Winkel: „Wir hängen in der Luft“

Hügelsheim (mi) – Der erfolgreich gestartete ESC Hügelsheim hofft inständig auf Fortsetzung der Regionalliga-Saison im Dezember.

Björn Groß (rechts) und die Baden Rhinos sind gut in die Saison gestartet. Alle hoffen auf die Fortsetzung. Foto: Frank Vetter

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Björn Groß (rechts) und die Baden Rhinos sind gut in die Saison gestartet. Alle hoffen auf die Fortsetzung. Foto: Frank Vetter

Es wäre so schön gewesen. Drei Siege in vier Spielen, ein Spitzenplatz, ein gut funktionierendes Team und Trainergespann: Der Oktober erwies sich als wahrlich goldener für den Eishockey-Regionalligisten ESC Hügelsheim. Frühlingsgefühle kamen bereits im Herbst auf, in dieser Frühform hätten die Baden Rhinos gute Chancen auf die Playoffs oder gar bezüglich der Finalteilnahme im März. „Die Jungs setzen alles um, was Cedrick Duhamel und ich ihnen vorgeben“, sagt Sportdirektor Pascal Winkel, der in seiner Nebenfunktion als Assistent den kanadischen Trainerneuling unterstützt.
Doch Corona passt perfekt zum November, das Virus vernebelt alle Ziele und Prognosen, es verdüstert Wünsche und zerstört Hoffnungen. Und so sind die mittelbadischen Cracks nach dem Total-Lockdown für alle Amateursportler bis Ende des Monats zum Nichtstun verurteilt, nachdem man sich gerade zuvor erfolgreich eingespielt hatte.

„Wir hängen in der Luft, sind komplett abhängig von Bund und Ländern“, beschreibt Winkel das Dilemma, um in seiner bekannt offenen Art noch deutlicher zu werden: „Wir stehen mit dem Arsch an der Wand.“

Und diese Wand könnte undurchdringlich sein, denn auf die entscheidende Frage, ob die Baden Rhinos im Dezember den Spielbetrieb fortsetzen können, weiß er wie alle anderen in der Regionalliga keine Antwort. Fakt ist, dass ein weiterer Aufschub oder gar ein Saisonabbruch ein „finanzielles Desaster“ für die Spargeldörfler wäre. Winkel liefert nüchterne Zahlen, die den Verein härter als Gegentore treffen: Die Oktober-Rechnung belief sich auf 18000 Euro, die im November auf rund 10000, aber auch nur, weil das Eis am Baden Airpark auf die minimalste Dicke abgefräst und dadurch der Energieverbrauch minimiert wurde.

„Das Eis wird dünn“

Nicht umsonst hat der Sportdirektor auf der Vereinshomepage unter dem Titel „Das Eis wird dünn“ einen fast schon flehentlichen Spendenaufruf gestartet. „Jeder noch so kleine Beitrag hilft“, heißt es dort. Über die Onlineplattform „betterplace.org/de“ hat der Verein laut dem viel beschäftigten Winkel bislang rund 5500 Euro gesammelt. Zusätzlich hoffen er und die anderen im Verein, dass die vom Bund in Aussicht gestellte Corona-Hilfe, die 75 Prozent des Umsatzausfalls aus dem Monat November des Vorjahres vorsieht, „für uns auch greift. Das würde uns sehr helfen, damit könnten wir die laufenden Betriebskosten decken“. Für die komplizierte Beantragung der Gelder wurde eigens eine versierte Steuerberaterin beauftragt.

Wie die Eliteklasse DEL, die kurz vor Weihnachten in die Saison starten will, „würden wir uns mittlerweile auch nicht mehr sträuben, im Dezember ohne Fans die ersten beiden Spiele zu absolvieren“, sagt Winkel. In den ersten beiden Saison-Heimspielen hatte das „Mädchen für alles“ im Verein mit einem ausgeklügelten Hygienekonzept dafür gesorgt, dass jeweils maximal 350 Zuschauer in der 1000 Fans fassenden Arena anwesend waren und für eine richtige Heimkulisse sorgten.

Fraglich bleibt, ob die geplante Eineinhalbfach-Runde plus Playoffs noch durchführbar sind, falls die Hallen im Dezember weiter geschlossen bleiben. „Wir hoffen, dass wir im Dezember wenigstens wieder den Trainingsbetrieb aufnehmen dürfen. Es macht aber wirklich keinen Sinn, wenn jeweils nur zwei Mann auf dem Eis stehen dürfen.“

Andere Ligen bereits abgesagt

Was für alle Beteiligten nicht gerade Hoffnung macht: Die im Vergleich zur Regionalliga höherklassige Bayernliga hat die Saison bereits komplett abgesagt, in der Regionalliga Nord ist das gleiche Szenario auch noch möglich. Die Vereine der Regionalliga West haben derweil mit einem offenen Brief eine deutliche Botschaft an die Politik gesandt: „Der Amateursport hat eine wichtige gesellschaftliche Funktion und ist auch gerade in diesen schwierigen Zeiten von besonderer sozialer Bedeutung... Jeder Tag, an dem Eishockey pausiert, ist ein verlorener Tag. Von daher erwarten wir die entsprechende Unterstützung von den zuständigen politischen Stellen.“

„Ich bin guter Dinge und hoffe auf die Vernunft aller“, denkt Winkel positiv. Was soll er sonst machen? „Alle sind im Dornröschenschlaf“, sagt er noch. Bleibt für alle Beteiligten zu hoffen, dass der Schlaf nicht als Alptraum endet.

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Erstellt:
16. November 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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