Wildpark-Bau dauert länger als geplant

Karlsruhe (ti) – Das neue Fußballstadion im Wildpark wird erst ein Jahr später fertig als geplant. Ursprünglich hätte die als „Hexenkessel“ angekündigte Arena im Mai eröffnet werden sollen.

Verzögerung: Die Baustelle wächst langsamer als erwartet. Foto: Jörg Donecker

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Verzögerung: Die Baustelle wächst langsamer als erwartet. Foto: Jörg Donecker

Nur vereinzelt lärmen auf der Baustelle im Karlsruher Wildpark am Montagmittag die Maschinen. Aber hinter den Kulissen scheppert es offenbar gewaltig. „Es gibt massive Auseinandersetzungen über den Bauvertrag“, sagt Frank Nenninger von der städtischen Kasig. Diese verantwortet den Kombibau mit Stadtbahntunnel und überwacht nun auch beim Stadionbau die Arbeit des Totalunternehmers. Mit dem versuche man sich am grünen Tisch wieder anzunähern, sagt Nenninger. „Es wird hart verhandelt.“
Der Kasig-Chef steht im Wind auf der Baustelle, die langsamer wächst als erwartet. „Wir sind rund 30, 40 Prozent hinter dem Vertragssoll“, so Nenninger. Die Haupttribüne ist zwar im Rohbau bis zur vierten Etage gewachsen, sie hat aber noch kein Dach. In den unteren Etagen stehen größere Regenpfützen. Der Wind pfeift durch die Räume. Vor den Logen fehlen die Balkone, die unteren Ränge gibt es noch nicht. Im Norden steht die Hälfte der neuen Tribüne, der „Zwickel“ genannten Übergang zwischen Haupt- und Nordtribüne ist noch Zukunftsmusik. Die Brücke für die Gästefans ist fertig, kann aber nicht genutzt werden, weil sie mitten hinein führt in ein Baufeld. Rohre liegen quer über dem Erdreich.

„Es ist offensichtlich, dass hier nicht alles bis Mai dieses Jahres fertig wird“, fasst es Pressesprecher Florian Kaute vom städtischen Eigenbetrieb „Fußballstadion im Wildpark“ zusammen. Damit ist das einst angestrebte Eröffnungsdatum nicht zu halten. „Zufrieden können wir nicht sein“, sagt Nenninger: „Aber wir müssen von dem ausgehen, was die Firma kann. Es gibt Unternehmen, die spielen auf Zeit.“ Im Fußball spreche man gerne vom Willen und der Leistungsbereitschaft. Nenninger will der Firma dabei nicht ein Jahr mehr Zeit geben. Vielmehr müsse das Unternehmen einige Monate vor der Sommerpause 2023 fertig sein. „Es braucht ja auch noch Zeit, um die Technik einzubauen oder die Vereinsgaststätte auszustatten“, erklärt Kaute.

„Komplett fix und fertig“ soll laut Nenniger das neue Stadion zum Saisonstart 2023/24 sein. Bei allem Dissens seien die Arbeiten nie eingestellt worden. „Anwesend sind die Arbeiter“, so Nenninger. Die ursprünglich mit dem Bau beauftragte Firma BAM gibt es derweil nicht mehr, die Zech Hochbau AG hat das Geschäft übernommen. Ein Vorgang, der Kommunalpolitiker beunruhigt hatte. „Das hat sich aber nicht negativ ausgewirkt“, sagt Nenninger. Kaute: „Es sind die gleichen Arbeiter wie vorher hier. Nur auf ihren Helmen wurde der Firmenname überklebt.“

Am Montagmittag sind indessen nicht in allen Etagen der künftigen Westtribüne Kräfte zu sehen. Das aufgebotene Personal ist ein Punkt der Diskussionen. „Es geht auch um Lieferengpässe und Corona“, sagt Kaute. Bei der Nordtribüne musste einst bei der Stahlkonstruktion nachgebessert werden. Das führte bereits zu einem Zeitverzug. In der Folge mussten beim entsprechend ebenfalls verzögerten Abriss der Haupttribüne nachts Leuchtstrahler aufgestellt werden: Nur so konnte verhindert werden, dass sich Fledermäuse in ihrer bereits nahenden Brutzeit in dem Gebälk niederlassen. Es liegt auf der Hand: Der Faktor Zeit geht einher mit dem steigenden Baukosten-Index.

Das neue Stadion im Wildpark hat Platz für 34.100 Zuschauer, darunter sind 12.244 Stehplätze. Bereits fertig und in Betrieb sind die Osttribüne am Adenauerring und die Südtribüne. Die Bezeichnungen entsprechen nur grob den Himmelsrichtungen. Bauherr ist die Stadt, der KSC ist Pächter. Die Miete ist abhängig von der Ligazugehörigkeit.

Mit einem Beschluss vom April 2018 hat der Gemeinderat das Gesamtbudget des Projekts auf 123 Millionen Euro festgelegt. 2020 erfolgte eine Anpassung inklusive Risikobetrachtung, deren Summe sich beim Eintritt des „Worst-Case“-Szenarios auf bis zu 143 Millionen Euro belaufen könnte.

Ihr Autor

Tina Givoni

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Erstellt:
21. Februar 2022, 19:30 Uhr
Lesedauer:
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