„Wir sind froh, dass es den Weihnachtsmarkt überhaupt gibt“

Rastatt (fuv) – Schausteller, Standbetreiber und Besucher des Rastatter Weihnachtsmarkts arrangieren sich mit 2G-plus-Regel, doch es gibt auch einigen Frust: Ein Fazit nach der ersten Woche.

Festliche Stimmung auf dem Rastatter Weihnachtsmarkt vor der Kulisse des erleuchteten Rathauses. Dagegen ist mittags kaum was los. Foto: Frank Vetter

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Festliche Stimmung auf dem Rastatter Weihnachtsmarkt vor der Kulisse des erleuchteten Rathauses. Dagegen ist mittags kaum was los. Foto: Frank Vetter

Am Montag hat der Rastatter Weihnachtsmarkt seit einer Woche geöffnet. Eine Woche, die es in sich hatte, musste der Betrieb des Adventtreibens doch auf die sogenannte 2G-puls-Regelung umgestellt werden. Besucher und Marktbeschicker ziehen ein erstes Fazit.

Deutlich weniger Besucher als vor der Pandemie

Der Zauber eines Weihnachtsmarkts stellt sich nach der Corona-Kontrolle durch die freundlichen Security-Mitarbeiter am Samstagabend schon ein. Bunte Lichter, der Duft von gebrannten Mandeln, Waffeln, Crêpes und Bratwurst liegt in der Luft. Es sind deutlich weniger Besucher zwischen Stadtkirche und Rathaus unterwegs als in Vor-Covid-Zeiten. Diejenigen, die trotz der verunsicherten Stimmung in der Bevölkerung durch die Budengassen schlendern, sind froh über das Angebot. Wie Alex Kirsch, der mit Freunden den Markt besucht. „Ich habe keine Bedenken; schließlich sind hier alle geimpft und/oder genesen, haben einen aktuellen Test und tragen Masken. Ich fühle mich sicher und finde, dass die Maßnahmen ok sind“, sagt der Rastatter, der sich als einen regelmäßigen Weihnachtsmarktgänger bezeichnet.

Hier könnte man Corona fast vergessen

Erika Hardt steht mit Freunden um einen Stehtisch im besonders schönen Bereich des Weihnachtsmarkts: Beim großen Christbaum. Die Illumination des Rathauses schafft eine ganz besonders festliche Atmosphäre. Hier könne man die Pandemie fast schon mal vergessen; die Masken bringen die Realität jedoch schnell zurück ins Bewusstsein. Erika Hardt ist in diesem Jahr das erste Mal auf dem Weihnachtsmarkt und findet die Hygiene-Regeln gut. „Wenn man sich vorher informiert, ist das Prozedere doch einfach“, urteilt sie. Auch Hardt und ihre Truppe haben keine Bedenken wegen einer Ansteckungsgefahr. „Wir sind froh, dass es einen Weihnachtsmarkt gibt“, unterstreichen sie. Seit über 30 Jahren betreibt die Familie von Patrik Kranjcina die Schlemmerhütte, einen der beliebtesten Treffpunkte beim vorweihnachtlichen Treiben. Auch er sei natürlich froh, dass es überhaupt einen Adventsmarkt gibt. „Wir wussten ja alle nicht, wie es werden würde“, sagt er. Der Auftakt-Montag und der Dienstag seien richtig gut gewesen, damit habe er gar nicht gerechnet, blickt er zurück. Mit der Einführung der strengeren Covid-Verordnung habe sich das rapide geändert.

Betreiber begrüßen Verzicht auf Standgebühr

Wie seine Kollegen sieht er den Mittwoch und den Donnerstag als eine Katastrophe. Zu 2G-plus sei auch noch der Regen gekommen. Regeln müsse es geben, auch wenn viele seiner Kunden es nicht so richtig verstehen könnten, dass sie als Geimpfte einen Test vorlegen müssen. Er hofft, dass die bereits angekündigte Befreiung von der Standgebühr kommt. „Das würde für uns alle hier viel Druck rausnehmen.“

Das Feedback der Weihnachtsmarktbesucher jedenfalls sei super. „Wir haben Kunden, die in der dritten Generation zu uns zum Glühweintrinken kommen“, freut sich Patrik Kranjcina. Und eine Anekdote hat er auch noch parat: Ein Pärchen sei eigens wegen des Weihnachtsmarkts aus Berlin angereist. Denen habe es so gut gefallen, dass schließlich mit Rastattern gemeinsam das Union-Berlin-Lied gesungen wurde.

So gut ist die Stimmung bei Hugo Levy nicht. Grundsätzlich ist der Sprecher der Schausteller ebenfalls froh, dass es den Markt überhaupt gibt. „Wir sind dem OB und der Stadtverwaltung sehr dankbar, dass es den Pop-up-Jahrmarkt gab und den Weihnachtsmarkt gibt. Da hat OB Pütsch wirklich Mut bewiesen“, ist Levy voll des Lobes. Lob und Respekt würden auch die Security-Leute verdienen, betont er. „Was die sich zum Teil anhören müssen und wie sie auch beschimpft werden, ist schon schlimm“, so Levy. Zum Umsatz stellt er fest, dass das Mittagsgeschäft komplett weggebrochen sei, und dass er und die anderen Schausteller über jeden froh seien, der am Abend auf den Markt komme. Auch Levy hofft auf den angekündigten Verzicht auf Standgebühren. Dann sei ein kostendeckendes Geschäft möglich.

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Erstellt:
28. November 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 53sec

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