„Wildernde“ Schafe sorgen für Ärger

Ötigheim (as) – Massive Schäden und großen Ärger verursacht seit rund zwei Wochen ein Schäfer, der mit seiner Herde zwischen Ötigheim und Steinmauern unterwegs ist. Denn die Tiere weiden offenbar nicht nur auf den Flächen, die ein Landwirt dafür zur Verfügung stellt, sondern haben auch Felder und Wiesen anderer Landwirte abgefressen.

Fressen nicht nur dort, wo es ihnen erlaubt ist: Eine Schafherde hat bei Ötigheim große Schäden angerichtet. Foto: Götz/Archiv

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Fressen nicht nur dort, wo es ihnen erlaubt ist: Eine Schafherde hat bei Ötigheim große Schäden angerichtet. Foto: Götz/Archiv

Das Bild wirkt idyllisch, doch eine Schafherde, die entlang der Straße zwischen Rastatt und Steinmauern unterwegs ist, sorgt für Streit, drohende Ernteausfälle, Anzeigen, Polizeieinsätze und beschäftigt gleich mehrere Behörden. Die Schafe „wildern“, beklagt der Ötigheimer Landwirt Christopher Kühn massive Schäden. Doch da ein Landwirt dem Schäfer die private Nutzung seiner Wiesen zugesagt hat, habe man keine Handhabe, ihn zu vertreiben.
Seit zweieinhalb Wochen ist der Schäfer mit seiner Herde in diesem Bereich auf Tour. Vier Landwirte haben mittlerweile Strafanzeigen gestellt, bestätigt die Pressestelle des Polizeipräsidiums Offenburg auf BT-Anfrage. Allein 1,2 Hektar Winterweizen sowie ein Acker mit Maispflanzen seien abgefressen worden, zudem Wiesen, von deren Gras die Landwirte eigentlich Heu machen wollten, berichtet der Pressesprecher von einem Polizeieinsatz am Sonntag. Bei der Diskussion zwischen Schäfer und Landwirten kochten offenbar die Emotionen über, denn auch eine Strafanzeige des Schäfers wegen Bedrohung und Beleidigung ist aktenkundig.

Landwirtschaftsamt will vermitteln

Involviert sind neben der Polizei auch Ötigheims Bürgermeister Frank Kiefer als Chef der zuständigen Ortspolizeibehörde sowie das Landwirtschaftsamt Rastatt. Man versuche, zwischen betroffenen Landwirten und Schäfer zu vermitteln, betont Pressesprecherin Gisela Merklinger – obwohl das Landwirtschaftsamt eigentlich nicht zuständig sei.

Daran ist auch dem Bürgermeister gelegen. „Das ist eigentlich eine privatrechtliche Sache“, erklärte er am Dienstagabend in der Gemeinderatssitzung, als er kurz über die Schäden informierte, auf die zunächst der Feldhüter hingewiesen habe.

Da dem Schäfer die Nutzung von Wiesen im Privateigentum eines Landwirts genehmigt worden sei, gebe es aber keine Handhabe gegen diesen, höre man von allen Behörden, berichtet Christopher Kühn. Das sei für die Geschädigten maximal unbefriedigend. Den Behörden will er allerdings keinen Vorwurf machen, lobt sogar den enormen Einsatz, den alle zeigten, um zu helfen.

Landwirte befürchten Ernteausfall

Bürgermeister Frank Kiefer hat nun für den 20. Mai zu einem runden Tisch eingeladen, an dem Polizei, Landwirte, Geschädigte und der Schäfer über eine Lösung sprechen sollen. „Wir wollen verhindern, dass jemand auf dem Schaden sitzen bleibt“, betont er. Im Polizeibericht ist dazu vermerkt: „Der Schäfer gab an, dass er für die Schäden an den Flurstücken aufkommen wird.“ Auch Kiefer, der am Montag mit dem Schäfer gesprochen hat, berichtet: „Er ist versichert“. Wie hoch der Schaden überhaupt ist, kann derzeit noch niemand beziffern. Kühn geht von einem „mindestens vierstelligen“ Betrag aus. Freilich hilft das den Landwirten nur bedingt. Kühn befürchtet einen Ernteausfall – und das in einem Jahr, das mit Trockenheit und Corona-Krise sowieso schwierig sei. „Ich fühle mich nicht im Stich gelassen“, sagt Kühn, doch er könne nicht verstehen, dass angeblich allen die Hände gebunden sind. Denn für ihn steht fest: „Der Schäfer muss dort weg!“ Der Bürgermeister rechnet damit, dass dieser in drei, vier Tagen weiterzieht, wie er Dienstagabend anklingen ließ. Die Folgen seines Besuchs allerdings werden die Betroffenen weiter beschäftigen. Damit so etwas nicht mehr vorkommt, erhofft sich Kiefer vom runden Tisch auch Erkenntnisse über eine „Optimierung der Abläufe“.

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Erstellt:
14. Mai 2020, 11:11 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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