„Wettlauf gegen die Zeit“

Baden-Baden (naf) – Die KABS bekämpft 85 bis 90 Prozent der Waldstechmücken-Larven.

Bereits 2012 verstreut die KABS Sandgranulat mit Öl und dem Eiweißstoff über einem Mückenbrutgebiet.Foto: Murat/dpa

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Bereits 2012 verstreut die KABS Sandgranulat mit Öl und dem Eiweißstoff über einem Mückenbrutgebiet.Foto: Murat/dpa

130 Hektar in zwei Tagen: Die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) hat vergangene Woche ein weiteres Mal Schnelligkeit bewiesen. Von Offenburg bis nördlich von Karlsruhe wurden am Donnerstag und Freitag rund 85 bis 90 Prozent der Waldstechmücken-Larven bekämpft.
Sie komplett auszurotten, würde man nie schaffen, erklärt KABS-Leiter Dirk Reichle, „das wollen wir aber auch gar nicht“. Ziel sei es, die Population auf einem niedrigen Wert zu halten – zehn Prozent entsprechen noch immer Millionen Tieren –, damit die Mücken nicht abwandern müssen. „Das führt zur Belästigung in angrenzenden Ortschaften“, denn die kleinen Tierchen sind „extrem wanderfreudig“, und der Oberrhein eng bebaut.

Außerdem haben sie sich „hochfaszinierend“ an ihren Lebensraum angepasst, erklärt Reichle. Die Eier können sogar Jahre lang in einer trockenen Senke überleben. Kommt es zu Überschwemmungen des Altrheins und Wasseransammlungen, schlüpfen die Mücken innerhalb weniger Stunden. Der Mythos vom kalten Winter, der für weniger Stiche im darauffolgenden Jahr zuständig sein soll, ist also eine sich hartnäckig haltende Unwahrheit.

Der neue Hubschrauber – hier bei der Montage im Februar 2020 – unterstützt die KABS auch in diesem Jahr. Foto: Reichle

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Der neue Hubschrauber – hier bei der Montage im Februar 2020 – unterstützt die KABS auch in diesem Jahr. Foto: Reichle

In der heurigen kalten Jahreszeit gab es zwar viele Niederschläge, der Grundwasserspiegel sei aber noch immer niedrig. Auch das Hochwasser am Anfang des Jahres habe sich nicht allzu sehr auf die Population ausgewirkt – „so früh im Jahr gibt es keinen Schlupf“, sagt Reichle. Erst bei den wärmeren Temperaturen im März und April beginnen die Mücken zu schlüpfen. Die diesjährigen Kälteperioden hätten jedoch dafür gesorgt, dass die KABS später als im vergangenen Jahr mit der Bekämpfung starten musste, das sei von Jahr zu Jahr unterschiedlich.

Während es vor 15 Jahren noch klassische Termine gab, an denen man mit dem erhöhten Wasserspiegel rechnen konnte, ist das Planen mittlerweile schwieriger, so Reichle. „Rund um Ostern ist immer das Schneeschmelzen auf dem Mittelgebirge losgegangen“, die Wassermassen habe man meist auch in Mittelbaden bemerkt. „Mittlerweile ist das Gebirge schon weit vor der Saison abgeschmolzen“, in Kombination mit teils heftigen Niederschläge wird der Wasserstand – und damit die Schlüpfzeit – „schwer vorhersehbar“. Somit ist auch schwer zu sagen, wie viele Mücken das laufende Jahr bringt. „Das hängt einzig und allein von der Tatsache ab, ob es viele Hochwasserwellen gibt“, bestätigt Reichle.

Larven entwickeln sich im Sommer schneller


Wenn es dazu kommt, muss sein Team allerdings schnell sein – ein „Wettlauf gegen die Zeit“, wie Reichle sagt. Im Hochsommer dauert die Entwicklung der vier Larvenstadien und dem anschließenden Puppenstadium gerade mal fünf Tage, danach ist die Mücke schon über alle Berge, geflüchtet vor Fressfeinden und der Bekämpfung durch den Menschen. Diese greift nur in den vier Larvenstadien, die Puppe nimmt keine Nahrung mehr auf. Auch bei zu kalten Temperaturen „macht die Bekämpfung keinen Sinn“, erklärt Reichle. Die Larven entwickeln sich dann nur langsam, nehmen kaum Nahrung zu sich und somit auch nicht den verteilten Eiweißstoff. Ob dieser überhaupt ausgelegt wird, ist von der jeweiligen Larvenmenge abhängig. Nicht alle von der KABS kartierten Brutstätten werden damit behandelt, zuvor genommene Proben des Wassers lassen auf die Anzahl der vorhandenen Larven schließen.

In Baden und Rheinland-Pfalz sind Reichle und sein Team nun erstmal durch mit der Bekämpfung, in den nächsten Tagen folgt Hessen – die Temperaturen fordern zum Wettlauf gegen die Zeit heraus.

Ihr Autor

BT-Volontärin Nadine Fissl

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Erstellt:
30. März 2021, 20:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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