Wie geht es am Kammertheater Karlsruhe weiter?

Karlsruhe (BNN) – So schnell kann’s gehen: Schon kurz nach dem ersten Telefonat ist der Schauspieler und Regisseur William Danne neuer Intendant am Kammertheater Karlsruhe.

Theaterbegeisterung mit Bereitschaft zum Anpacken: William Danne (links) wurde auf Rat seines Vorgängers Ingmar Otto (rechts) von Geschäftsführer Bernd Gnann als Intendant am Kammertheater Karlsruhe eingestellt. Foto: Uli Deck/Artis

© ARTIS - Uli Deck

Theaterbegeisterung mit Bereitschaft zum Anpacken: William Danne (links) wurde auf Rat seines Vorgängers Ingmar Otto (rechts) von Geschäftsführer Bernd Gnann als Intendant am Kammertheater Karlsruhe eingestellt. Foto: Uli Deck/Artis

Es dürfte einer der schnellsten Karriereschritte der Theaterszene sein: Vor knapp drei Wochen war William Danne, 38, noch frei schaffender Schauspieler, Regisseur und Autor. Dann bekam er einen Anruf aus Karlsruhe. Nun ist er seit einer Woche neuer Intendant des Kammertheaters und arbeitet sich, noch begleitet von seinem Vorgänger Ingmar Otto, ins neue Amt ein. Und das nicht nur hinter den Kulissen: „Ich habe mich auch schon an die Vorverkaufskasse gesetzt, weil ich wirklich die ganze Struktur des Hauses kennenlernen will“, sagt Danne im Gespräch mit dieser Zeitung.

Sein schneller Einstieg war möglich, weil ein Privattheater anders agieren kann als eine primär von Subventionen getragene Bühne. „Als Geschäftsführer muss ich dabei niemanden um Erlaubnis fragen“, sagt Bernd Gnann, der das Kammertheater seit 2009 leitet. Wohl aber frage er dabei um Rat: „Ingmar Otto kennt sich in der Szene viel besser aus als ich. Und wenn er sagt, dass William Danne der passende Mann fürs Haus ist, dann vertraue ich ihm.“

Fließender Übergang

Denn auch das ist anders als bei den meisten Stadt- oder Staatstheatern: Dort ist ein Leitungswechsel oft verbunden mit einer inhaltlichen Neuaufstellung. Das Kammertheater hingegen setzt nach eigenem Bekunden auf einen fließenden Übergang, mit dem der eingeschlagene Weg fortgeführt werden soll. „Ingmar Otto hat das Haus mit vielen Stücken aus eigener Feder und einem hohen Anteil an musikalischen Produktionen geprägt“, sagt Gnann. „Es lag mir sehr am Herzen, dass dies fortgesetzt wird.“

Als ausgebildeter Musicaldarsteller, der selbst schon Stücke geschrieben und als Regisseur auf die Bühne gebracht hat, passt Danne hier offenkundig ins „Beuteschema“. Zudem verbindet der gebürtige Sauerländer Theaterbegeisterung mit Bereitschaft zum Anpacken: „Aufgewachsen bin ich auf einem Bauernhof und habe dort im Hühnerstall meine ersten Aufführungen gezeigt“, sagt Danne. Für seine Adaption von Comedyserien habe er Freunde und Verwandte zum Mitmachen motiviert – „und die restlichen 200 Dorfbewohner haben zugeschaut“.

„Theater muss nachhaltiger arbeiten“

Ob er da bald mit seinem neuen Chef ein paar Jugenderinnerungen austauscht? Auch Gnann hat, wie er gern erzählt, bereits während seiner Kindheit und Jugend auf einem Bauernhof die Liebe zum Theater entdeckt. „Wir haben sogar schon ins Auge gefasst, auf den beiden Höfen mal zu gastieren“, lacht Gnann. Danne hätte dafür die passende Produktion parat: Seinen Durchbruch als Autor schaffte er mit dem Stück „Käthe holt die Kuh vom Eis“, das er selbst als „Bauernhof-Klopper“ bezeichnet – und das zunächst kein Theater haben wollte. „Da hab‘ ich es auf eigene Kosten produziert, am Landestheater Arnsberg, weil ich wusste: Zuhause krieg‘ ich damit zumindest drei Mal den Laden voll“, erzählt Danne.

Das klappte – und dann wurde noch etwas mehr daraus. Das Schmidt-Theater Hamburg holte die Produktion als Sommerprogramm in seine Spielstätte Tivoli. „Es war der WM-Sommer 2018 und man sagte uns, es wäre schon ein Erfolg, wenn wir 65 Prozent Auslastung erreichen würden“, erinnert sich Danne. „Es waren dann 85 Prozent.“ Inzwischen haben mehrere andere Theater das Stück inszeniert, insgesamt verzeichnet es bereits über 200 Aufführungen. Und einige Termine der Originalproduktion wird es nun im Herbst auch in Karlsruhe geben. Das passt zu einem wichtigen Anliegen von Ingmar Otto, der dem Kammertheater auch verbunden bleiben will, wenn er im April als Intendant ans Grenzlandtheater Aachen wechselt. „Theater muss nachhaltiger arbeiten, als es früher üblich war“, ist Otto überzeugt. „Man kann zwar nicht garantieren, ob eine Produktion erfolgreich wird. Aber wenn sie es wird und mehrere Theater sie zeigen wollen, dann ist es doch sinnvoll, sich dafür zu vernetzen.“

Otto selbst sind einige solcher Produktionen am Kammertheater gelungen. Etwa das Freddie-Mercury-Musical „Show Must Go On“, von 2017, dessen Ensemble bis heute immer noch für Gastspielreihen zusammengebracht wird. Vor seinem Abschied aus Karlsruhe bringt Otto am 25. Februar in der Spielstätte K2 die Krimi-Adaption „Achtsam morden“ heraus.

Gerade wieder aufgenommen wurde zudem seine musikalische Produktion „Bed of Roses“, die im Februar 2020 herauskam und damals nach sechs Vorstellungen von Corona ausgebremst wurde.

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