Winkel: „Zum Führungsspieler wird man geboren“

Hügelsheim (mi) – Für Eishockey-Regionalligist ESC Hügelsheim ist die Saison nach dem Verpassen der Playoffs bereits zu Ende. Der Sportliche Leiter Pascal Winkler spricht im BT-Interview über die Saison, das Drewniak-Aus und die Zukunft.

„Die Stärke einer Mannschaft zeigt sich erst richtig, wenn die Kurve nach unten geht. Und da haben wir uns richtig schwergetan“: Pascal Winkel. Foto: Seiter

© toto

„Die Stärke einer Mannschaft zeigt sich erst richtig, wenn die Kurve nach unten geht. Und da haben wir uns richtig schwergetan“: Pascal Winkel. Foto: Seiter

Die Saison für den Eishockey-Regionalligisten ESC Hügelsheim endete zur Enttäuschung aller Fans, Spieler und Beteiligten im Gegensatz zur Vorsaison bereits nach der Hauptrunde. Erstmals seit vier Jahren. Richard Drewniak zog unmittelbar nach dem Aus die Konsequenzen und beendete seine Trainerkarriere. Pascal Winkel, der Sportliche Leiter der Baden Rhinos, wirkte seit der ersten Saison des neu gegründeten Vereins von 2010 bis 2015 und nochmals 2017 als Coach. Der 46-Jährige hat nie die Playoffs verpasst. BT-Redakteur Michael Ihringer sprach mit Winkel über Drewniaks Abgang, die Gründe für das vorzeitige Scheitern und die Aussichten für die nächste Spielzeit.

BT: Herr Winkel, haben Sie das frühzeitige Playoff-Aus mittlerweile verkraftet?

Pascal Winkel: Verkraftet ja. Obwohl ich Optimist bin, hatte sich das ja schon eine Woche zuvor mit der Niederlage in Eppelheim abgezeichnet. Als dann auch noch Heilbronn 24 Stunden vor unserem letzten Spiel gewonnen hatte, waren unsere Chancen nur noch minimalistisch. Aber ich sagte den Jungs am Morgen vor dem Zweibrücken-Spiel: „Überlegt mal, wie beschissen sich das anfühlt, wenn wir gegen den Spitzenreiter nur noch larifari spielen und am nächsten Tag gewinnt am Schluss noch Mannheim in Bietigheim.“ Natürlich tut das frühe Ausscheiden Ende Februar weh, das hatten wir so nicht zwingend auf dem Plan.

„Wir sind nicht unter Zeitdruck“

BT: Die Playoffs sind auch aus finanzieller Hinsicht stets wichtig für den Verein. Ist der Verlust sehr schmerzlich?

Winkel: Es war unter dem Strich ein Heimspiel weniger als in der Vorsaison und entscheidet daher nicht über das Überleben des Vereins, so ehrlich müssen wir sein. Aber es reißt schon eine Lücke in unsere Kalkulation. Was das Ganze etwas auffängt, ist der erfreuliche Fakt, dass der Zuschauerzuspruch über die gesamte Saison enorm war. Vor allem im Oktober lagen wir weit über der Kalkulation.

BT: Richard Drewniak hat seine Trainerkarriere beendet. Wird er in anderer Funktion dem Verein erhalten bleiben?

Winkel: Es ist derzeit schwierig, darüber zu spekulieren. Wir sind grundsätzlich dankbar für jeden, der uns unterstützt. Jeder, der uns hilft und uns etwas abnimmt, ist herzlich willkommen. Das sage ich schon seit Jahren. Als künftigen Teammanager für die Rhinos sehe ich ihn im Augenblick nicht. Es gibt aber kein zerrüttetes Verhältnis zu ihm. Ich als Sportlicher Leiter habe ihm immer klar signalisiert, dass ich als Person und wir als Verein hinter ihm stehen. Auch in der schwierigen Phase zur Jahreswende sagte ich ihm: „Horch zu, wir glauben an dich, solange du mir sagst, dass du motiviert bist und das Team noch erreichst.“ Ich hoffe, dass ich ihm das auch vermitteln konnte, und er auch diesen Eindruck hatte. Ich bin ein ehrlicher Mensch und habe ihm auch zu keinem Zeitpunkt Druck gemacht. Druck erzeugt immer Gegendruck. Ich versuchte, ein bisschen konstruktiv einzuwirken, so stand ich in den Heimspielen in diesem Jahr mit an der Bank, um ihm gewisse Dinge abzunehmen, sodass er auch den Kopf freier hat für wichtigere Aufgaben. Er hat mich jedenfalls nie von der Bank weggeschickt.

BT: Richard Drewniak hat in der Saison-Analyse betont, dass ihm starke Charaktere im Team fehlten. Werden speziell solche Typen für die nächste Saison gesucht?

