Wimmelbuch zeigt die Vielfalt der Menschen

Baden-Baden (ela) – „Mimis kunterbunte Welt“ heißt ein inklusives und diverses Wimmelbuch, das die gebürtige Baden-Badenerin Ulrike Haas und ihre Freundin Nicola Boyne herausgegeben haben.

Ulrike Haas (rechts) und Nicola Boyne stellen ihr inklusives Wimmelbuch vor. Foto: Zinnia Biber

© bt

Ulrike Haas (rechts) und Nicola Boyne stellen ihr inklusives Wimmelbuch vor. Foto: Zinnia Biber

Eine vollschlanke farbige Frau steht im knallgelben Badeanzug am Schwimmbecken und ruft nach ihrem Kind, ein tätowierter junger Mann streckt sich auf dem Handtuch aus, einige blonde und weißhäutige Kinder sausen quietschvergnügt die Rutsche hinunter, am Beckenrand lässt eine Muslima mit Schwimmanzug und Kopftuch die Füße im Wasser baumeln: Die Figuren sind Teil einer Szene aus dem inklusiven und diversen Wimmelbuch „Mimis kunterbunte Welt“.

Herausgegeben haben es die gebürtige Baden-Badener und Wahlkölnerin Ulrike Haas und ihre langjährige Freundin Nicola Boyne. Ulrike Haas – Mutter von zwei kleinen Jungs, von denen der ältere Wimmelbuchfan ist – war irgendwann „wie Schuppen von den Augen gefallen“, dass viele Kinderbücher immer noch eine stereotype, weiße Welt zeigen. Farbige und körperbehinderte Menschen, Tattoos, gleichgeschlechtliche Paare: Fehlanzeige. „Wenn ich mit den Kindern in Köln in den Park gegangen bin, fanden sie eine andere, viel buntere Welt vor und staunten“, erzählt sie. „Ich wollte, dass meine Kinder verstehen, dass es anders sein kann – und dass anders schön ist.“

Zur Idee für ein eigenes – eben inklusives und diverses – Wimmelbuch war der Weg nicht mehr weit, sie entstand spontan im Gespräch mit Nicola Boyne, einer selbstständigen Marketing- und Eventmanagerin. Die beiden Freundinnen beschritten berufliches Neuland, trugen Ideen zusammen, wählten die neun doppelseitigen Alltagsszenen samt den Figuren aus – und gründeten ihren Kinderbuchverlag namens Ulila. In der Illustratorin Shiila Lippold fanden sie die passende Mitstreiterin für die künstlerische Umsetzung.

Menschen verschiedener Hautfarbe, alle denkbaren Familienkonstellationen, dicke und dünne Frauen und Männer, Menschen verschiedener Sexualität und mit Behinderungen, die Vielfalt der Religionen, obdachlose Menschen, Figuren mit individuellen Looks und Tattoos – alles das findet sich in „Mimis kunterbunte Welt“, ohne Klischees zu bedienen. Der Name der zentralen Figur, die auf jeder Bilderseite zu finden ist, geht laut Haas auf ihren älteren Sohn Maxim zurück, dessen selbst vergebener Spitzname „Mimi“ sei. Gezeichnet sei Mimi aber geschlechterneutral, sodass sich auch Mädchen darin wiederfinden können.

Die Resonanz ist groß: Die erste Auflage von 3.800 Exemplaren ist laut Ulrike Haas so gut wie vergriffen, die zweite mit 10.000 Büchern über die Ulila-Webseite und den Buchhandel erhältlich.

Finanziert wurde die Startauflage mittels Crowdfunding. Interessenten konnten das Wimmelbuch nicht nur vorab kaufen, sondern sich sogar für einen kleinen Extrabonus als Figur oder mit ihrem Namen, zum Beispiel auf einem Straßenschild, darin verewigen lassen. „25 Leserinnen und Leser haben das gemacht,“ erzählt die Wahlkölnerin.

Bereits vor dem Launch des ersten Wimmelbuchs war der junge Verlag für den Impact of Diversity Award nominiert. Gewonnen haben sie diesen laut Haas zwar nicht, aber die Möglichkeit bekommen, sich für ein Mentoren-Programm zu bewerben – mit Erfolg. Außerdem befindet sich das Buch bereits in einigen Gremien für Vielfältigkeitssiegel sowie auf staatlich geprüften Empfehlungslisten für pädagogische Kinderliteratur.

Die beiden Neuverlegerinnen haben derzeit gut zu tun – und die Ideen gehen ihnen nicht aus. So wird gerade ein 48-teiliges, inklusives und diverses Puzzle fertig, das eine kunterbunte Szene an einem See zeigt. Und für das zweite Wimmelbuch entsteht derzeit das Konzept. „Wir haben 1.000 Ideen,“ erklärt Ulrike Haas.

Ulrike Haas und Nicole Boyne, „Mimis kunterbunte Welt“, ab zwei Jahren, Ulila, 15,90 Euro.

Menschen aller Hautfarbe tummeln sich auf dem Marktplatz.Foto: Ulila

© bt

Menschen aller Hautfarbe tummeln sich auf dem Marktplatz.Foto: Ulila


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.