„Wir lachen den Tod aus!“

Rastatt (as) - In der Osternacht erzählt der Pfarrer im Gottesdienst Witze – wo gibt es denn so was? Beispielsweise in der katholischen Seelsorgeeinheit Rastatt, wo der katholische Brauch des Osterlachens von Stadtpfarrer Ralf Dickerhof gepflegt wird.

Witze aus dem Fundus von Pfarrer Rudi Killian: Pfarrer Ralf Dickerhof. Foto: pr

© red

Witze aus dem Fundus von Pfarrer Rudi Killian: Pfarrer Ralf Dickerhof. Foto: pr

BT: In der katholischen Kirche gibt es die Tradition des sogenannten Osterlachens. Was verbirgt sich dahinter?

Ralf Dickerhof: Ostern feiern wir Jesu Auferstehung. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Ostern hat für mich mit Befreiung und mit Freude zu tun. Und die Freude muss einfach raus. Die muss auch auf unseren Gesichtern zu sehen sein. Osterlachen also.

BT:Woher stammt diese Tradition?

Dickerhof: Oje, da erwischen Sie mich auf dem falschen Fuß. Irgendwann habe ich von diesem Brauch des Osterlachens gehört und gedacht: Das ist doch eine schöne Sache, die Gemeinde mit einem herzhaften Lachen aus dem Osternachtgottesdienst zu verabschieden. Wir haben doch allen Grund dazu, wenn wir zuvor gehört haben, dass in Jesus Christus die Macht des Todes überwunden worden ist. Wann, wenn nicht jetzt, haben wir Grund, uns herzlich zu freuen?

BT:Wie muss man sich das vorstellen: Erzählen Sie am wichtigsten Hochfest der Kirche im Gottesdienst Witze?

Dickerhof: Ja, genau. Ich bin nicht so der geborene Witze-Erzähler. Ein Witz reicht – bei meinen Abschlussworten. Über dem Osternachtgottesdienst liegt ja eine Atmosphäre der Feierlichkeit und der Freude: Halleluja, Jesus lebt! Mit dem Osterwitz wende ich quasi einen kleinen Kunstgriff an. Wir lachen miteinander. Wir lachen den Tod aus.

BT:Gibt es bestimmte Anforderungen an den Witz, muss es beispielsweise einen kirchlichen Bezug geben?

Dickerhof: Naja, unter der Gürtellinie geht natürlich gar nicht. Kirchlichen Bezug hat er meistens. Witze über die Pfarrer kommen immer gut an...

BT:Woher nehmen Sie den Witz, gibt es da einschlägige Foren oder verwenden Sie Ihren aktuellen Lieblingswitz?

Dickerhof: Ich habe die gesammelten handschriftlichen Witze-Aufzeichnungen von Pfarrer Rudi Killian, meinem Vorgänger in Zwölf Apostel. Damit habe ich Vorrat für etliche Osterfeste.

BT:Dieses Jahr gibt es aufgrund der Corona-Pandemie ja nur einen Online-Gottesdienst, vielen Menschen ist gerade nicht nach Lachen zumute. Fällt da das Osterlachen aus?

Dickerhof: Ich erzähle den Osterwitz immer gegen Ende der Osternachtfeier. Die werde ich dieses Jahr nur mit Kaplan Reith feiern. Ich glaube, das kann ich mir sparen, ihm einen Osterwitz zu erzählen. Und beim Youtube-Gottesdienst den Osterwitz erzählen vor leeren Kirchenbänken, nur vor einer Kamera? Das lasse ich lieber. Ich werde aber einige der „Best of“-Osterwitze auf unsere Homepage www.kath-rastatt.de stellen.

BT:Viele sind jetzt sicher neugierig: Verraten Sie uns einen Osterwitz aus der Vergangenheit?

Dickerhof: In der Hoffnung, dass mir meine evangelischen Freunde das nicht übel nehmen, habe ich folgenden Witz aus dem Rudi-Killian-Fundus vor Jahren mal erzählt: „Der Papst besucht zum ersten Mal eine Sauna und ist begeistert. Er sagt: So gut hab’ ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Das machen wir morgen gleich noch mal. Ein Würdenträger flüstert ihm ins Ohr: Eure Heiligkeit, morgen geht nicht, da ist gemischte Sauna. Darauf der Papst: Macht nichts. Mit den paar Protestanten werden wir auch noch fertig.“

Zum Artikel

Erstellt:
10. April 2020, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 28sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.