Wie viel „Ninja Warrior“ steckt in mir?

Karlsruhe (fde) – Ohne spezielle Vorbereitung, aber mit reichlich sportlichem Ehrgeiz hat BT-Redakteur Dennis Fettig 2019 einen Selbstversuch im „härtesten TV-Hindernisparcours Deutschlands“ gewagt.

Das obligatorische Teilnehmerfoto vor dem Start darf nicht fehlen. Foto: Markus Hertrich/RTL

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Das obligatorische Teilnehmerfoto vor dem Start darf nicht fehlen. Foto: Markus Hertrich/RTL

„Griffkraft ist das A und O“, erklärt mir RTL-Redakteur Jovan Evermann im Vorfeld meines Selbstversuchs im „Ninja Warrior Germany“-Parcours. Daher glänzen vor allem geübte Kletterer mit guten Leistungen. Außerdem seien Geschick, Körperspannung, Kraft und Ausdauer gefragt. Neben den 350 Kandidaten, die in der Show antreten, hatte ich die Möglichkeit, den Parcours bei den TV-Aufzeichnungen im Juni 2019 in der Messe Karlsruhe zu testen.

„Die mit zu großen Ambitionen scheitern meist“

Ich persönlich kann keinerlei derartige Erfahrungen vorweisen, und habe mich auch nicht weiter auf meine Premiere vorbereitet. In meiner Freizeit bin ich begeisterter Ballsportler und mache ein bisschen Fitness. Ob das reicht, muss sich zeigen. Mit einem gewissen Ehrgeiz gehe ich dennoch an den Start, aber mein vorrangiges Ziel ist es, möglichst verletzungsfrei zu bleiben und mich nicht vollends zu blamieren. „Die mit zu großen Ambitionen scheitern meist“, meint Evermann und bestärkt mich damit in meiner Tiefstapelei.

Bevor ich überhaupt starten darf, muss ich wie alle anderen Athleten an einer Sicherheitsunterweisung teilnehmen. Fitness-Coach Patrick Whitehead erklärt dabei unter anderem, was im Parcours erlaubt und verboten ist. So müssen etwa Ketten, Ringe und Armbänder aufgrund der Verletzungsgefahr ablegt werden. Mützen oder Ähnliches solle man besser absetzen, rät Schiedsrichter Christian, der ein Auge darauf hat, dass alle die Regeln einhalten. Seine unmissverständliche Ansage: „Wenn irgendwas ins Wasser fällt, seid ihr raus!“ Im Anschluss führt ein Profi-Athlet jedes der sechs Hindernisse einmal vor. Jeder Teilnehmer hat nur einen Versuch. Wer scheitert, ist raus – und meist auch noch klitschnass. Dass das passiert, steht außer Frage: „Es werden ein paar von euch baden gehen“, so Whitehead.

Respekt vor der 4,25 Meter hohen Wand

Zwischen den Aufzeichnungen zweier Vorrundenshows ist mein großer Moment gekommen: Da am dritten Hindernis Nacharbeiten nötig sind, kann ich keinen kompletten Durchlauf machen. Macht nichts, rolle ich das Feld eben von hinten auf, denke ich mir, und wähle als erste Hürde direkt die 4,25 Meter hohe Wand. Vorteil des Hindernisses: Ein unfreiwilliges Bad ist hier ausgeschlossen.

Gleich der erste Versuch an der 4,25 Meter hohen Wand gelingt. Foto: Maike Schmidt

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Gleich der erste Versuch an der 4,25 Meter hohen Wand gelingt. Foto: Maike Schmidt

„Gas geben und den Blick zur Kante“, so die knappe Ansage von Whitehead. Wenn es nicht reicht, solle ich einfach wieder runterrutschen. Auge in Auge mit der Wand spüre ich vor allem eines – Respekt. Gedanken an einen Rückzieher verdränge ich sofort. Noch einmal tief durchatmen, also gut, probieren wir’s: Mit kleinen, schnellen Schritten renne ich auf die steile Wand zu (ein bescheuertes Gefühl), den Blick auf die Kante gerichtet. Das reicht nie, schießt es mir durch den Kopf, als ich beim finalen Tritt mit den Fingern nach oben fasse. Doch der Griff sitzt. Einen Moment später habe ich mich hochgezogen. Geschafft! Und sogar im ersten Anlauf. Das Glücksgefühl ist unbeschreiblich. Oben angekommen merkt man noch einmal, wie hoch 4,25 Meter wirklich sind. Anerkennend geht Patricks Daumen nach oben.

Nebenan steht die 5,50 Meter hohe „Mega-Wand“, die in dieser Staffel Premiere feiert. Wer das Monstrum erklimmt, erhält direkt 2 000 Euro. Bei einem Fehlversuch darf man sein Glück noch mal am kleineren Bruder versuchen.

Mit einem Affenzahn ans Schaumstoffpendel

Als Nächstes wartet der Hängegleiter mit Pendel auf mich. Um an den Startpunkt zu gelangen, muss ich erst einmal an einer Säule einige Meter nach oben klettern – wer Höhenangst hat, dürfte bereits hier an seine Grenzen kommen. Vor meinem inneren Auge spiele ich noch einmal durch, wie der Profi dieses Hindernis absolviert hat. Dann ziehe ich die Füße nach oben und rutsche am Reifen hängend los. Mit einem Affenzahn geht es abwärts, und was noch erschwerend hinzukommt: An zwei Punkten knallt der Reifen einige Zentimeter krachend nach unten.

