Wilhelm Tell ist ein Rathener

Ötigheim (manu) – Die Enthüllung zweier aus Holz gestalteter Figuren bildete den Höhepunkt des Festakts zum 30-jährigen Bestehen der Freundschaft zwischen Ötigheim und dem sächsischen Rathen.

Die Winnetou-Statue findet künftig ihren Platz in Ötigheim als Reverenz an die Partnerschaft mit Rathen. Im Umkehrschluss erinnert dort eine hölzerne Tell-Skulptur an die Freunde in Baden.  Manuela Behrendt

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Die Winnetou-Statue findet künftig ihren Platz in Ötigheim als Reverenz an die Partnerschaft mit Rathen. Im Umkehrschluss erinnert dort eine hölzerne Tell-Skulptur an die Freunde in Baden. Manuela Behrendt

Winnetou ist jetzt ein Ötigheimer, Wilhelm Tell ein Rathener: Die Enthüllung der mit einer Kettensäge aus Holz gestalteten Skulpturen des Apachenhäuptlings und des schweizerischen Meisterschützen bildeten am Freitag den Höhepunkt des Festakts zum 30-jährigen Bestehen der deutsch-deutschen Freundschaft zwischen Ötigheim und Rathen.

Die im Jahr 1990 entstandene Verbindung feierte man nun auf dem Tellplatz mit einem bemerkenswerten musikalisch-kulturellen Fest (siehe unten stehenden Bericht). Winnetou und Wilhelm Tell prägen nachhaltig die Spielpläne der Freilichtarenen in den beiden Partnergemeinden. Deshalb sind die bei dem Künstler Martin Baumgart aus dem Erzgebirge in Auftrag gegebenen Statuen die Gastgeschenke der Kommunen füreinander.

„Zahllose schöne Momente erlebt“

Nach dem Mauerfall suchte das theateraffine Ötigheim im Westen die Nähe zu einer Kommune mit einer Naturbühne im Osten. Der Kurort an der Elbe am Fuß des Bastei-Sandsteingebirges und das badische Dorf im Rheintal trafen es gut miteinander. „Seit 31 Jahren ist die Verbindung zwischen Ötigheim und Rathen eine Bereicherung dank zahlloser unvergesslicher und schöner Momente“, betonte Bürgermeister Frank Kiefer. Sein sächsischer Kollege Thomas Richter sagte: „Rathen und Ötigheim leben seit 31 Jahren die deutsche Wiedervereinigung. Nach der Diktatur der DDR, als man uns vorschrieb, was wir zu denken und zu sagen hatten, mussten wir den aufrechten Gang erst lernen. Heute sind wir stolz auf das Erreichte“.

Richter erinnerte an ein Ereignis, „das mich heute noch emotional ergreift“. Es ging um den Einsatz von sechs Ötigheimer Feuerwehrmännern, die nach dem Elbhochwasser im Jahr 2002 Urlaub nahmen, nach Rathen reisten, dort ein paar Tage mithalfen sowie um eine sechsstellige, von den Volksschauspielen im Rahmen einer Benefizvorstellung gesammelten Geldspende für die von der Flut am härtesten Betroffenen. Als Gründungsväter der Partnerschaft sprachen die Bürgermeister a.D. Peter Langmann und Werner Happold.

Viele Freundschaften entstanden

Kurzweilig schilderte Langmann die für ihn „beeindruckendsten Momente“ der Anfangszeit. „Man bereitete uns bei unserer ersten Reise nach Ötigheim im Ratssaal einen Staatsempfang, gab uns ein richtiges Willkommensgefühl in einer uns unbekannten Welt. In den zurückliegenden Jahren sind Familienfreundschaften entstanden.“ Er zehre bis heute von den Eindrücken im Spielcasino Baden-Baden, auf der Iffezheimer Rennbahn und bei Ausflügen ins Elsass.

Neugierig und staunend habe man sich eingelassen auf „die uns unbekannten Sitten und Gebräuche der Badener“. Als „markantestes Erlebnis“ nahm er die „Vereinsfeschdle“ wahr. „Hier spürt man die Seele des Ötigheimer Traditionsbewusstseins“.

Happold schilderte die Zeiten, als man Rathen beim Aufbau von „bürgernahen Verwaltungsstrukturen“ unter die Arme griff, bei vielen Reisen die Schönheiten der Sächsischen Schweiz entdeckte und Dresden erkundete. Er resümierte: „Eine herrliche Gemeindepartnerschaft mit einem sehr schönen Zusammenwirken“.

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Erstellt:
18. Oktober 2021, 14:00 Uhr
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