Outlet in Roppenheim: „Wir haben unseren Platz gefunden“

Roppenheim/Baden-Baden (vo) – „Roppenheim The Style Outlets“-Geschäftsführer Christophe Girard blickt im Interview mit dem Badischen Tagblatt auf zurückliegenden zehn Jahre zurück und zieht Bilanz.

„Roppenheim The Style Outlets“-Geschäftsführer Christophe Girard. Foto: Neinver

„Roppenheim The Style Outlets“-Geschäftsführer Christophe Girard. Foto: Neinver

Als das „Roppenheim The Style Outlets“ vor zehn Jahren in Betrieb ging, waren die Ziele hoch gesteckt: Kunden aus Frankreich und Deutschland sollten gleichermaßen in das Markendorf nahe des Rheins gelockt werden. Vor der Corona-Pandemie wurden rund zwei Millionen Besucher pro Jahr gezählt.

„Wir haben unseren Platz gefunden“, sagt Geschäftsführer Christophe Girard im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Jürgen Volz. Allerdings hat die Pandemie in den zurückliegenden zwei Jahren auch den Handel in den mehr als 100 Geschäften des Outlets gebremst. Jetzt will man in Roppenheim wieder durchstarten.

BT: Herr Girard, die Corona-Pandemie hat den Einzelhandel schwer getroffen. Auch das Outlet musste gleich dreimal vorübergehend schließen. Wie war wirtschaftlich gesehen das vergangene Geschäftsjahr?
Christophe Girard: Die Pandemie hat uns in der Tat mit drei Schließungen getroffen, im vergangenen Jahr kam noch eine Grenzrestriktion hinzu, die für uns wie eine halbe Schließung war, weil die Hälfte der Kunden gar nicht zu uns kommen konnte. Trotz dieser Einschränkungen lief 2021 wirtschaftlich etwas besser als 2020, mit einem Plus von etwa 19 Prozent beim Umsatz und etwa 13 Prozent mehr Besuchern. In der zweiten Jahreshälfte konnten wir dann
sogar wieder das Geschäftsniveau von 2019, also von vor Corona erreichen. Das heißt, wir sind rückblickend mit 2021 zufrieden.

Allerdings haben wir auch festgestellt, dass gerade im zweiten Halbjahr auf französischer Seite ein gewisser Nachholeffekt zu sehen war, während deutsche Kunden sich doch noch etwas zurückhaltend verhielten. Dadurch ging der Anteil deutscher Kunden, der normalerweise bei 37 Prozent liegt, auf 30 Prozent
zurück.

Corona-Nachwirkungen noch immer spürbar

BT: Was erwarten Sie für das laufende Jahr, vorausgesetzt, Corona führt nicht wieder zu Schließungen?
Girard: Leider wirkt sich Corona weiter negativ aus. Wir sind im ersten Quartal immer noch um etwa 13 Prozent unter dem Ergebnis von 2019 geblieben. Beispielsweise ist in der Vergangenheit die erste Januarwoche, also wenn in Baden-Württemberg Ferien sind, immer eine sehr starke Zeit gewesen, doch das blieb diesmal aus. Vermutlich sind die Menschen wegen Corona immer noch sehr vorsichtig und scheuen den Grenzübertritt.

Und jetzt kommen noch die hohen Benzinpreise hinzu, die den einen oder anderen vor einer Shoppingfahrt abhalten könnten. Grundsätzlich sind wir für das laufende Jahr aber zuversichtlich, die Zahlen von 2021 zu übertreffen. Mit dem zu erwartenden Rückgang der Coronazahlen im Frühling und Sommer wird auch die Kauflaune der Menschen wieder steigen. Generell hat sich das Outlet in der Pandemie als sehr robust erwiesen, deshalb glaube ich, dass wir uns schneller erholen können als der Handel an anderer Stelle.

