Wilde Pfade zu den Geheimnissen des Bannwalds

Gernsbach/Enzklösterle (sazo) – Der Bannwald Bärlochkar zählt für Schwarzwald-Guide Petra Jung zu den ganz besonderen Orten, „weil man hier in die Geheimnisse des Waldes eintauchen kann“.

„Meine Passion gehört dem Lebensraum Totholz“, sagt Schwarzwald-Guide Petra Jung, die sich intensiv mit der „Metamorphose der Bäume“ beschäftigt. Foto: Sabine Zoller

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„Meine Passion gehört dem Lebensraum Totholz“, sagt Schwarzwald-Guide Petra Jung, die sich intensiv mit der „Metamorphose der Bäume“ beschäftigt. Foto: Sabine Zoller

Der Name gibt Hinweise auf eine längst vergangene Zeit, als im Schwarzwald noch Bären lebten und das große Felsloch im Herzen des Schutzgebiets Namensgeber für den Wald wurde, der als Bannwald viele Besonderheiten bietet.

Fasziniert von der Urtümlichkeit der Wälder in einem der letzten intakten Hochmoorgebiete Mitteleuropas entdeckte Petra Jung, die seit 2017 als zertifizierter Schwarzwald-Guide unterwegs ist und ein Jahr später die zusätzliche Ausbildung zur „staatlich zertifizierten Waldpädagogin“ abgeschlossen hat, bei einer Wanderung ihre Liebe zum Enztal.

„Das Wildseemoor auf dem Kaltenbronn zählt zum Quellgebiet der Eyach und diese mündet in die Enz“, erklärt die Fachfrau, für die diese Region zu einer Kraftreserve in einem immer schnelllebigeren Alltag geworden ist. „Hier finde ich innere Ruhe und Gelassenheit“, betont Jung, die sich mittlerweile in dem hochkomplexen Geflecht von miteinander in Beziehung stehenden Arten und Strukturen von Flora und Fauna wie zu Hause fühlt und sich mit dem Waldökosystem vertraut gemacht hat.

Innere Ruhe und Gelassenheit

Als naturbelassener Lebens- und Rückzugsraum für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten ist darin der Bannwald Bärlochklar ein besonderes Refugium. Denn anders als bei bewirtschafteten Waldflächen gibt es in diesem Waldschutzgebiet keine Holzernte. Der Wald bleibt sich selbst überlassen und kann sich somit ohne menschliche Einflussnahme ungestört entwickeln. „Seit fast drei Jahrzehnten wird hier kein Baum mehr gepflanzt oder gefällt und auch kein abgestorbenes Holz mehr entnommen“, erklärt Petra Jung das System des Naturwaldreservates.

Bannwald – dieser Begriff lässt aufhorchen. Denn es handelt sich nicht um ein Gebiet, das dem Menschen verschlossen ist, sondern vielmehr um einen Schutzwald, der nicht zerstört werden darf. „Das besondere an diesem Gebiet ist die Entstehungszeit vor über 30.000 Jahren. Das war zur letzten Eiszeit, als hier klirrende Kälte herrschte und sich durch das Abschmelzen und Abrutschen der Gletscher die wannenförmigen Mulden im Nordschwarzwald gebildet haben.“ Die als „Kar“ bezeichneten Plätze, die sich mit Wasser füllten, werden auch gerne als die „Augen des Schwarzwalds“ bezeichnet. Markantes Beispiel für den Nordschwarzwald ist dafür der „Mummelsee“.

„Was das Bärlochkar für mich im Besonderen auszeichnet, ist seine eher geringe Bekanntheit. Hier gelingt es einem – im Gegensatz zum Mummelsee – viel eher, in Abgeschiedenheit und Stille die Natur genießen zu können“, berichtet Petra Jung, die auf den kleinen Tümpel am Fuß des Großen Bärlochs verweist, der einst ein Karsee gewesen sein könnte. Hier haben es die Bäume besonders schwer. Die Wurzeln können nicht tief genug in den Boden eindringen, da Sauerstoff fehlt und starke Stürme zur Entwurzelung führen. Der Bannwald hat einen eigenen, individuellen Charakter und bietet darüber hinaus Besonderheiten, die auch für einen Schwarzwald-Guide eine besondere Faszination ausüben.

Der Kreislauf des Lebens

„Meine Passion gehört dem Lebensraum Totholz“, erklärt Petra Jung, die sich intensiv mit der „Metamorphose der Bäume“ beschäftigt und das ökologisch komplexe System mit den einfachen Worten „Kreislauf des Lebens“ beschreibt. Für natürliche Wälder ist das ein charakteristisches Merkmal und spielt im Ökosystem des Bannwalds eine zentrale Rolle: Schließlich sind von Totholz unzählige Vögel, Säugetiere, Reptilien und Amphibien, Insekten, Pilze, Flechten und Moose abhängig. Ob als Nahrung, Lebensraum oder Baumaterial.

Einige Fledermäuse (großer Abendsegler), Spechte (Schwarzspecht), Insekten (schwarze Holzbiene), Käfer (Hirschkäfer) können ohne Alt- und Totholz nicht leben. „Mit der Zersetzung des Holzes entsteht ein günstiges Kleinklima, der Boden wird mit Nährstoffen versorgt, was wiederum zur Naturverjüngung beiträgt“, erläutert Petra Jung, die zudem erklärt: „Und letztendlich profitieren alle davon.“

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Erstellt:
3. September 2021, 13:22 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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