Wieder mehr Bewegung in Stadt und Land

Von BT-Korrespondentin Brigitte Henkel-Waidhofer

Stuttgart (bjhw) – Datenerfassung: Der zweite Lockdown führt nicht im selben Maße zu leeren Straßen wie der erste.

Wieder mehr Bewegung in Stadt und Land

Im ersten Lockdown – hier die A81 am 12. April – haben die Menschen ihre Mobilität stärker reduziert als jetzt. Foto: Andreas Rosar/dpa

Trotz Corona-Lockdown gibt es wieder Staus in Städten und auf Autobahnen. Die Mobilität nimmt zu, nicht erst seit dem strahlenden Sonnenschein der jüngsten Tage. Die tagesscharfe Erfassung von Daten am Robert-Koch-Institut in Berlin weist für Baden-Württemberg eine Zunahme der Bewegungen aus.

Auswertungen, auch für den Rastatt, zeigen, wie Fahrten innerhalb der Kreisgrenzen wieder zunehmen. Für die Diskussion um weitere Lockerungen ist dieser Anstieg von zentraler Bedeutung, weil vor allem mit Blick auf die Mutationen möglichst wenige Fahrten stattfinden sollen. Darüber hinaus beteiligt sich das Land an einer Studie zum Infektionsrisiko in Bussen und Bahnen.

Welche Daten werden erhoben?

Schon im ersten Lockdown wurden in Zusammenarbeit mit Mobilfunkanbietern Bewegungsströme analysiert. Verglichen wurden die Zahlen in einem Gebiet und einem Zeitraum mit dem Vor-Corona-Jahr 2019. Inzwischen liegen auch Untersuchungen aus dem zweiten Lockdown vor, die zeigen, dass mit Ausnahme der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr mehr Menschen unterwegs sind als im vergangenen Frühjahr. Damals wurde auch der stärkste pandemiebedingte Rückgang bisher überhaupt verzeichnet: In den letzten beiden Aprilwochen 2020 war die Mobilität im Vergleich zu 2019 um fast 60 Prozent niedriger.

Wie ist die derzeitige Lage im Land?

Gerade die Auswirkungen der inzwischen vom Verwaltungsgerichtshof aufgehobenen Ausgangsbeschränkungen zwischen 20 Uhr abends und fünf Uhr morgens lassen sich in den Bewegungsströmen nachvollziehen. Experten gehen davon aus, dass darin auch die bundesweit einmalige Absenkung der Infektionszahlen mitbegründet ist: Vor Weihnachten lag Baden-Württemberg bei knapp mehr als 200 Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohnern. Inzwischen liegt dieser Wert bei 45 und ist in keinem anderen Bundesland niedriger. Die Tendenz ist allerdings leicht steigend.

Wie würden sich weitere Öffnungen auswirken?

Seit einem Jahr befassen sich auch Mathematiker mit den verschiedensten Aspekten der Pandemie. So wird die Belegung von Intensivbetten in Modellen hochgerechnet und simuliert, welche Maßnahmen welche Auswirkungen haben können. Vor allem Einzelhändler, aber auch Kosmetik- oder Fitnessstudio-Betreiber und in einem nächsten Schritt Gastwirte und Hoteliers hoffen auf neue Perspektiven. Forscher der Berliner Humboldt-Uni haben ermittelt, dass gerade in Phasen, in denen Zahlen niedrig sind, Ausbreitungen durch Mobilitätsbeschränkungen zu verlangsamen sind. In den Hintergrund treten dabei auch die Hygienekonzepte und deren Güte in einzelnen Branchen oder auch bei Veranstaltungen. Wichtiger ist vielmehr, dass die zurückgelegten Strecken kurz bleiben und nicht deutlich mehr werden. Das RKI hält Daten für alle Stadt- und Landkreise vor. In Rastatt blieb der Fernverkehr über die gesamte Zeit der Pandemie praktisch gleich niedrig. Insgesamt nahmen Bewegungen in den vergangenen Wochen wieder zu, allerdings nur innerhalb des Kreises und nicht über die Kreisgrenzen hinweg. In Baden-Baden haben die Fernverkehre im Sommer zugenommen, sind dann wieder gesunken und steigen aktuell auf niedrigem Niveau wieder an.

Welche Rolle kann der ÖPNV übernehmen?

Seit Beginn der Pandemie ist die Ansteckungsgefahr in Bussen und Bahnen ein Thema. Jetzt nehmen je 325 Teilnehmer an einer vom Land mitfinanzierten Studie im Rhein-Main-Gebiet teil. Eine Gruppe ist auf dem Fahrrad unterwegs oder im eigenen Auto, die zweite mindestens 15 Minuten in Bus oder Bahn. „Wir haben Grund zur Annahme, dass es für die zweite Gruppe kein erhöhtes Risiko gibt“, sagt Verkehrsminister Winfried Herrmann (Grüne). Das aber solle und müsse belegt werden.