„Wir wollen ein Signal an die Region senden“

Karlsruhe/Baden-Baden (vo) – Die IHK Karlsruhe unterstützt ihre Mitgliedsbetriebe mit der Kampagne „reStart“. Kreative Geschäftsideen sollen den Neustart nach der Corona-Krise erleichtern.

Die IHK Karlsruhe hat bei ihren Serviceangeboten die Digitalisierung ausgebaut. Foto: IHK

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Die IHK Karlsruhe hat bei ihren Serviceangeboten die Digitalisierung ausgebaut. Foto: IHK

Während die einen mit ihrem Betrieb bereits durchstarten, warten andere noch auf den Neubeginn: Nach dem Lockdown ist die Wirtschaft in weiten Teilen wieder angelaufen. Aber es gibt auch Branchen, die sich damit noch schwertun. Die Industrie- und Handelskammer Karlsruhe begleitet sie mit der Kampagne „reStart“ beim Wiedereinstieg.
„Wir wollen ein Signal an die Region senden“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Guido Glania mit Blick auf die Aktion. Als Vertretung und Sprachrohr ihrer Mitglieder unter anderem gegenüber der Politik sieht sich die Organisation in der Verantwortung, den Neustart nach der Pandemie aktiv zu unterstützen. Beratung und Service seien seitens der IHK jetzt noch mehr gefragt, betonte Glania am Dienstagabend in einem Livestream zum sogenannten „reStart“. Das virtuelle Event war als Mutmacher gedacht – mit Beispielen von Unternehmen und Selbstständigen, die besonders kreativ, innovativ und engagiert Prozesse, Dienstleistungen und Produkte coronagemäß angepasst oder umgestellt und dabei teilweise Neuland betreten haben.

Zu ihnen gehört Yvonne Meyer. Die Inhaberin von „Schwarzwald Soul“ in Bühl, ein Geschäft mit Café, das Produkte wie etwa Uhren, Schmuck oder Feinkost aus dem Schwarzwald anbietet, liebt den persönlichen Kontakt zu ihren Kunden. Ein Online-Verkauf war für sie daher lange Zeit eher zweitrangig. Doch der Lockdown ließ sie umdenken. Meyer investierte in einen Online-Shop. Der konnte den Einnahmeausfall zwar nicht gänzlich kompensieren, aber inzwischen macht die engagierte Geschäftsfrau bis zu 40 Prozent des Umsatzes im Netz. Dabei ist Kreativität gefragt: Jedes Produkt hat eine Geschichte – und die wird jeweils mit einem eigenen Video erzählt. So habe sich während des Lockdowns der fehlende Kontakt zum Kunden teilweise wieder herstellen lassen, erklärt Meyer ihr Erfolgsrezept.

Einen anderen Weg ist der Gastronomiebetrieb 87Mamma Lina in Baden-Baden gegangen. Dort wurde die Zeit der Corona-Schließung genutzt, um die Räumlichkeiten umzubauen und zu modernisieren. Gleichzeitig wurden ein Take-away-Konzept und ein Online-Shop entwickelt. Das half dem Familienbetrieb in dritter Generation, sich auch in schwieriger Zeit über Wasser zu halten.

Oder das Brenners Park-Hotel & Spa in Baden-Baden: Dort haben die Verantwortlichen um Personalleiterin Julia Beach unter anderem die Ausbildung des knapp 50-köpfigen Nachwuchses während der Hotel-Schließung neu organisiert und dabei festgestellt, dass die Gemeinschaft deutlich gestärkt werden konnte. Mit der Öffnung des Hotelbetriebs sei nun die Motivation größer denn je.

Neben vielen negativen Folgen hat die Corona-Krise auch positive Entwicklungen befördert. Deutlich erkennbar ist, dass die Digitalisierung über alle Branchen hinweg beschleunigt wurde. Auch die IHK selbst hat ihren Beratungs- und Serviceauftrag dahingehend weiterentwickelt. Die neuen Formate laufen nun weitgehend online, wie Hauptgeschäftsführer Glania bei der virtuellen Veranstaltung betonte. Letztere war selbst bestes Beispiel dafür. Denn parallel zur Live-Sendung bot eine Berater-Plattform mit Fachleuten der Kammer den Unternehmern ganz konkrete Hilfestellung, etwa bei der Frage nach dem richtigen Förderprogramm. Nur wenige Betriebe und Selbstständige im Wirkungskreis der Karlsruher IHK haben in der Corona-Krise die Flinte ins Korn werfen müssen, etwa wegen fehlender finanzieller Rücklagen. Stattdessen gibt es viele Beispiele, die Mut machen, weil Betroffene diese Krise auch als Chance sähen, wie Kammerpräsident Wolfgang Grenke sagte. Dank staatlicher Hilfe und nicht zuletzt mit Unterstützung der IHK haben sie die Herausforderungen angenommen. Für Gastredner Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft bleiben die Herausforderungen dennoch gewaltig: „Die Corona-Pandemie stelle einen Schock in bisher ungekanntem Ausmaß für die deutsche Volkswirtschaft dar, sagte er.

Ihr Autor

Jürgen Volz

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Erstellt:
10. Juni 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

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