert das Auktionshaus Christie’s in Paris eine Kopie der Mona Lisa. Das Besondere daran: Sie stammt aus dem Nachlass des 1977 verstorbenen Antiquars Raymond Hekking, der zeitlebens von der Idee überzeugt war, dass es sich bei dem Gemälde um das Original handelt. Im Pariser Louvre, so die Theorie Hekkings, befinde sich hingegen nur eine Kopie.

Ein leichtes Lächeln umspielt ihre Lippen, die junge Frau wirkt zufrieden und glücklich. Auch deshalb wird das Ölgemälde von Leonardo da Vinci auf Italienisch „La Gioconda“ (zu deutsch: „die Heitere“) genannt. Ab dem Jahr 1503 arbeitete der Genius an dem Bild, das vermutlich Lisa del Giocondo, Frau eines Florentiner Tuch- und Seidenhändlers, darstellt.

Eine Signatur tragen die Werke da Vincis nicht; auch jener Umstand ist es, der bis heute teilweise die Theorie befeuert, dass es sich bei der im Louvre ausgestellten Mona Lisa gar nicht um das Original, sondern um eine Kopie handeln könnte.

Spektakulärer Kunstdiebstahl

Hintergrund ist aber vor allem ein spektakulärer Kunstdiebstahl aus dem Jahr 1911: Damals entwendete der italienische Handwerker Vincenzo Peruggia, der zu dieser Zeit im Louvre arbeitete, das Gemälde mit dem Ansinnen, es nach Italien zurückzubringen. Knapp drei Jahre später kam die Mona Lisa nach einem missglückten Deal mit einem Kunsthändler in Florenz jedoch wieder in den Louvre zurück.

Doch wird seither auch behauptet, dass die Gunst der Stunde genutzt worden sei, um das Original gegen eine Kopie zu tauschen. Ein in Kunstkreisen prominenter Vertreter dieser Theorie hieß Raymond Hekking. Der Kunstsammler und Antiquar hatte das inzwischen als „Hekking-Mona-Lisa“ bekannte Werk für drei britische Pfund in den 1950er-Jahren bei einem südfranzösischen Antiquitätenhändler erstanden und war der Meinung, es mit einem Sensationsfund zu tun zu haben. Seine Auffassung vertrat er unter anderem vehement in verschiedenen Medien.

Hekking gelang es jedoch weder die Öffentlichkeit, noch die Kunstwelt von seiner Theorie zu überzeugen. Kunsthistoriker haben die Idee längst verworfen. Schließlich schätzten Gutachter die Entstehung des Gemäldes auf das 17. Jahrhundert, womit die „Hekking-Mona-Lisa“, die nun bei Christie’s versteigert wird, wesentlich jünger ist als das Original. Trotzdem wird der Wert der Kopie laut dem Auktionshaus auf 200.000 bis 300.000 Euro geschätzt. Wie Christie’s im Vorfeld der Auktion am Freitag mitteilt, beschreibe das Gemälde „den leidenschaftlichen Lebenstraum eines Mannes“.

Spätestens seit der Rückkehr des Gemäldes in den Louvre 1914 war das Werk weltberühmt. Aber auch zuvor gab es mannigfache Kopien. Die Berühmtheit des großen Multitalents da Vinci veranlasste dabei auch dessen Zeitgenossen zur Nachahmung. So wurden teilweise Kopien angefertigt, deren Entstehungszeitraum mit jenem des Originals nahezu deckungsgleich sind.

Nachahmungen aus allen Zeiten

Beispielsweise fanden Restauratoren im Jahr 2012 im Prado in Madrid eine nahezu exakte Kopie der Mona Lisa. Nachdem das Gemälde von Übermalungen befreit wurde, zeigte es Details, die beim Original kaum noch zu erkennen und nicht mehr restaurierbar waren, wie etwa Augenbrauen oder landschaftliche Elemente im Hintergrund. Es gilt als wahrscheinlich, dass das Werk von einem Leonardo-Schüler parallel zu der Arbeit des Meisters angefertigt wurde – Francesco Melzi oder Andrea Salai.

Vor allem ab dem 17. Jahrhundert entstanden vermehrt Kopien – diese sind inzwischen auf dem Kunstmarkt etabliert: Eine Kopie der Mona Lisa zu erstellen sei, so Christie’s, für Künstler fast aller Perioden ein erforderlicher Test gewesen, um das eigene Können unter Beweis zu stellen. Laut Angaben des Auktionshauses wurden 2019 drei Kopien des berühmten Gemäldes – zwei darunter aus dem 17. Jahrhundert – versteigert. Auch 2010 kam eine falsche Mona Lisa unter den Hammer: Teilweise erzielten die Gemälde Preise von mehr als 1,5 Millionen Dollar.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Franziska Kiedaisch

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Erstellt:
10. Juni 2021, 12:50 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

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