Windkraft: Standortsuche im Murgtal

Murgtal (stj) – Das Land will auf eigenen Flächen 500 Windkraftanlagen bauen, viele davon im Staatswald. Auch im Murgtal wird nach Standorten gesucht.

Die Staatswaldflächen im Murgtal (hier der Blick von der Teufelsmühle auf Loffenau) rücken wieder verstärkt ins Blickfeld, wenn es darum geht, die Windkraft in Baden-Württemberg zu forcieren. Foto: Stephan Juch

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Die Staatswaldflächen im Murgtal (hier der Blick von der Teufelsmühle auf Loffenau) rücken wieder verstärkt ins Blickfeld, wenn es darum geht, die Windkraft in Baden-Württemberg zu forcieren. Foto: Stephan Juch

Baden-Württemberg soll als Klimaschutzland zum internationalen Maßstab werden. Dieses ambitionierte Ziel steht im Koalitionsvertrag der grün-schwarzen Landesregierung. Um dies zu erreichen, ist ein spürbarer Anstieg der Windkraft elementarer Bestandteil. Gerade mal zwölf Windräder sind 2020 im ganzen Ländle gebaut worden. Das muss sich in den kommenden Jahren ändern, fordert die Regierung und gibt die Zielmarke von 1.000 neuen Anlagen vor. Bei der Frage wohin, rückt nun auch das Murgtal wieder in den Fokus.

Die Koalition will eigenem Bekunden zufolge zügig mit der Vermarktung von Standorten beginnen, weil etwa 500 Anlagen im Staatswald und auf Landesflächen stehen sollen. Und einige der „windhöffigsten Standorte befinden sich tatsächlich im Staatswald des Murgtals“, informiert Landtagsabgeordneter Thomas Hentschel. Im BT-Gespräch verweist der Politiker der Grünen etwa auf die Bereiche Hohe Wanne, Teufelsmühle oder Kaltenbronn, die für die Windkraftnutzung infrage kämen. Hentschel sei sich bewusst, dass Vogelschutzgebiete die bisherigen Planungen dort stets zunichte gemacht haben. Im Kern, so der Landtagsabgeordnete, schließen insbesondere Auerhahn-Vorkommen Windräder auch aus. Aber in den Randbereichen des Staatswalds seien sie durchaus vorstellbar. Allerdings, und das betont der Jurist aus Gernsbach, dürfe eine konkrete Planung solcher Anlagen nicht gegen die Bevölkerung forciert werden; diese müsse man zwingend mit in die Diskussion einbeziehen.

Ergebnisoffene Standortsuche unter Beteiligung der Bürger

„Die aktuellen Unwetterkatastrophen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen machen überdeutlich, wie akut unser Handlungsbedarf ist, die Energiewende massiv voranzutreiben“, betont Hentschel weiter: „Die optischen Einschränkungen der Windräder stehen in keinem Verhältnis zu den Schäden, die der Klimawandel hervorruft.“ Es gelte nun, wie im Koalitionsvertrag angekündigt, alle Arten erneuerbarer Energien auszubauen; „wichtige Säulen sind Photovoltaik und Windkraft. Um das Ziel umzusetzen, 1.000 neue Windkraftanlagen aufzubauen, müssen auch hier in der Region bestmögliche Standorte ausgemacht werden. Daher setze ich mich für eine ergebnisoffene Standortsuche unter Beteiligung der Bürger ein.“

Während die Signale aus Stuttgart Baden-Baden schon erreicht haben, ist es in der kommunalpolitischen Landschaft des Murgtals noch ruhig, was das Thema Windkraft betrifft. In der Kurstadt soll der Gemeinderat Ende des Monats den Klimaaktionsplan 2030 auf den Weg bringen, der die Zielvorgabe für die CO2-Reduktion festlegt. Die lokale Windkraftnutzung und das Ausschöpfen der Photovoltaik-Potenziale seien dafür unerlässlich. Ein Standort, der für die Windkraft infrage komme, sei die Rote Lache an der Gemarkungsgrenze zwischen Baden-Baden und Forbach.

Ausschlusskriterium Auerhuhn

In Loffenau wurde das Thema Windkraft jüngst im Gemeinderat von Reiner Singer angesprochen. Der Fraktionschef der Freien Wähler ist starker Befürworter solcher Anlagen auf den Höhen des Murgtals, schließlich habe man auf Loffenauer Gemarkung mit die besten Windkraftstandorte in ganz Baden-Württemberg. „Wir werden die Photovoltaik und die Windkraft brauchen, um den Klimaschutz zu forcieren“, betonte Singer.

Der Kommunalpolitiker wunderte sich, dass die Windkraft beim jüngsten Antrittsbesuch des Landtagsabgeordneten Hentschel in Loffenau gar nicht thematisiert worden sei, obwohl die Gemarkung doch prädestiniert scheint, um der Landesregierung beim Erreichen der Ziele zu helfen. Hentschel wies dies gegenüber dem BT zurück und versicherte, er habe mit Bürgermeister Markus Burger auch über das Thema Windkraft gesprochen – konkret über die Aufhebung des Flächennutzungsplans. Dieser hatte zuletzt auf Loffenauer Gemarkung trotz bester Windhöffigkeit kein Vorrangstandort ausgewiesen. Als Gegenargumente wurden im Wesentlichen Naturschutzgründe genannt – und hier vor allem der Schutz des Auerhuhns.


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