„Wir müssen die Stimme der Jugend sein“

Karlsruhe (kli) – Der Karlsruher Adrian Klant ist neuer Bundeschef der Schüler-Union. Bildung in Corona-Zeiten ist sein Thema

„Wir sollten die Schulen so lange offen halten, wie es geht“: Adrian Klant, Vorsitzender der Schüler-Union, fordert mehr Politikereinsatz für die Bildung. Foto: Dieter Klink

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„Wir sollten die Schulen so lange offen halten, wie es geht“: Adrian Klant, Vorsitzender der Schüler-Union, fordert mehr Politikereinsatz für die Bildung. Foto: Dieter Klink

Der zweite Abschlussjahrgang, der unter Corona-Bedingungen Prüfungen ablegt, ausgefallener Unterricht, versäumter Lernstoff, Hin und Her mit Inzidenzzahlen, Fern- , Wechsel- und Präsenzunterricht: Schüler und Schülerinnen leiden besonders unter der Corona-Pandemie. Adrian Klant will dafür sorgen, dass ihre Interessen nicht hinten runterfallen. Der Karlsruher ist Bundesvorsitzender der CDU-nahen Schüler-Union (SU).

Klant hat im vergangenen Jahr sein Abitur am Karlsruher Bismarck-Gymnasium gemacht. Inzwischen studiert er in Mannheim Unternehmensjura. „Ich war immer schon politisch interessiert. In Gemeinschaftskunde haben wir stundenlang offen über Politik diskutiert. 2017 wurde ich Schülersprecher, und ich kannte einige, die in der SU waren. So bin ich da reingerutscht“, erzählt er im BT-Gespräch. 2019 wurde er Landesvorsitzender der SU und seit wenigen Tagen ist er Bundesvorsitzender der Organisation, die bundesweit nach eigenen Angaben etwa 5.000 Mitglieder hat.

CDU müsse aufpassen, dass sie die Schülergeneration nicht verliert

„Wir müssen die Stimme der Jugend in der Pandemie sein“, sagt er. Die CDU müsse aufpassen, dass sie die Schülergeneration nicht verliert, mahnt er. Im CDU-Landesvorstand sei er einer, der dies deutlich anspreche. Das sei auch notwendig, denn „man kann nicht mehr selbstverständlich voraussetzen, dass Landtagskandidaten die Perspektiven der Schüler mitdenken.“ Seine bisherige Erfahrung: „Wenn man Argumente ernsthaft vorträgt, wird man im CDU-Landesvorstand auch ernst genommen.“

Als die Landes-Schüler-Union mit Klant an der Spitze vor zwei Jahren bei der Bundes-CDU den Antrag einbrachte, Schulen dauerhaft zu beflaggen, steigerte das seinen Bekanntheitsgrad. „Das war keine PR-Aktion, sondern zu der Forderung stehe ich“, sagt er. Plötzlich wollte damals der SWR ein Interview und kam mit Kamerateam an die Schule. Auch als er neulich die Gewerkschaft GEW in einem Offenen Brief angriff, gab es heftige Reaktionen. Dabei habe man nur die Frage gestellt, ob es sinnvoll ist, dass Lehrer Laptops vom Staat bezahlt bekommen. „Die Lehrer sind nicht von Kurzarbeit betroffen, kriegen weiter volle Bezüge. Und dann soll es das erste Signal in der schwersten Bildungskrise des Landes sein, dass Lehrer Laptops erstattet bekommen?“

Der 18-Jährige strebt nicht in die Politik, auf keinen Fall will er Berufspolitiker werden. Klar kommen jetzt als Bundes-SU-Chef mehr Termine und Gremiensitzungen auf ihn zu, auch im Bundesvorstand der Jungen Union wirkt er jetzt mit, aber das Studium soll nicht darunter leiden. Polit-Karriereplanung, nein danke! Er will sich auch bei Interviews nicht zurückhalten müssen „nur aus der Angst heraus, dass man in fünf Jahren ein altes Interview rauskramt und mir das dann auf die Füße fällt“.

