„Wir stehen vor dem Ruin“

Rastatt (ema) – Der Zirkus Bely muss sein Gastspiel in Rastatt abbrechen und kann seine geplante Tournee nicht starten. Corona trifft den kleinen Familienbetrieb mit voller Wucht.

Wie es weiter geht, weiß die Familie um Marina Frank (links) nicht. Der Zirkus Bely muss wohl vorerst in Rastatt ausharren. Foto: F. Vetter

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Wie es weiter geht, weiß die Familie um Marina Frank (links) nicht. Der Zirkus Bely muss wohl vorerst in Rastatt ausharren. Foto: F. Vetter

Der Zirkus Bely ist mittlerweile seit Jahrzehnten ein Teil Rastatts – auch wenn der Familienbetrieb mehr als die Hälfte des Jahres auf Tournee unterwegs ist. Doch jetzt könnte ausgerechnet in dieser Heimstatt das Ende des Familienbetriebs eingeläutet werden. Corona trifft auch den Zirkus mit voller Wucht.
Eigentlich hätte Bely noch bis zu diesem Sonntag auf dem Festplatz auf der Friedrichfeste sein Publikum unterhalten wollen. Doch am Freitag war Schluss. Nach der letzten Vorstellung habe die Stadtverwaltung angeordnet, dass man das Zelt abbauen müsse, berichtet Zirkuschefin Marina Frank.

Gelohnt hatte sich das Ganze ohnehin nicht mehr. Gerade mal drei zahlende Zuschauer waren zu der Vorstellung gekommen; sieben weitere hatten Freikarten über eine Aktion der Stadtwerke und der Rastatter Tafel.

Doch die Familie Frank hadert weniger mit dem abrupten Schluss in der Barockstadt als vielmehr mit dem, was sie in der Zukunft erwartet. Denn Rastatt ist jedes Jahr aufs Neue Start für die Tournee. Doch nicht nur die nächsten Zirkusstationen in Hügelsheim und Ettlingen haben die zuständigen Behörden untersagt, berichtet Marina Frank. Bis Mitte des Jahres habe man Absagen erhalten. Selbst wenn dann die Corona-Krise bewältigt sein sollte, sieht Marina Frank das nächste Problem auf sie zukommen: „Im Sommer will doch kaum einer bei der Hitze ins Zirkuszelt“, weiß sie aus langjähriger Erfahrung.

Zirkus hofft auf Spenden für Tiere

Wie die generationenübergreifende Familie mit ihren 14 Angehörigen und die 60 Tiere da über die Runden kommen sollen, ist der Chefin völlig schleierhaft. Die vier Monate im Winter hat man auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne Merzeau im Rastatter Süden überbrückt – wie schon in den vergangenen 19 Jahren. Jetzt stellt sich die Frage, ob man nach der Premierenrunde auf der Friedrichfeste erst mal wieder nach Merzeau zurückkehren kann. Das Areal gehört dem Bund; dessen Makler von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) hatten schon signalisiert, dass das Gelände geräumt werden soll. Aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht wolle man einen Teil der Gebäude abreißen. Die Zirkusfamilie hängt also gerade doppelt in der Luft – räumlich und finanziell. „Wir haben schon viele schwere Zeiten hinter uns. Aber das ist ein extremer Härtefall“, sagt Marina Frank. „Wir stehen vor dem Ruin.“ Die Familie ist verschuldet; von der Substanz musste man im Winter zehren. Und jetzt, da es eigentlich richtig losgehen sollte, brechen die Einnahmen weg. Jetzt hoffen die Franks, dass man durch Spenden auch für die Tiere über die Runden kommen kann. Wie ernst es ist, merkt Marina Frank an ihrem Mann Harry. Den habe sie zum ersten Mal weinen sehen.

www.circusbely.de

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Erstellt:
17. März 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 21sec

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