Wieder Erdstöße wegen Geothermie-Tests?

Straßburg (lor) – In den vergangenen Tagen gab es mehrere leichte Erdbeben in der Region Straßburg. Geothermie-Bohrungen könnten die Ursache dafür sein.

Die Firma Fonroche führt in Vendenheim Geothermie-Tests durch, hier ein Bild aus dem Jahr 2018. Foto: Jürgen Lorey/Archiv

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Die Firma Fonroche führt in Vendenheim Geothermie-Tests durch, hier ein Bild aus dem Jahr 2018. Foto: Jürgen Lorey/Archiv

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch und am frühen Mittwochmorgen hat nördlich von Straßburg die Erde mehrmals gebebt. Es waren vier leichte Erdstöße innerhalb von sechs Stunden, die das französischen Erdbebenüberwachungsnetz RéNaSS registrierte, das seine Zentrale in Straßburg hat. Die Erdbeben hatten demnach eine Stärke von 1,1 bis 2,7 auf der Richterskala. Das Epizentrum des stärksten Bebens lag neun Kilometer nördlich von Straßburg.
Das erste Beben mit einer Stärke von 2,1 war am Dienstagabend um 23.33 Uhr nahe der elsässischen Metropole zu spüren. Eine Stunde später kam es um 0.40 Uhr zu einem zweiten Erdbeben in der nördlichen Randgemeinde Schiltigheim mit der Stärke 1,1. Am frühen Mittwochmorgen ereigneten sich dann in den beiden selben Zonen zwei weitere Beben um 5.39 Uhr mit der Stärke 2,7 und um 6.18 Uhr mit der Stärke 1,1.

RéNaSS stufte die vier Erdbeben als „induzierte Ereignisse“ ein. Mit anderen Worten; sie wurden direkt oder indirekt durch menschliche Aktivitäten verursacht. Ursachen dafür können Bergbau oder Tiefengeothermie sein. Diese Aussage des RéNaSS wirft die Frage auf, ob die Geothermie-Tests der Firma Fonroche in Vendenheim nördlich von Straßburg für die jüngsten Erdbeben verantwortlich sind.

Beben vor einem Jahr auch in Ortenau zu spüren

Vor fast einem Jahr, am 12. November 2019 hatte es in Straßburg ein leichtes Beben der Stärke 3,1 gegeben, das über Kehl hinaus auch im Ortenaukreis zu spüren war. Das Epizentrum lag nördlich von Straßburg nur wenige Kilometer von der Geothermie-Anlage des Unternehmens Fonroche in Vendenheim entfernt. Erdbebenforscher der Universität Straßburg gingen damals davon aus, dass es höchstwahrscheinlich einen Zusammenhang mit den Probebohrungen von Fonroche auf dem ehemaligen Gelände der Raffinerie Reichstett nördlich von Straßburg gibt. Das Unternehmen hatte versuchsweise Wasser in den Untergrund injiziert. Die Straßburger Präfektur hatte dagegen keine Beweise dafür gesehen, die laufenden Tests aber dennoch gestoppt.

Im September forderte die Präfektur Fonroche nun auf, weitere Tests durchzuführen. Seit Anfang Oktober injiziert Fonroche wieder Wasser in den Untergrund. Die Tests sollen neun Monate lang bis Juni kommenden Jahres dauern. Diesmal ist das Wasser gefärbt, weil man feststellen will, wie es unterirdisch fließt und ob dadurch Spannungen entstehen, die Erdstöße auslösen können. Eine unabhängige Expertenkommission soll anschließend die Ergebnisse bewerten.

Tests mit gefärbtem Wasser

Die Tests mit dem gefärbten Wasser bestehen aus drei Phasen, in denen die eingeleitete Wassermenge von 250 Kubikmeter pro Stunde auf 450 Kubikmeter pro Stunde erhöht wird, wie der Direktor von Fonroche, Jean-Philippe Soulé, der Tageszeitung Dernières Nouvelles d’Alsace erklärte.

Außerdem habe Fonroche die Zahl der Sensoren, die jede kleine Erschütterung messen, von anfangs sieben auf jetzt 50 erhöht. Diese seien über eine Fläche von 50 Quadratkilometer im Norden von Straßburg zwischen Hoerdt und dem Stadtteil Robertsau verteilt.

Sollten alle Tests günstig verlaufen und zeigen, dass die Risiken beherrschbar sind, könnte laut Präfektur die gewerbliche Nutzung der Geothermieanlage in Vendenheim ab Juli kommenden Jahres starten.

Für Fonroche steht viel auf dem Spiel: In Vendenheim soll die frankreichweite erste Erdwärme-Anlage entstehen, die sowohl Strom als auch Fernwärme produziert. Fonroche plant, Wasser so in das Erdreich zu injizieren, dass es sich nach dem Hochpumpen auf 200 bis 220 Grad aufgeheizt hat. Damit will das Unternehmen 10000 Haushalte in Straßburg mit Strom und 26000 Haushalte mit Wärme versorgen.

Eine andere Geothermieanlage des Energieversorgers Electricité de Strasbourg in Illkirch-Graffenstadten ist weiter vorangeschritten. Dort soll im Frühjahrs oder Sommer 2021 ebenfalls Strom und Wärme produziert werden.

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