„Diejenigen, die es ohnehin schwer haben“


Bildung unter Corona-Bedingungen ist derzeit sein Hauptthema. Schülern sei es wichtig, dass man für ihre schwierige Lage Verständnis aufbringe. Man dürfe nicht Generationen gegeneinander ausspielen. Es gebe viele Schüler mit psychischen Problemen, er habe auch von Suiziden an Schulen gehört. „Unter der Pandemie leiden ja besonders diejenigen, die es ohnehin schon schwer haben.“ Die sich nicht in Video-Lerngruppen zusammenschließen. Die von zuhause aus wenig Unterstützung erhalten, weil es den Eltern oder Alleinerziehenden während Corona auch nicht gutgeht. Klant hält es für einen Riesenfehler, dass man die Schulen von Dezember bis April geschlossen hat.

Und der jetzt geltende Inzidenzwert 165, der über Öffnung und Schließung entscheidet? Den könne er nicht beurteilen. Er wisse nur eines: Wenn die GEW fordere, die Schulen ab 100 wieder dichtzumachen, sei das verantwortungslos. Klar müsse man Risikogruppen schützen, aber „wir sollten die Schulen so viele und so lange offen halten, wie es geht. Am besten mit Ganztagsbetrieb und Raumluftfiltern“, fordert er.

Oberste Priorität müssten die Abschlussprüfungen haben. Die dafür notwendigen Fächer müssten unbedingt unterrichtet werden. Und auch der Sportunterricht habe Vorrang, denn die Pandemie habe zu Bewegungsmangel bei Kindern geführt. Außerdem müssten spezielle Impfstoffe für Kinder und Jugendliche entwickelt werden. Auch fände er es gut, die Ferien für zusätzliche Schulangebote zu nutzen. Klant fordert zudem, eine geeignete Digital-Plattform einzuführen. „Viele Lehrer wären motiviert, da etwas zu machen, wenn man sie nur ließe“, meint er.

Laschet oder Söder?

Was sagt er zum wochenlangen Machtkampf um die K-Frage in der Union? „Ich glaube, niemanden in meiner Altersgruppe interessiert sich dafür, ob nun Laschet oder Söder Bundeskanzler wird.“ Wahlentscheidend bei der Bundestagswahl werde sein, dass die CDU eine Politik für die Mehrheit der Menschen mache, „für diejenigen, die sich anstrengen wollen“.

Für Baden-Württemberg empfiehlt er der CDU, auch den nächsten Kultusminister zu stellen. „Denn was die Grünen fordern, läuft am Ende auf die Abschaffung der Gymnasien hinaus“, glaubt er. Der oder die neue Minister/Ministerin solle Bildung weniger politisieren und nicht als Spielwiese betrachten. Klant erwartet Verlässlichkeit. Und der oder die Neue solle mehr mit der Schülervertretung zusammenarbeiten. Es sei zudem richtig, dass sich Grüne und CDU in den Sondierungen darauf geeinigt haben, keine Strukturdebatten über die Schulen zu führen.

Ob es zu Grün-Schwarz kommt, ist für ihn noch keine ausgemachte Sache. Klant rät der Landes-CDU, genau hinzuschauen, bevor sie den Koalitionsvertrag mit den Grünen unterschreibt. Es gebe da keinen Automatismus. Die Entscheidung solle nicht davon abhängig sein, ob Kretschmann weiter Ministerpräsident bleibt oder irgendwann ein anderer es wird oder ob man gemeinsam mit der AfD in die Opposition geht. „Wir sollten sie nicht größer machen, als sie sind. Wenn man sich die AfD in der vergangenen Legislaturperiode anschaut: Vor denen sollen wir Angst haben?“, fragt er rhetorisch. Die CDU müsse aber überlegen, mit welchen Punkten sie in fünf Jahren vor die Wähler treten wolle. Da ist Klant etwas in Sorge. „Ich sehe nicht, wo die CDU da gerade Punkte macht.“


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