Winkel: Ja sicher, aber man kann in die Menschen nicht reinschauen. Zum Führungsspieler wird man mehr oder minder geboren. Das hat nicht zwingend was mit Talent zu tun. Wir hatten sicher viel Verlust an Erfahrung. Wir haben zum Beispiel Christian Sess, Sebastian Wolf und Dennis Walther als Führungsspieler verloren. Es war aber auch nicht so, dass wir mit einer Juniorenmannschaft aufgelaufen sind. Es waren genügend Spieler da, die die Chance gehabt hätten, in die Bresche zu springen, sich zu zeigen und zu sagen: „Jungs, ich bin jetzt euer Leitwolf, ich gehe voran und zeige euch, wo wir hinwollen.“ Dass dies nicht einfach ist, von jetzt auf nachher in so eine Rolle zu schlüpfen, ist jedem bewusst. Wir hatten gehofft, dass sich da gewisse Strömungen ergeben und gewisse Spieler das Vakuum füllen können. In gewissen Saisonphasen war das so, aber in der Phase, als es darauf ankam, war es schwierig. Am Anfang der Saison nach sechs Siegen in Serie habe ich auch schon auf die Bremse getreten und gesagt: „Jungs, macht langsam, der Erfolg übertüncht einiges, es gibt Probleme.“ Die Stärke einer Mannschaft zeigt sich erst richtig, wenn die Kurve nach unten geht. Und da haben wir uns richtig schwergetan. Aber so ist es nun mal im Sport.

BT: Die früheren Topscorer Cedrick Duhamel und Math Fleury waren starke Charaktere. Dem Vernehmen nach soll Duhamel der neue Coach werden. Kommt es so?

Winkel: Wir haben nach der Ankündigung von Richard, nicht mehr als Trainer zu arbeiten, unsere Köpfe zusammengesteckt und mal abgeklopft, in welche Richtung wir gehen wollen, wer eine Option ist. In diesem Zusammenhang ist auch der Name Duhamel gefallen. Im Augenblick ist es aber so, dass es keine konkreten Vereinbarungen und daher keinen Vollzug zu vermelden gibt. Wir sind auch nicht in der DEL oder DEL2, dass wir jetzt sofort jemand präsentieren müssen. Wir sind nicht unter Zeitdruck, es läuft ja auch noch die aktuelle Saison. Es wird sicher das eine oder andere Gespräch geben, es bringt aber nichts, spekulativ tätig zu sein. Ich bin guter Dinge, dass wir eine gute, akzeptable Lösung für den Gesamtverein finden werden.

BT: Für Duhamel spricht, dass er das Hügelsheimer Umfeld perfekt kennt...

Winkel: Ja natürlich, er ist ein Hügelsheimer Junge. Er kam in jungen Jahren aus Kanada noch zu Hornets-Zeiten hierher, ist auch immer hier geblieben, er lebt ja im Murgtal. Wenn man die Möglichkeit findet, jemand mit so viel Eishockey-Sachverstand und Erfahrung im Verein einzubinden, dann sollte man diese Chance auch nutzen. Ob es soweit kommt, muss man schauen.

„Es gibt immer weniger dominante Teams“

BT: Wie viele neue Spieler müssen nach den Erfahrungen der abgelaufenen Saison für die neue Spielzeit verpflichtet werden?

Winkel: Natürlich überdenkt man viele Dinge und da gehören bei einem Trainerwechsel auch gewisse Spielerpositionen dazu, sei es die Importspieler, Torleute oder Verteidiger. Durchweg müssen wir das Ganze nochmals reflektieren und schauen, was uns wirklich weiterbringt. Wenn der neue Trainer hier ist, wird das Hand in Hand mit ihm vonstatten gehen. Ich sehe mich mit meinen Kontakten und meiner Erfahrung hier auch in der Pflicht, dem Verein unterstützend und federführend zur Seite zu stehen.

BT: Macht Ihnen die immer stärker werdende Konkurrenz für die Zukunft zunehmend Sorgen?

Winkel: Was zu beobachten ist, dass es immer weniger dominante Mannschaften gibt. Es ist nicht mehr wie zu meinen Anfangszeiten hier, als man gesagt hat: „Na gut, an Heilbronn kommt keiner vorbei.“ Ich möchte nicht sagen, dass die Liga stärker geworden ist, aber sie ist ausgeglichener. Die Mannschaften sind dichter zusammengerückt. Es gab in dieser Hauptrunden-Saison keine Übermannschaft. Auch wenn es sich jetzt vielleicht doof anhört: Aber so leicht wie in dieser Saison, Meister zu werden, war es in den vergangenen Jahren noch nie. Jeder kann jeden schlagen. Bei der letzten Termintagung war ich derjenige, der versucht hat, die Liga und den Verband dahin zu bringen, dass wenn man acht Mannschaften hat, dann auch Viertelfinale spielt und nicht wie jetzt vier Mannschaften in den vorzeitigen Urlaub schickt. Aber das scheiterte, da ist die Kluft zwischen den einzelnen Interessen der Teams einfach zu groß.

Zum Artikel

Erstellt:
2. März 2020, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 52sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.