„Wir ticken nicht nur musikalisch gleich“

Bühl (urs) – Das Duo „Sunny Wings“ ist auch im Corona-Jahr aktiv. Sebastian Koehn und Reinhold Brommer erzählen über ihre Arbeit, ihre Vorliebe für Weihnachtslieder und ihre musikalischen Wurzeln.

Seit drei Jahren treten Reinhold Brommer (links) und Sebastian Koehn gemeinsam auf. Jetzt haben sie eine neue CD produziert. Foto: Ursula Klöpfer

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Seit drei Jahren treten Reinhold Brommer (links) und Sebastian Koehn gemeinsam auf. Jetzt haben sie eine neue CD produziert. Foto: Ursula Klöpfer

Auch in Corona-Zeiten sind die Musiker Sebastian Koehn und Reinhold Brommer, in der Region bekannt als „Sunny Wings“, nicht untätig. Gerade ist ihre zweite CD „After Sun“ erschienen. BT-Mitarbeiterin Ursula Klöpfer sprach mit dem Duo über den Werdegang der „Sunny Wings“, warum Jimi Hendrix ein wichtiger Meilenstein in ihrem Leben ist, wie sie sich kennengelernt haben und was sie sich zu Weihnachten wünschen.

BT: Was kann der Zuhörer auf Ihrer CD, die den Namen „After Sun“ trägt, hören?

Reinhold Brommer: Sebastian und ich lieben ja die Songs der 60er und 70er Jahre. Viele werden daher die meisten Lieder selbst erkennen. Wir haben sie allerdings so arrangiert, dass sie auch zu uns passen. Wir sind ja schließlich keine Band mit Schlagzeug und Bass, sondern ein Duo. Wichtig ist uns, aus weltbekannten Hits eine eigene Version herauszukitzeln und sie mit dem uns eigenen spezifischem Sound zu spielen. Sebastian ist ja ein Fan von Sound- und Effektgeräten und die setzt er auch dementsprechend gezielt ein. Unsere Songauswahl? Wir hängen ja ein wenig der Zeit nach, in der Musik nicht nur Musik, sondern auch eine Lebensphilosophie verkörperte. Daher wählen wir die Lieder auch nach diesem Kriterium aus.

BT: Sebastian Koehn ist ja ein paar Jahre jünger als Sie, Herr Brommer, und gehört damit einer ganz anderen Generation an. Führt das nicht automatisch zu Konflikten?

Brommer: Nein, auf keinen Fall. Als ich Sebastian kennenlernte, war ich zutiefst verwundert, dass wir die gleiche Musik lieben. Aber wir ticken nicht nur musikalisch gleich, sondern uns sind auch die gleichen Werte wichtig. Und wir haben (lacht) auch beide lange Haare. Lange Haare galten in meiner Jugend noch als sehr provokant.

„Manchmal schon wie ein altes Ehepaar“

BT: Jede Band hat ja eine kleine Entstehungsgeschichte, wie ist Ihre?

Sebastian Koehn: Bevor wir uns kennenlernten, haben wir in verschiedenen Bands gespielt. Ich bei Dschinchilla, in der Rolf Ableiter Band, der Hans Hruschka Band und bei Van Teichmann. Reinhold war Gründungsmitglied der Düsseldorfer Band Saitenwind, spielte bei Transfer und gründete 1986 die Brommer-Band. Im Badischen war Reinhold mit Fotloose zu hören.

Brommer: Wie ich Sebastian kennengelernt habe? Als ich mir eine neue Gitarre in Karlsruhe kaufte, hat mir der Verkäufer folgenden Tipp gegeben: „Wenn Du dein Gitarrenspiel perfektionieren willst, ruf einfach den Sebastian Koehn an.“ Das habe ich getan und voilà: Heute spielen wir schon drei Jahre auf der Bühne zusammen. Das passt menschlich und musikalisch perfekt. Wir verstehen uns blind auf der Bühne und benehmen uns manchmal schon wie ein altes Ehepaar (lacht).

BT: Woher kommt der Bandname „Sunny Wings“?

Brommer: Wir haben lange nach einem Bandnamen gesucht. Er sollte an Jimi Hendrix angelehnt sein und den Titel „Little Wing“ enthalten. Das ist einer unserer Lieblingssongs. Leider war der Name schon vergeben. So haben wir das „Wings“ behalten und „Sunny“ hinzugefügt. „Sonnig“ vermittelt einfach eine positive Lebenseinstellung.

BT: Jimi Hendrix scheint Sie beide zu verbinden. Was ist das Besondere an ihm?

Koehn: Hendrix war ein ganz, ganz großer Gitarrist, der auch in der Musikszene viel bewegt hat. Die Intensität, die er in seine Stimme und in seine Gitarre gelegt hat, ist unvergleichlich. Ein gutes Beispiel ist sein Woodstock-Auftritt, in dem er aggressiv und frech die amerikanische Nationalhymne spielt. Sie klingt wie ein Pendant zum Film „Apocalypse now“. Es war ja ein brutaler Krieg in Vietnam, und man hört in seinem Spiel die Bomben geradezu fallen. Für mich haben übrigens drei Musiker einen besonderen Zauber, den sonst keiner erreicht: Hendrix im Rock, Django Reinhardt im Jazz und Bach in der Klassik.

„Ich höre unheimlich gerne Weihnachtslieder“

BT: Wahrscheinlich sind alle Auftritte in diesem Jahr ins Wasser gefallen? Wie haben Sie dieses Corona-Jahr ohne Publikum verbracht?

Brommer: Ja, es waren einige Auftritte geplant. Natürlich sind fast alle ins Wasser gefallen. So haben wir die Zeit genutzt und die zweite CD im Studio aufgenommen. Nach Fertigstellung unserer Live-CD im Frühjahr 2020 stellten wir fest, dass uns einige Lieder in unserem Repertoire ebenfalls sehr am Herzen liegen. Das Studio bietet mehr Möglichkeiten, die Tracks gezielter auszuarbeiten.

BT: Wie verbringen Sie Weihnachten? Wird unter dem Tannenbaum auch Hendrix gespielt oder singen Sie klassische Weihnachtslieder?

Brommer: Beides, klassisch und Hendrix. Aber so sehr ich auch Hendrix liebe: Weihnachtlich wird es erst richtig mit Weihnachtsliedern. Wenn noch Schnee dazu kommt, ist es perfekt.

Koehn: Ich höre unheimlich gerne Weihnachtslieder aus allen Bereichen, sei es Pop mit „Last Christmas“ oder Weihnachtsplatten von Dylan, Clapton, Springsteen sowie klassische Weihnachtslieder.

BT: Und was wünschen Sie sich zu Weihnachten?

Brommer: Wir leben ja auf einem recht hohen Niveau in Deutschland, auch wenn das natürlich nicht für alle in diesem Land zutrifft. Ich bin bis jetzt ohne Krieg durch dieses Leben gegangen. Wenn das so bleibt, bin ich reichlich beschenkt.

Koehn: Ich wünsche von Herzen, dass die Pandemie aufhört, alles wieder seinen normalen Weg geht und die Menschen wieder mehr zueinanderfinden.

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Erstellt:
3. Dezember 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 35sec

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