Wiehernder Methusalem ist schon 35 Jahre alt

Baden-Baden (galu) – 35 Jahre – für Vollblüter ein biblisches Alter. Elotus aus dem Stall von Arthur Roth hatte jüngst Geburtstag. Das 1985 geborene Pferd sieht zwar nicht mehr jugendlich aus, grast aber noch immer munter auf einer Wiese in Geroldsau.

Nicht mehr ganz so jugendlich, aber trotzdem noch aktiv: Elotus grast nach wie vor auf seiner Wiese.   Foto: Lukas Gangl

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Nicht mehr ganz so jugendlich, aber trotzdem noch aktiv: Elotus grast nach wie vor auf seiner Wiese. Foto: Lukas Gangl

Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, das Geburtstagskind grast in aller Ruhe auf seinem eingezäunten Stück Wiese neben seinem Stall in Geroldsau. Das Geburtstagskind ist Elotus, ein 35 Jahre alter Vollblüter und ein ehemaliges Rennpferd im Besitz von Arthur Roth. „Aktuell ist er ein bisschen struppig, aber so ist das nun mal im Alter“, scherzt dieser.
BT-Volontär Lukas Gangl hat sich mit Roth getroffen und sich die ungewöhnliche Geschichte des Pferdes erzählen lassen. Zunächst einmal sei gesagt: 35 Jahre sind ein wahrlich hohes Alter für ein Pferd, insbesondere für einen Vollblüter und ein ehemaliges Rennpferd. Das Durchschnittsalter liegt bei 16 bis 18 Jahren. Das Besondere daran sieht auch Arthur Roth. Der ehemalige Besitzer des Baden-Badener Kutschbetriebs ist immer noch erstaunt: „Ich hatte schon viele Pferde in meinem Leben, aber so alt wie Elotus ist noch keines geworden, nicht mal annähernd.“ Auch frisst der Senior immer noch feste Nahrung – etwas, was ältere Pferde kaum noch können. „Eine weitere Besonderheit: In den fast 30 Jahren, die er jetzt bei mir ist, war er nicht ein einziges Mal krank“, berichtet Roth mit Stolz. Wahrlich eine Leistung, kaum ein Mensch kann das von sich behaupten, geschweige denn ein Pferd.

Der Liebling der Reitschüler – hier noch in jungen Jahren.  Foto: Lukas Gangl

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Der Liebling der Reitschüler – hier noch in jungen Jahren. Foto: Lukas Gangl

Normal ist allerdings auch die Geschichte des Pferdes nicht. Vor 29 Jahren hatte Roth einen Reitstall in Lauf, in der Nähe der Residenz von Dieter Thomas Heck. Dessen Frau wollte ein Pferd, und Roth bot selbstverständlich eine Unterkunft für das Tier an. Also holte er Elotus, Nachfahre des Rennpferds Rocket, damals sechs Jahre alt, aus einem bekannten Kölner Rennstall in die Kurstadt. Das Vergnügen war kurz, gesundheitliche Gründe machten der Frau von Heck das Reiten unmöglich. Also nahm Roth das Pferd dauerhaft auf und führte es in den Schulbetrieb ein. Ungewöhnlich für ein ehemaliges Rennpferd, denn diese sind durch ihre Dressur meist dafür untauglich. „Elotus war immer sehr beliebt bei den jungen Reitschülern, auch weil er nicht scheu war“, erzählt Roth. Insgesamt verbrachte das Pferd 15 Jahre im Schulbetrieb.

Zwei rüstige Senioren posieren für die Kamera: Elotus und Arthur Roth.  Foto: Lukas Gangl

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Zwei rüstige Senioren posieren für die Kamera: Elotus und Arthur Roth. Foto: Lukas Gangl

Parallel dazu setzte Roth „seinen Schwarzen“, wie er das Pferd liebevoll nennt, im Kutschbetrieb ein. Insgesamt 25 Jahre führte er mit Elotus zusammen Passagiere durch und um die Kurstadt und erzählte seine Anekdoten. Vor zwölf Jahren hatte er aufgehört, ihn zu reiten, seit drei Jahren steht Elotus nun in Geroldsau und genießt dort seine verdiente Rente, sein Gnadenbrot. Zur Gesellschaft hat Roth vor ein paar Jahren noch einen Schimmel dazu gekauft, ein ehemaliges Zirkuspferd. „Die zwei ärgern sich zwar gerne einmal, aber Pferde sind Rudeltiere, eines allein zu halten, wäre einfach nicht artgerecht“, merkt der 86-jährige Roth an.

Wie es mit Elotus weiter geht? „Solange er gesund ist, wird er hier bleiben. Wenn es ihm einmal schlechter gehen sollte, werde ich ihn leider einschläfern lassen müssen, ich möchte nicht, dass er unnötig leidet“, befindet Roth. Bleibt zu hoffen, dass dem Vollblüter noch ein paar schöne Jahre auf seiner Wiese bleiben.

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Erstellt:
20. Mai 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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