Wilder Haus- und Sperrmüll führt Negativ-Hitliste an

Rastatt (schx) – Der Online Mängelmelder der Stadtverwaltung wird von Bürgern rege genutzt. Die meisten Hinweise betreffen wilden Haus- und Sperrmüll.

Ein rausgerissenes Verkehrsschild am Murgdamm: Vandalismus ist verstärkt Thema beim Mängelmelder. Foto: Xenia Schlögl

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Ein rausgerissenes Verkehrsschild am Murgdamm: Vandalismus ist verstärkt Thema beim Mängelmelder. Foto: Xenia Schlögl

„Manchmal konnten wir über Stunden die Fenster nicht öffnen, damit der Gestank nach Fäkalien, der aus der Kanalisation entwich, nicht ins Haus kam“, sagt Christian Meyer, der zusammen mit seiner Familie seit 2013 in der Nelkenstraße wohnt. Dieser übel riechende Geruch dringe sogar in den Innenraum geparkter Autos. Ein Zustand, der sich nicht nur auf wenige Tage im Jahr beschränkt, sondern das ganze Jahr über das Wohnen in diesem Gebiet deutlich beeinträchtigt. Meyer wandte sich im August dieses Jahres an die Beschwerdestelle der Stadt Rastatt. „Es war unkompliziert, unser Anliegen online zu melden statt telefonisch fünfmal verbunden zu werden“, beschreibt Meyer das Vorgehen.

Seit Anfang 2018 betreibt die Stadt Rastatt auf Initiative von Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch die Online-Beschwerdestelle „Maengelmelder.de“ für Schäden und Mängel im öffentlichen Raum. Nutzer müssen sich lediglich mit einer gültigen E-Mail-Adresse anmelden, über die auch der Kontakt mit der Verwaltung läuft. Die Onlineplattform ist leicht verständlich und intuitiv zu bedienen, Fotos können auch hochgeladen werden.

Jennifer Hertenstein ist seit 2019 in der Stabsstelle Presse für den Bereich Kommunikation und Bürgerbeteiligung zuständig und betreut den Mängelmelder. Sie freue sich über die inzwischen hohe Akzeptanz. Aktuell habe man 749 Nutzer, die Tendenz sei steigend. Der Bürger erhalte nach der Beschwerde eine Eingangsbestätigung, gefolgt von einer Information über den zuständigen Bereich in der Stadtverwaltung und den Bearbeitungsstatus. „Das Verfahren ist jederzeit online und transparent einsehbar“, so Hertenstein. Im Jahr 2018 gab es insgesamt 805 Beschwerden, 2019 wurden 884 gezählt, und bis Ende Oktober dieses Jahres fielen bereits 730 Mängel an.

Vandalismus nimmt zu

In der Mängelmelder-Statistik ist als Spitzenreiter mit 37 Prozent wilder Haus- und Sperrmüll verzeichnet. Die gebührenpflichtige Sperrmüllabfuhr ist Sache des Landkreises und wird schon viele Jahre nicht mehr kostenlos angeboten.

Für einige Zeitgenossen scheint die kostenpflichtige Entsorgung unattraktiv zu sein, der Müll wird auf der Straße oder in der Landschaft abgeladen. Die Entfernung von Kleinmüll übernimmt dann die Stadtreinigung, größeren Sperrmüll entfernt der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landratsamts. Der Lockdown im Frühjahr habe das Fehlverhalten noch verstärkt, beschreibt Hertenstein die Situation, aber man versuche, die Verursacher zu ermitteln, die neben dem Bußgeld auch die regulären Entsorgungskosten zu tragen haben.

An zweiter Stelle liegen mit 20 Prozent der Meldungen Straßen- und Gehwegschäden, die defekte Leuchten einschließen. „Bei Straßenbauarbeiten dauert die Behebung meistens etwas länger, da die ausführenden Firmen gut ausgelastet sind.“ Insgesamt versuche aber der Fachbereich Bauen und Verkehr, die gemeldeten Schäden zeitnah zu beseitigen.

Die Stadt ist bestrebt, die Aufenthaltsqualität auf den öffentlichen Plätzen und Grünflächen zu erhalten. Der Mängelmelder fungiere als wichtiges Instrument, betont Jennifer Hertenstein und wertet das Online-Verfahren als gelungene Kommunikation zwischen Stadtverwaltung und Bürgern.

Seit Inbetriebnahme sind über 3.760 Beiträge registriert worden, und über 2.100 Mängel konnten bisher beseitigt werden. Gab es schon mal Probleme mit den Kommunikationsregeln im Internet? „Bisher ist nur ein einziger Fall negativ aufgetreten.“

Neu hinzugekommen in der Statistik ist Vandalismus. Rausgerissene Verkehrsschilder, Graffiti, zerstörte Straßenlaternen und weitere mutwillige Zerstörungen fallen verstärkt ins Auge.

Nicht bearbeitet werden Beschwerden, die Privatgrundstücke betreffen. Auch Meldungen zu Parkverstößen oder Geschwindigkeitsübertretungen dürfen aus rechtlichen Gründen nicht veröffentlicht werden.

Die interaktive Karte auf der Online-Seite zeigt über das ganze Stadtgebiet verteilt Markierungen, die Geruchsbelästigungen aus der Kanalisation anzeigen. Die Gründe sind vielfältig. Regenarme Monate, fehlendes Oberflächenwasser, geringerer Wasserverbrauch in den Haushalten und Kanalleitungen mit wenig Gefälle führen häufig zu Geruchsemissionen.

Im Falle der übel riechenden Kanalisation in der Nelkenstraße meldete sich noch im gleichen Monat der Kundenbereich Tiefbau bei Familie Meyer. Sie wurde informiert, dass routinemäßig der Pumpensumpf am Regenüberlaufbecken gespült wurde, und erstmalig Geruchsfilter auf Basis von Aktivkohle im Bereich Nelken- und Florastraße sowie am Gedenkstein eingebaut worden seien. Im Frühjahr 2021 bekommt die Kanalisation im Zay eine Komplettreinigung, die turnusgemäß alle zwei Jahre ansteht. Auf BT-Nachfrage bestätigt Christian Meyer, dass die starke Geruchsbelästigung in seiner Straße deutlich zurückgegangen sei, aber nicht gänzlich verschwunden: „Positiv ist zu vermerken, dass sich die Stadtverwaltung aktiv des Problems angenommen hat. Wir brauchen wohl noch etwas Geduld in dieser Angelegenheit.“


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