„Wir müssen uns wieder in Erinnerung bringen“

Baden-Baden (sga) – Endlich wieder Kino: Mirko Heck hat das Cineplex in Baden-Baden am Donnerstag wieder geöffnet. Ingesamt stehen 22 Filme auf dem Programm.

Schaut lieber auf der Leinwand als daheim: Der Theaterleiter freut sich, die Besucher wieder mit Popcorn begrüßen zu können. Foto: Sarah Gallenberger

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Schaut lieber auf der Leinwand als daheim: Der Theaterleiter freut sich, die Besucher wieder mit Popcorn begrüßen zu können. Foto: Sarah Gallenberger

Süß oder salzig? Im Cineplex der Kurstadt riecht es wieder nach Popcorn. Und nicht nur das: Für die laufende Spielwoche stehen direkt 22 Filme auf dem Programm. „Es wird Zeit“, freut sich Geschäftsführer Mirko Heck darüber, dass das Kino am Cité-Kreisel seit Donnerstag endlich wieder seine Türen öffnen kann.

Acht Monate mussten die Säle leer bleiben, nun dürfen endlich wieder Bilder auf die Leinwände geschmissen werden. Für Heck eine große Erleichterung: „Endlich können wir den Leuten in dieser tristen Zeit ein unterhaltsames Alternativprogramm bieten.“ Für die Besucher habe er eine breite Auswahl an Genres zusammengestellt, darunter auch viele Kinderfilme, „da werden sicherlich einige Eltern aufatmen“. Und tatsächlich sind es größtenteils die Kleinen, die Donnerstag mit großen Augen vor Popcorneimern sitzen.

Cineplex steht nicht vor dem Aus

Heck freut sich über das gefüllte Haus. Auch deshalb, weil die letzten Monate alles andere als leicht waren. Nicht nur, dass er Kinoliebhaber auf unbestimmte Zeit vertrösten musste – auch seine Ware blieb hinter der Theke liegen. Ab in die Tonne damit? Kommt für Heck nicht infrage: „Wir haben einiges an Tafeln gespendet.“ Der Verlust sei trotzdem immens gewesen. Von einer Pleite muss der Theaterleiter aber nicht sprechen. Wenn auch verzögert, habe das Kino staatliche Hilfen bekommen, „und finanzielle Polster sind auch noch vorhanden“.

Unter Bergen von Chipstüten und Gummibärchen will Heck dennoch nicht versinken, falls er die Türen bald doch wieder schließen muss. Deshalb wird noch nicht alles angeboten, was der Besucher vielleicht aus Zeiten von vor der Pandemie kennt. „Aber keine Sorge“, der Geschäftsführer kann Entwarnung geben: „Kino ohne Popcorn geht nicht. Also wird es die Must-haves selbstverständlich geben.“

„Kino bleibt Kino“

Zu befürchten hat der Besucher übrigens auch in Sachen Corona nichts. Besetzt wird aktuell nur jede zweite Reihe, und Besucher, die nicht gemeinsam gekommen sind, sitzen aufgrund der leeren Plätze rechts und links von ihnen auch nicht neben Unbekannten. Geräte sorgen für 100-prozentige Frischluftzufuhr, nach jeder Vorstellung werden die Toiletten desinfiziert. Wer kommen möchte, sollte sich am besten vorher online ein Ticket besorgen – aufgrund der aktuellen Inzidenz braucht es anschließend vor Ort dann noch nicht mal einen Genesenen-, Test- oder Impfnachweis.

Neben all der Freude zum gestrigen Start ist da aber doch noch dieses unbehagliche Gefühl, das in Heck schlummert. Weil Filme in den letzten Monaten nicht an Kinos verkauft werden konnten, haben viele auf Netflix, Amazon und Co. zurückgegriffen. Einige Streifen wurden sogar auf den Streamingplattformen veröffentlicht anstatt auf der Leinwand. Wird dieser Wandel das Geschäft vor Ort beeinflussen? „Mit Sicherheit“, meint Heck. Er könne auch verstehen, dass viele Filme an andere Dienstleister verkauft worden sind, „das ist ja auch eine wirtschaftliche Geschichte, Produktionen sind schließlich teuer“. So ganz kann er seine Enttäuschung darüber aber auch nicht verstecken: „Filme daheim schauen ist nicht das Gleiche. Kino bleibt für mich nun mal Kino.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
2. Juli 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 31sec

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