„Wir haben noch Luft nach oben“

Baden-Baden (moe) – Lukas Kwasniok ist in seinem ersten Pflichtspiel als Trainer des 1. FC Saarbrücken ein echter Coup gelungen: Der Regionalliga-Spitzenreiter hat den zwei Klassen höher angesiedelten Karlsruher SC im Achtelfinale des DFB-Pokals aus dem Wettbewerb gekickt – Kwasnioks Ex-Verein. Wenn es nach dem Muggensturmer geht, soll das noch nicht das Ende der Fahnenstange sein, wie er im BT-Interview verrät.

„Ich wünsche dem Verein und Christian Eichner, den ich wirklich mag, nur das Beste“: Lukas Kwasniok. Foto: Dietze/dpa

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„Ich wünsche dem Verein und Christian Eichner, den ich wirklich mag, nur das Beste“: Lukas Kwasniok. Foto: Dietze/dpa

Es wurde natürlich ein bisschen gefeiert, auch das ein oder andere Kaltgetränk haben sich die Fußballer des 1. FC Saarbrücken nach ihrem Coup im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen den Karlsruher SC genehmigt. „Die richtig große Feier folgt dann, wenn wir aufgestiegen sind“, sagte Lukas Kwasniok, Neu-Trainer des Regionalliga-Spitzenreiters, am Morgen nach dem Pokalkrimi, den sein Team gegen den Zweitligisten mit 5:3 im Elfmeterschießen gewann. Mit BT-Sportredakteur Moritz Hirn unterhielt sich der Muggensturmer über die Partie gegen seinen Ex-Club und die eigenen Ambitionen – auch was das Viertelfinale gegen einen womöglich großen Gegner anbelangt.

BT: Herr Kwasniok, wie viele Glückwunsch-Nachrichten hatte sie nach dem Einzug ins Pokal-Viertelfinale auf ihrem Handy?

Lukas Kwasniok: Tatsächlich einige. Aber ich habe das Glück, viele tolle Menschen zu kennen, die sich auch dann melden, wenn man mal nicht so erfolgreich ist. Das habe ich gerade in meiner Zeit in Jena schätzen gelernt. Im Zuge des Erfolgs freuen mich solche Nachrichten, im Zuge von Misserfolg aber noch mehr.

Die Spieler des 1. FC Saarbrücken bejubeln ihren Viertelfinaleinzug. Foto: Gilliar/GES

© GES/Markus Gilliar

Die Spieler des 1. FC Saarbrücken bejubeln ihren Viertelfinaleinzug. Foto: Gilliar/GES

BT: Waren denn auch Glückwünsche aus Karlsruhe dabei?

Kwasniok: Ja, viele. Aber man muss die Dinge ja voneinander trennen. Natürlich wollte ich den KSC schlagen, drücke dem Verein aber nach wie vor die Daumen. Genauso haben KSC-Sympathisanten, sofern sie denn eine persönliche Beziehung zu mir haben, auch mir die Daumen gedrückt. Ich denke, das ist nur menschlich.

„Wünsche dem KSC nur das Beste“

BT: Natürlich überwiegt bei Ihnen die Freude, aber fühlen Sie auch ein bisschen mit, wenn Sie sehen, wie sich die sportliche Lage bei ihrem Ex-Club entwickelt. Gerade nach dem Aus im Pokal?

Kwasniok: Die Lage ist ja schon seit Längerem leicht angespannt. Mitleid wäre das falsche Wort, aber es macht schon etwas mit einem. Ich wünsche dem Verein und Christian Eichner, den ich wirklich mag, nur das Beste.

BT: Zurück zu Ihnen: Besser hätte der Pflichtspieleinstand wohl kaum laufen können, oder?

Kwasniok: Doch! Mit einem 1:0-Sieg nach 90 Minuten (lacht).

BT. Bei einem Sieg im Elfmeterschießen ist natürlich immer auch ein bisschen Glück dabei. Insgesamt haben Sie gegen den Favoriten aber kaum Chancen zugelassen. Ist Ihr Matchplan also voll aufgegangen?

Kwasniok: Logischerweise waren wir darauf aus, so lange wie möglich die Null zu halten. Das ist uns ja dann auch gelungen. Wenn das Spiel offener geworden wäre, bin ich mir sicher, dass uns Philipp Hofmann irgendwann einen reingedrückt hätte. Insgesamt konnten wir es aber ganz gut verteidigen – auch die Standards, bei denen der KSC ja gefährlich ist. Die Jungs haben sich aber in jeden Ball reingeworfen.

„Da ist noch Luft nach oben“

BT: Haben Sie damit gerechnet, dass letztlich so wenig Gefahr für Ihr Tor besteht?

Kwasniok. Um ehrlich zu sein: Ja! Wir haben in den vergangenen drei, vier Wochen in der Vorbereitung schon sehr viel Wert auf die Arbeit gegen den Ball gelegt. Mir war klar, dass, wenn die Jungs bereit sind und das umsetzen, was wir uns vorgenommen haben, es für den KSC schwer werden wird, ein Tor zu erzielen. Trotzdem: Ich will jetzt zwar kein Haar in der Suppe suchen, aber ich finde schon, dass wir gerade in der ersten Halbzeit bei Ballbesitz etwas mutlos waren. Es war bestimmt nicht unser bestes Spiel.

BT: Sie waren gegen einen Zweitligisten im Pokal-Achtelfinale noch nicht am Leistungsmaximum?

Kwasniok: Wir hatten in den ersten 20 Minuten tatsächlich mehr mit uns selbst zu kämpfen. Da hat uns die Überzeugung gefehlt, dass wir den KSC auch mit Ball bespielen können. Das soll nicht vermessen klingen, aber da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.

BT: So ein Erfolg im Pokal verleiht bestimmt ordentlich Rückenwind, wenn es um das ganz große Ziel Ihres Clubs geht: den Aufstieg in Liga drei...

Kwasniok: Das hoffe ich doch sehr! Aber: Nur weil wir das Spiel gegen den KSC gewonnen haben, heißt das noch lange nicht, dass wir auch aufsteigen werden.

„Der nächste Erstligist muss dran glauben“

BT: Am kommenden Sonntag wird das Viertelfinale des Pokals ausgelost. Gibt es einen Wunschgegner?

Kwasniok: Eigentlich nicht. Wobei ich kurz nach dem Sieg spaßeshalber gesagt habe: „Es sind ja schon ein paar Favoriten raus, das erhöht unsere Chancen, noch eine Runde weiterzukommen“ (lacht). Ich hätte auf jeden Fall nichts dagegen, wenn wir ein Team zugelost bekommen, gegen das eine minimale Chance besteht, dass wir weiterkommen. Wobei ... im bisherigen Verlauf war es ja so: erste Runde Zweitligist, zweite Runde Erstligist, dritte Runde Zweitligist ... Demnach müsste ja jetzt wieder ein Erstligist dran glauben (lacht)!

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Erstellt:
6. Februar 2020, 17:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 21sec

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