Wie eine Niederbühlerin die Pandemie Down Under erlebt

Brisbane/Rastatt/Iffezheim (marv) – Strand und Sonne satt statt Homeoffice und Ausgangssperre. Amanda Feakes aus Niederbühl erlebt die Pandemie in Brisbane ganz anders als die Menschen in Baden.

Der Woorim Beach auf Bribie Island. Foto: Amanda Feakes

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Der Woorim Beach auf Bribie Island. Foto: Amanda Feakes

Schöne Tage am Strand und Sonne satt. Was für viele bereits vor Corona wie ein Traumurlaub klang, ist für Amanda Feakes Alltag. Seit etwa zweieinhalb Jahren lebt die Niederbühlerin – von einigen Unterbrechungen abgesehen – in Australien. Die Pandemie erlebt sie Down Under ganz anders als ihre Verwandten und Freunde zu Hause. Mit ihrem Mann Lachlan, den sie am 25. August 2019 geheiratet hat, und ihren Hunden Hazel und Hunter lebt sie in Brisbane, der Hauptstadt des australischen Bundesstaats Queensland. Im flächenmäßig zweitgrößten Staat Australiens soll es aktuell keine positiven Corona-Fälle geben, daher „beeinflusst uns die Pandemie zurzeit wenig bis gar nicht“, schreibt Feakes dem BT. Sie hat das Wochenende unbeschwert am Strand verbracht.

Das weltweit anerkannte Covid-19-Dashboard der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität gibt für ganz Queensland 1.311 Coronafälle und sechs Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 an (Stand: 2. Februar, 16.23 Uhr). Der Bundesstaat im Osten Australiens ist mit 1.730.650 Quadratkilometern etwa fünfmal so groß wie Deutschland und hat knapp fünf Millionen Einwohner. Zum Vergleich: Feakes‘ Geburtsstadt Rastatt allein hat 1.350 positive Fälle und 16 Todesfälle (Stand: 2. Februar, 14 Uhr) gemeldet.

„Dennoch ist das Virus präsent und immer in unseren Köpfen, da Social-Distancing-Schilder und Handdesinfektionsmittel wirklich an jeder Ecke und in jedem Laden zu finden sind“, schildert sie. Restaurants, Bars und Clubs sind in Queensland offen, aber auf eine bestimmte Zahl an Gästen beschränkt. Die Menge orientiert sich an der Größe der Räume und der Anzahl der Tische. Ähnlich wie man es aus dem Pandemiesommer 2020 aus Deutschland kennt, muss jeder Gast per App seine Kontaktdaten (Namen, Wohnort und Telefonnummer) hinterlassen, sodass er bei eventuellem Kontakt mit einer infizierten Person benachrichtigt werden kann. „Wir haben weitgehend unser altes Leben zurück“, schreibt die 26-Jährige. Sie kann Aus- und Essen gehen, Bars besuchen und sogar feiern.

Wünscht sich nichts sehnlicher als ein Ende der Pandemie: Amanda Feakes, geborene Joseph. Foto: privat

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Wünscht sich nichts sehnlicher als ein Ende der Pandemie: Amanda Feakes, geborene Joseph. Foto: privat

Doch das war nicht immer so: „Ich habe den Umgang mit der Pandemie in Australien als sehr strikt und abrupt empfunden“, schildert Feakes. Die Außengrenzen sowie die Grenzen zwischen den einzelnen Bundesstaaten wurden geschlossen. „Ich erinnere mich noch gut daran, dass einen Tag vor meiner Ausreise am 19. März kein Tourist mehr nach Australien einreisen durfte.“

Die Kontrollen am Flughafen bei ihrer Rückkehr beschreibt Feakes als „wahnsinnig gut koordiniert“. Ganz Australien war vom 12. März bis 1. Mai im harten Lockdown. 50 Tage lang. „Man durfte seine Hunde ausführen, Lebensmittel einkaufen gehen oder kranke Familienmitglieder zum Arzt oder ins Krankenhaus fahren. Das wars“, schildert sie ihre Eindrücke des Lockdowns. „Das australische Militär und die Polizei waren sehr präsent.“ Man wurde viel kontrolliert, besonders auf der Autobahn, schreibt Feakes. Wer ohne triftigen Grund außerhalb des eigenen Hauses angetroffen wurde, „bekam direkt eine Verwarnung samt saftiger Geldstrafe“. Wie in Deutschland auch galt Social Distancing. Freunde oder entfernt lebende Verwandte zu besuchen war verboten. „Die Lage wurde extrem ernst genommen.“ Bars, Clubs, Restaurants, kleine Geschäfte, aber auch große Konzerne wurden geschlossen. Von Freunden aus Deutschland habe sie fast täglich „ätzende Kommentare“ bekommen. In den Nachrichten hieß es dann: „Australien übertreibt total“ und „so schlimm ist das doch alles gar nicht, bei uns ist noch alles normal“. „Meiner Meinung nach hat Australien alles richtig gemacht und ist definitiv ein Vorzeigeland im Umgang mit Corona“, sagt Feakes. Und: „Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass all die anderen Länder, in denen Corona immer noch ,unzähmbar‘ ist, bald eine Lösung finden, um die Situation zu verbessern.“

Lachlan und Amanda Feakes bei ihrer Hochzeit am 25. August 2019 in Brisbane, Australien. Foto: privat

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Lachlan und Amanda Feakes bei ihrer Hochzeit am 25. August 2019 in Brisbane, Australien. Foto: privat

16.180 Kilometer liegen zwischen Rastatt und Brisbane. Für viele Menschen dank moderner Flugverbindungen und Internet keine große Hürde mehr. Doch in der Pandemie trennen uns gefühlt wieder Welten. Feakes war zuletzt im März 2020 in Deutschland. Aktuell ist es sehr schwer, nach Australien einzureisen. Das Land zu verlassen ist möglich, allerdings nur in dringenden Fällen. „Man muss sich quasi für eine Ausreise bei der Regierung ,bewerben‘ und einen wichtigen Grund angeben, beispielsweise den Tod eines Familienmitglieds“. Daher möchte sie eine Ausreise aktuell nicht riskieren, es sei denn, sie muss. „Sobald sich die aktuelle Situation weltweit beruhigt hat“, möchte sie Deutschland mit ihrem Mann einen Besuch abstatten. „Ich bin wahnsinnig dankbar für das, was ich hier habe, aber leide natürlich mit meinem Heimatland und all den anderen Hotspots sehr mit.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Marvin Lauser

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Erstellt:
6. Februar 2021, 15:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 16sec

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