Wildpinkel-Alarm auf der Baldenau

Rastatt (dm) – Im Neubaugebiet auf der Baldenau sind einige Häuslebauer sauer. Der Stichweg von der Zaystraße am Waldrand wird von Wildpinklern rege genutzt.

Der Stichweg von der Zaystraße aus, daneben die Neubauten, die mit ihren Gärten genau auf den Ort des Geschehens ausgerichtet sind. Foto: Daniel Melcher

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Der Stichweg von der Zaystraße aus, daneben die Neubauten, die mit ihren Gärten genau auf den Ort des Geschehens ausgerichtet sind. Foto: Daniel Melcher

Zum Eldorado für Männer mit schwachen Blasen hat sich offenbar der Stichweg von der Zaystraße aus entlang dem dortigen Waldrand an der Grenze zum Neubaugebiet auf der Baldenau entwickelt. Die direkten Anwohner jedenfalls schlagen Wildpinkel-Alarm, eine Angelegenheit, die für sie alles andere als eine Bagatelle darstellt. Vor der Schranke, die den Waldweg etwa 30 Meter nach der Einfahrt absperrt, „parken täglich Autos“, deren Fahrer sich am dortigen Wegesrand dann „erleichtern“, wie sie dem BT berichten. Genau in diese (Blick-)Richtung sind die Wohnhäuser ausgerichtet. Und die Fälle häufen sich den Schilderungen zufolge: „Wir haben kleine Kinder, welche im Garten spielen und sich nun täglich dieses Schauspiel des Wildpinkelns bei drei bis sechs Männern anschauen dürfen“, so eine Anwohnerin in einem Schreiben ans städtische Ordnungsamt. Mittlerweile lägen auch „Taschentücher etc.“ herum.

Nicht nur sei das Verhalten der Männer „sehr rücksichtslos“, die Betroffenen fühlen sich davon auch genötigt, so die Frau, die ebenso für die Nachbarn spricht. In ihren Augen stellen die Wildpinkler eine Erregung öffentlichen Ärgernisses dar – gerade mit Blick auf die Kinder. Auch die Polizei ist informiert worden.

Anwohner selbst gefordert

Doch was dagegen tun? Schilder aufzustellen, um eine abschreckende Wirkung zu erzielen, so ein Vorschlag, hält die Stadtverwaltung nicht für ein praktikables, weil wohl kaum effektives Mittel – wohl zurecht. Welcher Mann lässt sich schon von einem Schild abhalten, wenn die Blase die interne Befehlsgewalt und Handlungssteuerung übernimmt?

Letztlich müsste man die Wildpinkler wohl auf frischer Tat ertappen. Schließlich ist’s nicht nur ein für Anwohner fragwürdiger Anblick, sondern auch eine Ordnungswidrigkeit. Auf öffentlichen Straßen und Gehwegen – unter anderem! – ist das Wasserlassen nämlich nicht erlaubt. Laut Bußgeldkatalog wird’s mit 20 Euro geahndet, Mehrfachtäter dürfen sogar mit einer Höchststrafe von 2.500 Euro belangt werden. Davon könnte man zum Beispiel 5.000 Mal die öffentliche Toilette in der oberen Kaiserstraße benutzen...

Die Polizei wolle nun öfter mal vorbeischauen, heißt es auf der Baldenau, doch letztlich sind die Anwohner wohl selbst gefragt. Die Beschwerde ist zwar auch bei der Stadt angekommen und dort in Bearbeitung, wie die Pressestelle versichert. Auf der Prioritätenliste befindet sich die Angelegenheit – zumal in Corona-Zeiten – aber nicht gerade im oberen Bereich. Dabei hatten sich die Anwohner schon im vergangenen Jahr erstmals gemeldet in der Sache.

Was bleibt: Sich als Hilfssheriff – beziehungsweise Zeuge – in eigener Sache betätigen. Will heißen: Mit Beweisbildmaterial bei der Stadt vorstellig werden. Also Wildpinkler, aufgepasst: Nicht nur Ihr habt ein dringendes Bedürfnis. Wenn Ihr das nächste Mal in den Stichweg einbiegt, könnte gut sein, dass da jemand zur Verteidigung der Wohnidylle mit dem Fotoapparat auf der Lauer liegt und Euch auffliegen lässt.

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Erstellt:
3. Juli 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 25sec

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