Wer beim Übergang vom Hangelgleiter zum Pendel den Schwung verliert, hat keine Chance mehr. Foto: Maike Schmidt

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Wer beim Übergang vom Hangelgleiter zum Pendel den Schwung verliert, hat keine Chance mehr. Foto: Maike Schmidt

Doch die Fahrt gelingt und ich kann mich an das Schaumstoffpendel klammern. Ein Arm rüber, mit dem anderen noch einmal Schwung holen, und dann mit einem Satz auf die schwarze Matte. Dabei drehe ich mich und lande (ungewollt) auf meinem Allerwertesten – immerhin ein Satz mit Stil. Und das Wichtigste: Ich bin weiter trocken.

Sichere Variante beim Fünfsprung

Mittlerweile haben sich die Zuschauerränge in der Halle gefüllt. Für meinen Auftritt hat zwar keiner der 500 Menschen Eintritt bezahlt, aber gegen einen spektakulären Abgang ins Wasser hat auch keiner von ihnen etwas einzuwenden – das kann ich an den Gesichtern ablesen. Doch den Spaß will ich ihnen nicht gönnen, schon gar nicht am Einstiegshindernis Fünfsprung.

Der Fünfsprung sieht einfach aus, muss aber erst einmal gemeistert werden. Foto: Maike Schmidt

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Der Fünfsprung sieht einfach aus, muss aber erst einmal gemeistert werden. Foto: Maike Schmidt

Dieses Element sieht vor allem im TV einfacher aus, als es ist. In dieser Staffel seien die einzelnen Blöcke aber auch steiler und etwas weiter auseinander, erläutert Jovan Evermann. Die Folge: „Bei einer Aufzeichnung sind von 50 Kandidaten 13 ins Wasser gefallen“ – keine wirklich mutmachende Aussage. Statt der forschen Variante des Profis mit einem Lauf und fünf schnellen Schritten gehe ich auf Nummer sicher: Mit beherzten Sprüngen hopse ich von einer Plattform zur nächsten, und am Ende zielsicher auf die Matte. Auch dieses Hindernis ist zu meiner Erleichterung geschafft.

Wechselkleidung liegt vorsorglich parat

Aber die Hoffnung, dass ich den Heimweg trockenen Fußes antrete, schwindet spätestens beim Blick auf Hindernis Nummer vier. Vorsorglich lege ich zuvor schon mal die Wechselkleidung parat. Von einem Trampolin springe ich an einen großen Ring. Dieser muss nun bis an eine Stelle gedreht werden, an der er einrastet. So weit, so gut. Gleiches gilt für Ring Nummer zwei, bei dem mir das irgendwie aber nicht mehr so recht gelingen will.

Vor vollen Zuschauerrängen ist der Druck an den Ringen noch größer. Foto: Maike Schmidt

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Vor vollen Zuschauerrängen ist der Druck an den Ringen noch größer. Foto: Maike Schmidt

In meinem Übereifer unterläuft mir der fatale Fehler, dass ich die Füße nach unten hängen lasse. Das kostet viel Kraft in den Armen. „Füße hoch“, ruft mir Whitehead von unten zu, doch das ist leichter gesagt als getan. Ich nehme alle Kraft zusammen und schwinge die Beine nach oben, berühre den Ring, kann meinen Fuß aber nicht oben halten. Nach drei weiteren kraftraubenden Versuchen hänge ich immer noch an Ort und Stelle. In diesem Moment ist mir klar: Das wird nichts mehr.

Daran ändern auch die aufmunternden „Zieh, zieh, zieh“-Rufe aus dem Publikum nichts. Aber einfach aufgeben und fallen lassen? Nein, das fühlt sich nicht richtig an. Daher wage ich – wohlwissend, dass ich gleich nass werde – einen letzten Versuch, aber auch der misslingt. Mit voller Breitseite schlage ich im Wasser auf. Als ich am Beckenrand sitze und einen Blick hoch auf die Ringe werfe, gibt es aufmunternden Applaus. Auch Whitehead attestiert mir eine gute Leistung, was sich wie ein Ritterschlag anfühlt. Am liebsten würde ich es sofort erneut probieren, aber einen zweiten Versuch gibt es in der Show nun mal nicht.

Das war nichts: Mit einem unfreiwilligen Bad endet der Versuch an den Ringen. Foto: Maike Schmidt

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Das war nichts: Mit einem unfreiwilligen Bad endet der Versuch an den Ringen. Foto: Maike Schmidt

Leistung der Athleten verdient allerhöchsten Respekt

So hat mir der Selbstversuch vor allem eines gezeigt: Die Leistung der Athleten verdient allerhöchsten Respekt. Bei dieser Staffel werde ich mit einem anderen Auge vor dem Fernseher sitzen, denn ich weiß jetzt, dass der „härteste TV-Hindernisparcours Deutschlands“ nicht nur eine Floskel ist.

Dieser Artikel ist erstmals 2019 erschienen. Für die Reihe „Throwback Thursday“ des BT-Instagram-Teams wurde er aus dem Archiv gekramt.

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Erstellt:
8. Oktober 2020, 21:02 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 39sec

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