Wiedereröffnung der Gernsbacher Bücherstube

Gernsbach (stn) – Im November 2020 ereignete sich ein Brand in der Bücherstube Katz am Kelterplatz. Jetzt sind die Renovierungsarbeiten abgeschlossen und die Buchhandlung hat wieder geöffnet.

In der Bücherstube lädt eine Kinderecke mit Sessel und Tisch junge Leseratten zum Stöbern ein. Foto: Nora Strupp

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In der Bücherstube lädt eine Kinderecke mit Sessel und Tisch junge Leseratten zum Stöbern ein. Foto: Nora Strupp

Tausende Bücher fielen dem verheerenden Brand in der Bücherstube von Sabine Katz am 16. November 2020 zum Opfer. Doch wenn man die Buchhandlung jetzt betritt, sollte man nicht meinen, dass dort vor neun Monaten ein Feuer gewütet hat. Die Räumlichkeiten sind mittlerweile renoviert, zum Teil auch umgestaltet und nun wieder bereit für kleine und große Leseratten.

„Der Brand war ein traumatisches Erlebnis“, schildert Sabine Katz (65) den furchtbaren Moment. „Du stehst draußen, guckst rein und siehst, wie die Flammen höher schlagen. Du hast das Gefühl, dein Lebenswerk wird zerstört. Alles ist voller Ruß und steht unter Wasser. Der Geruch ist ganz schlimm, den hast du abgespeichert.“

Ein Großaufgebot an Rettungskräften rückte an diesem Nachmittag zum Kelterplatz aus. Nach einem Kurzschluss in der Zimmerdecke breitete sich das Feuer über die Holzdecke und die Isolierung schnell aus, innerhalb kürzester Zeit stand die Bücherstube in Flammen. Verletzt wurde bei dem Brand niemand, und der Brand war schnell gelöscht. Doch nachdem die Arbeit der Einsatzkräfte der Feuerwehrabteilung Gernsbach beendet war, fing die Arbeit für Sabine Katz erst an. Alle Bücher haben nach Rauch gerochen, und auch das hölzerne Regalsystem mit den Schindeldächern musste erneuert werden. „Ich habe einen sehr guten Schreiner gefunden, der gerettet hat, was noch zu retten war. Die Regale wurden tiefengereinigt und so aufbereitet, dass sie nicht mehr nach Feuer riechen“, berichtet die Inhaberin.

Schmökern in der Leseecke

Kurz nach dem Brand wurde auf dem Parkplatz der Bücherstube als Ausweichquartier eine Hütte aufgestellt, sodass der Betrieb fortgeführt werden konnte. „Die Hütte war eine Attraktion. Trotzdem genieße ich es, dass wir jetzt unseren Raum wiederhaben“, freut sich Katz. Die Bücher, die Rauch- und Wasserschäden aufwiesen, wurden von einem Verwerter abgeholt, der in seinem Laden Literatur mit Brandschäden zum kleinen Preis verkauft.

Einiges wurde umgestaltet. So befindet sich die Kinderecke nun nicht mehr links neben dem Eingang, sondern rechts bei der Kasse. Ein kleiner Tisch und ein Kindersessel stehen bereit. Und dort, wo früher die Literatur für die kleinen Bücherfreunde war, ist nun eine Leseecke für Kunden. Auch hier laden ein Tisch und zwei Sessel vor einer großen Fensterfront zum Schmökern ein, darüber thront ein alter Kronleuchter. Die Bücherstube wirkt offener und heller.

Auch die Beleuchtung und die Klimaanlage sind neu. Die Wände wurden abgeschliffen und erneuert, eine Holzdecke angebracht und ein Fußboden verlegt. In Kürze soll außerdem ein Samowar aufgestellt werden. Mit dem russischen Wasserkocher können sich Kunden eine Tasse Tee gönnen, während sie in den neuesten Romanen stöbern. Die Besonderheit der Buchhandlung – der Stamm eines Kastanienbaums, der aus der Kassentheke herauswächst und mit künstlichen Seidenblättern bestückt ist – soll ebenfalls noch folgen.

Verlegerin Sabine Katz blickt positiv in die Zukunft. Foto: Nora Strupp

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Verlegerin Sabine Katz blickt positiv in die Zukunft. Foto: Nora Strupp

Katz: „Kunden haben mir Mut gemacht“

Während der Renovierungsarbeiten habe es allerdings mehrere Pannen gegeben, erzählt Katz. So sei etwa die Bestellung des neuen Fußbodens verloren gegangen oder Teile der neuen Lampen hätten sich auf dem festgesessenen Containerschiff „Ever given“ im Suezkanal befunden. „Man braucht Nerven und man muss kämpfen“, so Katz. Ein Kampf, vor dem sie zwischenzeitlich sogar kapitulieren wollte. „Aber ich habe mich darauf besonnen, was meine Leidenschaft ist. Außerdem habe ich ein tolles Team, das mich unterstützt und darin bestärkt hat, dass es sich lohnt, zu kämpfen. Auch meine Kunden haben mir Mut gemacht.“

Nun hat sie neue Kraft gesammelt und blickt positiv in die Zukunft. Für sie steht fest: „Ich bin zwar schon 65, aber die Rente ist noch nicht in Sicht. Ich möchte schon noch eine Weile weitermachen.“ Sofern die Corona-Situation es zulässt, soll es bald ein Eröffnungsfest geben. Auch Veranstaltungen sind dann wieder geplant.

Bücher-Box am Kelterplatz

Die Bücherstube Katz hat Montag bis Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr und von 14.30 bis 18.30 Uhr sowie samstags von 9 bis 12.30 Uhr geöffnet. Aber auch außerhalb der Öffnungszeiten müssen Leseratten nicht auf Nachschub verzichten. Vor dem Geschäft steht wie gewohnt die Bücher-Box, aus der gegen Bezahlung Literatur entnommen werden kann.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nora Strupp

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Erstellt:
24. August 2021, 16:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 05sec

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