„Wir wollen die Motorradfahrer keineswegs verteufeln“

Loffenau (ham) – Obwohl Loffenau einer der Vorkämpfer gegen Motorradlärm ist, trat die Gemeinde vergangene Woche im Gegensatz zu 81 anderen Gemeinden und Landkreisen nicht der „Initiative Motorradlärm“ bei. Nun schloss sich Loffenau dieser aber an.

Bald soll auch in Loffenau ein Lärmdisplay zu laute und schnelle Motorradfahrer zur Räson rufen.  Foto: Armin Weigel/dpa/Archiv

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Bald soll auch in Loffenau ein Lärmdisplay zu laute und schnelle Motorradfahrer zur Räson rufen. Foto: Armin Weigel/dpa/Archiv

Ein Aktionsbündnis hat sich vergangene Woche in Stuttgart formiert, um dem Lärm dröhnender Motorräder Einhalt zu gebieten (das BT berichtete). Ausgerechnet das schon viele Jahre dagegen kämpfende Loffenau war jedoch anfangs nicht mit von der Partie. BT-Redakteur Hartmut Metz unterhielt sich mit Bürgermeister Markus Burger darüber.

BT: 81 Gemeinden und Landkreise, darunter auch Gernsbach, haben sich in Baden-Württemberg zur „Initiative Motorradlärm“ zusammengeschlossen. Ausgerechnet einer der Vorkämpfer, Loffenau, war nicht dabei. Weshalb?

Markus Burger: Wir sind jetzt dem Bündnis beigetreten. Das ging relativ formlos per E-Mail. Dass wir nicht gleich dabei waren, hatte mehrere Gründe: In Loffenau gab es viele Bestrebungen, dem Thema „Motorradlärm“ beizukommen – auch mit Erfolg. Der 2011 eingerichtete Arbeitskreis zur Reduzierung Motorradlärm „AK ReMo“ ist dann aber auch an seine Grenzen gestoßen und hat den Arbeitsauftrag im Jahr 2016 als weitgehend erledigt an den Gemeinderat zurückgegeben. Wir mussten erkennen, dass man hier teils gegen Windmühlen, nämlich die EU- und Bundesgesetzgebung, kämpft. Im letzten Jahr habe ich im Juni an der Lärmaktionsfahrt teilgenommen, um auf den Lärm durch Motorräder aufmerksam zu machen. Ab Sommer kam dann Bewegung in die Thematik. Es wurde Ende Juli zu einem Termin nach Stuttgart eingeladen. Ein zweiter Termin fand dann Anfang Dezember statt. Leider konnte an beiden Terminen niemand aus der Verwaltung wegen Terminüberschneidungen teilnehmen. Und nach all den Anstrengungen der vergangenen Jahre wollten wir auch zuerst einmal abwarten, was sich denn daraus ergibt. Nun ging die Initiative mit ihren Forderungen an die Öffentlichkeit – mit den gleichen Ansatzpunkten übrigens, die auch schon der AK ReMo verfolgte: geringere Grenzwerte für Motorräder, stärkere Verkehrsüberwachung und höhere Strafen beziehungsweise Bußgelder für „Raser“.

Jeder 16. besitzt ein Motorrad

BT: Der Statistik nach haben 700000, jeder 16. Einwohner in Baden-Württemberg, mittlerweile ein Motorrad. Wissen Sie, wie viele Motorräder täglich durch Loffenau rollen? Am Wochenende wird die Belastung sicher deutlich höher sein, wenn die „Genussfahrer“ durch die beliebten kurvenreichen Strecken am Rande und im Schwarzwald cruisen.

Burger: Die genaue Anzahl kann ich Ihnen noch nicht nennen, aber in den nächsten Wochen wird mit zunehmender Temperatur die Anzahl der Motorräder wieder steigen. Wie Sie richtig annehmen, ist am Wochenende und an Feiertagen die Anzahl der Biker besonders hoch. Demnächst werden wir ein sogenanntes Motorradlärmdisplay anbringen. Dieses misst dann nicht nur die Geschwindigkeit und Lautstärke der Fahrzeuge und zeigt dem Fahrer dann an, ob er zu laut oder zu schnell – oder beides – ist. Das Gerät zeichnet auch Daten auf und kann dabei zwischen den verschiedenen Fahrzeugarten unterscheiden. Wir können also künftig genau sagen, wie viele Lkw, Pkw und Motorräder an welchen Tagen durch unseren Ort fahren und wie viele davon zu laut und zu schnell sind.

BT: In einigen Wochen soll ein Messgerät wie in Michelbach installiert werden. Die besten Geräte messen Lärm und Geschwindigkeit – sind aber auch 15000 Euro teuer.

Burger: Der Gemeinderat hat im vergangenen Jahr beschlossen, das Display zu kaufen. Das Land Baden-Württemberg hat hierfür ein Förderprogramm aufgelegt, es gibt 4000 Euro Pauschalförderung für ein solches Motorradlärmdisplay. Die Förderung ging bereits ein und das Display wird bis zum Start der Saison, also bis Ende März, aufgestellt sein.

Lärmdisplay soll Rowdys zähmen

BT: 78 Dezibel sind als EU-Grenzwert statthaft. Durch den Helm und Ohrenstöpsel hören die Motorradfahrer aber fast nichts und machen deutlich mehr Lärm. Gibt es oft Beschwerden im Rathaus? Oder haben sich die Loffenauer schon damit abgefunden?

Burger: Das Thema kommt jedes Jahr im Frühling wieder auf, wenn ab April die meisten Motorräder mit Saisonkennzeichen aus den Garagen geholt werden. Abgefunden haben sich die Loffenauer keineswegs mit der Situation.

BT: Lässt sich auch etwas Positives sagen über die Motorradfahrer? Sorgen sie in Loffenau wenigstens für Umsatz, etwa in der heimischen Gastronomie, an der „Teufelsmühle“, oder im Landmarkt?

Burger: Wir wollen die Motorradfahrer keineswegs verteufeln – die überwiegende Mehrheit der Biker fährt auch so, wie wir absolut nichts dagegen haben: nämlich mit angepasster Geschwindigkeit und mit Motorrädern, an denen nicht manipuliert wurde, um lauter zu sein als erlaubt. Und Biker sind auch in unserer Gastronomie herzlich willkommen. Vor allem die Betriebe entlang der L564 profitieren von den Motorradfahrern.

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Erstellt:
19. Februar 2020, 20:15 Uhr
Lesedauer:
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