Evangelischer Landesbischof: „Wir sind eine Blase“

Karlsruhe (kli) – Die evangelische Landeskirche plant Weihnachten unter Corona-Bedingungen. Dabei hat sie in der Corona-Krise Probleme, mit ihren Themen durchzudringen und gibt sich selbstkritisch.

Jochen Cornelius-Bundschuh, Landesbischof der evangelischen Landeskirche in Baden. Foto: Uli Deck/dpa

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Jochen Cornelius-Bundschuh, Landesbischof der evangelischen Landeskirche in Baden. Foto: Uli Deck/dpa

Die badische evangelische Landeskirche möchte sich für die Gottesdienste über die Weihnachtstage an den Sieben-Tage-Inzidenz-Werten orientieren. Das kündigte Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh am Montagabend bei seinem Jahrespressegespräch an.

„Ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 200 sollte jede Gemeinde vor Ort prüfen, ob der Gottesdienst an Weihnachten präsentisch oder in digitaler Form angeboten werden soll. Ab einer Inzidenzzahl über 300 bitten wird dringend, keine Präsenz-Gottesdienste im Kircheninnenraum abzuhalten“, sagte der Bischof. Die Gottesdienste über Weihnachten würden mit strengen Hygienekonzepten und mit einer auf 200 begrenzten Teilnehmerzahl stattfinden. Klar sei auch, dass an Silvester keine Gottesdienste in der Nacht angeboten werden, da nach dem 26. Dezember wieder die Ausgangsbeschränkung nach 20 Uhr greife.

Cornelius-Bundschuh räumte ein, dass die Kirche in der Corona-Krise zu wenig wahrgenommen werde. „Wir sind ein Stück weit naiv“, sagte er. Man sei zu stark auf innerkirchliche Kanäle fokussiert. Themen wie Einsamkeit, Sterben, Folgen der Corona-Krise für Entwicklungsländer und die Situation des Hungers auf der Welt habe man sehr wohl in die Diskussion eingebracht, „aber es ist uns nicht gelungen, das in der Breite zur Sprache zu bringen“. Cornelius-Bundschuh räumte ein: „Wir sind eine Blase. Wir waren dort präsent, sind aber nicht rausgekommen.“ Bei der Flüchtlingskrise 2015 sei das noch anders gewesen. Damals sei man mit Fachexpertise stark in der Öffentlichkeit präsent gewesen.

Keine einfachen Antworten

Jetzt, in der Corona-Krise, sei man mit Stichworten wie Demut und Nachdenklichkeit nicht durchgedrungen. „Uns wurde wenig zugetraut, und wir sind nicht in der Lage gewesen, unsere Positionen auszudrücken“, gab der Bischof zu bedenken. Das habe aber auch damit zu tun, dass es in dieser Krise keine einfachen Antworten gebe. Diese Ambivalenzen müsse die Kirche aushalten.

Den Befund der zu geringen Wahrnehmbarkeit unterstrich der Strategieberater Udo Schnieders. Christen hätten in der Corona-Krise zwar Relevanz, „aber in der Gesellschaft wurde das kaum wahrgenommen“. Schmieders: „Was nützt es, dass die Kirchen offen sind, wenn keiner weiß, dass sie offen sind? Die Verantwortung, wahrgenommen zu werden, liegt bei den Kirchen.“ Es sei den Kirchen wenig gelungen, die Krise als Chance zu ergreifen. „Warum gab es keinen Christian Drosten der Kirche?“, fragte Schnieders. Politiker wie Markus Söder, Angela Merkel oder Kanzleramtsminister Helge Braun hätten die Krise genutzt, um sich zu positionieren. „Eine vergleichbare kirchliche Persönlichkeit habe ich verpasst“, so Schnieders.

Cornelius-Bundschuh berichtete zudem von Strategieplanungen, die sich auf den Zeitraum bis 2032 erstrecken. Man wolle Volkskirche bleiben. Dafür müsse man neue Kooperationsformen entwickeln. So könne man ein Gemeindehaus, das wenig genutzt wird, auch für die Tagespflege der Diakonie nutzen.

Kooperation unterhalb der Fusion

Ein heißes Eisen packt er auch noch an: Mit der evangelischen Landeskirche Württemberg müsse man in den nächsten zehn bis zwölf Jahren zu „verbindlicheren Formen von Kooperation unterhalb der Fusion“ kommen. Man sei dazu gerade im Gespräch. Möglich sei Zusammenarbeit etwa bei Brandschutz oder bei Steuerfragen. Dabei gehe es immer um die Frage, welche Verwaltung das für die andere übernehmen könne. Es gebe viele Unterschiede zwischen den beiden Landeskirchen, aber auch viele Bereiche, in denen man kooperieren könne. „Wir müssen uns stärker aufeinander zubewegen“, so Cornelius-Bundschuh. Noch gebe es aber keine konkrete Planung dafür.

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Erstellt:
15. Dezember 2020, 14:23 Uhr
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