Hinzu kommt, dass die Markenanbieter, die wir hier vor Ort haben, an unser Konzept glauben und uns in der Pandemie die Treue gehalten haben. Etwa zwei Drittel von ihnen sind schon von Anfang an dabei. Das gilt auch für die deutschen Marken, die bei deutschen Kunden natürlich sehr beliebt sind. Nach zehn Jahren ziehen wir jetzt eine Bilanz gemeinsam mit den Betreibern der Geschäfte und Shops um beispielsweise zu schauen, wo Veränderungen nötig sind. Das führt etwa dazu, dass einige Marken sich räumlich neu aufstellen, weil sie mehr Platz benötigen. Andere verkleinern sich. Und es kommen natürlich wieder neue Marken hinzu.

BT: Mehr als ein Drittel der Besucher des Outlets stammt aus Deutschland. Haben sich die Erwartungen bezüglich des deutschen Markts seit der Eröffnung erfüllt?
Girard: Grundsätzlich ja. Ich sehe für die Zukunft sogar noch etwas mehr Potenzial, etwa von 40 bis 45 Prozent, mit Blick auf den Anteil deutscher Kunden. Wir kommunizieren mit ihnen über verschiedene Medien genauso wie mit französischen Kunden. Auch soll bei der Markenauswahl im Outlet auf die deutschen Bedürfnisse und Vorlieben geachtet werden. Und der dritte Punkt wäre, dass wir bei unseren Events im Jahresverlauf wie bisher auf spezielle deutsche Ereignisse oder Anlässe wie etwa den Muttertag eingehen. Überhaupt spielen die deutschen Ferien oder Feiertage eine große Rolle, so ist beispielsweise der Tag der Deutschen Einheit der wichtigste Tag des Jahres für das Outlet.

Thema Mobilität im Fokus

BT: Wenn Sie auf die letzten Jahre zurückblicken – wie fällt Ihr Fazit aus?
Girard: Insgesamt sehr positiv. Das Outlet hat sich permanent weiterentwickelt. Ich kann sagen, dass wir unseren Platz hier an der deutsch-französischen Grenze gefunden haben. Wir sind regional verankert und arbeiten auch immer öfter mit regionalen Produzenten und Dienstleistern zusammen. Auch innerhalb der europäischen Outlet-Strategie von Neinver haben wir unsere Stellung als leistungsstarkes Zentrum behaupten können.

Natürlich hat die Pandemie die positive Entwicklung in den vergangenen beiden Jahren etwas gebremst. Jetzt ist es unsere Aufgabe, dies so schnell wie möglich wieder aufzuholen. Gleichzeitig haben wir uns zwei Aufgaben gestellt: Das eine ist die Mobilität. Hier arbeiten wir daran, dass die Kunden verstärkt ohne ihr eigenes Auto zu uns kommen. Mit den Shuttle-Bussen nach Straßburg, Karlsruhe und Baden-Baden, die bereits fahren, ist ein Anfang gemacht. Inzwischen sind wir mit den zuständigen Stellen im Gespräch, um zu schauen, wo der öffentliche Personennahverkehr noch verbessert werden kann. Die zweite Aufgabe betrifft die Beschäftigten im Outlet. Hier ist es die Herausforderung, immer genügend Personal für die Shops und Boutiquen zu finden. Momentan sind mehr als 50 Stellen ausgeschrieben. Es wäre wünschenswert, wenn auch aus Deutschland mehr Beschäftigte zu uns finden würden. Momentan ist der Arbeitsmarkt hier noch sehr französisch geprägt.

BT: Im Jahr 2019 gab es auf deutscher Seite Gerüchte, das Outlet könnte erweitert werden. Sie haben dies damals dementiert. Wie ist die aktuelle Situation?
Girard: Nicht anders als damals. Es gibt keinerlei Pläne, das Markendorf auszubauen. Die jetzige Größe ist völlig ausreichend für uns. Die damals von der Gemeinde Roppenheim ausgewiesenen neuen Gewerbeflächen hatten und haben mit uns nichts zu tun. Gleichwohl arbeiten wir permanent an Verbesserungen am bestehenden Objekt. Schon seit geraumer Zeit haben wir beispielsweise den Fokus auf eine ökologisch nachhaltige Entwicklung gelegt und verfolgen konsequent eine entsprechende Strategie.


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