Wichtiger Schritt für bessere Wertschöpfung

Baden-Baden (for) – Mittelbaden ist eine von fünf neuen Bio-Musterregionen. Das hat das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) am Freitag bekannt gegeben.

Frisch geerntet und direkt auf den Esstisch: Kurze Wege von der Erzeugung bis zur Vermarktung von Produkten spielen eine große Rolle für mehr Klimaneutralität. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

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Frisch geerntet und direkt auf den Esstisch: Kurze Wege von der Erzeugung bis zur Vermarktung von Produkten spielen eine große Rolle für mehr Klimaneutralität. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Das Warten und Hoffen hat ein Ende: Der Antrag der Initiativgruppe Bioregion Mittelbaden (IBM) ist abgesegnet worden. Das hat das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) am Freitag mitgeteilt. Künftig darf sich Mittelbaden offiziell als Bio-Musterregion bezeichnen. „Das ist ein wichtiger Schritt für eine bessere Wertschätzung und Wertschöpfung unserer regionalen Produkte“, sagte Helga Decker, Initiatorin der IBM.

„Ökolandbau weiter stärken“

Neben dem Land- und Stadtkreis Rastatt/Baden-Baden und der Ortenau, die zusammen die Bio-Musterregion „Mittelbaden+“ bilden, hat das Land noch vier weitere neue Bio-Musterregionen in Baden-Württemberg bestimmt – damit steigt die Zahl der Musterregionen nunmehr auf insgesamt 14 an. Sie sollen künftig „den Ökolandbau in Baden-Württemberg weiter stärken und wertvolle Impulse für das ganze Land setzten“, so Landwirtschaftsminister Peter Hauk. Ziel sei außerdem, die regionale Wertschöpfung von der Erzeugung über die Verarbeitung bis hin zur Vermarktung und der Außer-Haus-Verpflegung zu steigern. Nicht zuletzt seien kurze Wege auch ein wichtiger Beitrag für mehr Klimaneutralität in der Region, wie Frohmut Menze von der IBM anmerkt.

Zahl der Ökobetriebe in Rastatt und Baden-Baden gering

„Mit den im Sommer beschlossenen Gesetzesänderungen zur Stärkung der Biodiversität gibt es im Land ambitionierte Ziele, um diese Entwicklung noch weiter voranzubringen“, betont Hauk. Die ökologische Landwirtschaft soll bis 2030 auf einen Anteil von 30 bis 40 Prozent ansteigen.

Um das zu erreichen, muss vor allem im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden noch einiges getan werden, weiß auch Menze. Dort liege der Bio-Flächenanteil nämlich gerade mal bei fünf Prozent. Laut einer Pressemitteilung der Grünen-Fraktion im Landtag habe sich die Zahl der Ökobetriebe in Baden-Baden von 2012 bis 2020 gerade mal von sechs auf sieben erhöht, im Kreis Rastatt von 20 auf 23. „Das zeigt: Bei uns gibt es ein großes Steigerungspotenzial, um Lebensmittel ökologisch zu erzeugen – sei es im Weinbau, bei der Grünlandnutzung, bei Sonderkulturen oder dem Ackerbau“, so die mittelbadischen Landtagsabgeordneten Hans-Peter Behrens und Thomas Hentschel (Grüne) in einer Pressemitteilung.

Hohes zivilgesellschaftliches Engagement

Umso mehr befürwortet Behrens die Entscheidung des Gremiums zu einer Biomusterregion „Mittelbaden+“. „Ich freue mich über die erfolgreiche Bewerbung. Sie ist ein gutes Beispiel für zivilgesellschaftliches Engagement“, sagte er gestern mit Blick auf rund 500 Mitstreiter, die sich seit der Gründung der IBM im Juli zusammengefunden haben. Gemeinsam mit dem Verein Gemeinwohl-Forum-Baden hatte sich die IBM zum Ziel gesetzt, verschiedene Akteure zu verbinden, die das ökologische Wirtschaften in der Region vorantreiben. „Dabei ist mit Landwirten, Winzern, Imkern, Unternehmern und Privatpersonen eine Bewegung entstanden, die schon lange da war und nur auf einen Startschuss gewartet hat“, blickt Menze zurück. So seien bereits jetzt schon viele Projekte angestoßen worden, die alle auf das große Ziel „Bio von hier für uns“ hinauslaufen.

Die Nachfrage nach regionalen Produkten sei zwar schon vorhanden. „Die Auszeichnung als Bio-Musterregion könnte aber ein zusätzlicher Impuls sein, der das Verbraucherbewusstsein für regionale Bio-Produkte noch einmal verstärkt“, hofft Decker.

Nähe und Transparenz in Zeiten globaler Warenströme spielten ohnehin eine immer wichtigere Rolle für die Endverbraucher, schreiben die CDU-Abgeordneten Alexander Becker, Tobias Wald und Kai Whittaker in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Deshalb seien die Erzeugung und Vermarktung lokaler, nachhaltiger Produkte ein absoluter Mehrwert“. Wichtig sei aber, die konventionelle Landwirtschaft nicht gegen die ökologische auszuspielen. „Es kommt auf das Miteinander und nicht das Gegeneinander an“, betonen die CDU-Abgeordneten.

Land beteiligt sich bei Kosten für Regionalmanagement

Die Bio-Musterregion ist ein Gütesiegel mit dem Anspruch, mehr Bio-Produkte regional zu produzieren. Um das zu erreichen, übernimmt das Land 75 Prozent der Kosten für ein Regionalmanagement zur Unterstützung des Öko-Landbaus vor Ort, konkret entspricht das 100.000 Euro jährlich für einen Zeitraum von mindestens drei Jahren. Welche Schritte nun als nächstes eingeleitet werden, will der Lenkungskreis der IBM am kommenden Donnerstag beschließen. Im Januar soll dann an einem runden Tisch über die Konsolidierung der Bio-Musterregion „Mittelbaden+“ beraten werden.

Menze zeigt sich optimistisch, auch seitens der Kommunen finanziell unterstützt zu werden – auch wenn die offiziellen Zusagen darüber aufgrund der Corona-Pandemie noch auf sich warten lassen. Bis dahin übernehme ein Stifterkreis die restlichen 25 Prozent der Kosten für das Regionalmanagement.


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