Wird Mittelbaden Bio-Musterregion?

Rastatt/Baden-Baden/Bühl (for) – Die Entscheidung über den 20-seitigen Antrag für eine Bio-Musterregion Mittelbaden könnte am Donnerstag fallen.

Vom Acker auf den Teller: Die Vermarktung regionaler Bio-Produkte ist ein entscheidender Faktor dafür, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt.  Foto: Christoph Schmidt/dpa

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Vom Acker auf den Teller: Die Vermarktung regionaler Bio-Produkte ist ein entscheidender Faktor dafür, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt. Foto: Christoph Schmidt/dpa

„Bio von hier für uns“ – mit diesem Ziel vor Augen will die Initiative Bioregion Mittelbaden (IBM) erreichen, dass die Region rund um den Landkreis Rastatt, den Stadtkreis Baden-Baden und den Ortenaukreis als eine von drei neuen Bio-Musterregionen anerkannt wird. Der Antrag dafür ist bereits vor einigen Wochen im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) eingegangen. Schon am Donnerstag könnte eine Entscheidung fallen.

Die Bio-Musterregion ist ein Gütesiegel mit dem Anspruch, mehr Bio-Produkte regional zu produzieren. Um das zu erreichen, übernimmt das MLR für drei Jahre 75 Prozent der Kosten für ein Regionalmanagement, das alle beteiligten Akteure vernetzt und innovative Projekte vorantreibt. Diese Förderung kann auf bis zu sieben Jahre verlängert werden. 25 Prozent der Kosten müssen die Antragsteller selbst tragen.

Ökologisches Wirtschaften in der Region vorantreiben

Nachdem die ersten vier Bio-Musterregionen Baden-Württembergs im Januar 2018 ausgewählt wurden und im Jahr 2019 weitere fünf Regionen als Bio-Musterregion zum Zug gekommen sind, gab es Anfang Juni eine erneute Ausschreibung. Drei weitere Regionen sollen bis Ende des Jahres zu neuen Bio-Musterregionen bestimmt werden.

Mit im Rennen ist auch die Initiative Bioregion Mittelbaden, die im Juli von der Bio-Unternehmerin Helga Decker aus Bühl-Weitenung ins Leben gerufen wurde. Gemeinsam mit dem Verein Gemeinwohl-Forum-Baden hat sie sich zum Ziel gesetzt, Menschen in der Region zu verbinden, die das ökologische Wirtschaften in der Region vorantreiben.

Mittlerweile haben sich seit der Gründung der Initiative mehr als 500 Mitstreiter entlang des Oberrheins zusammengefunden, die die Projektgruppe gemeinsam unterstützen, darunter neben landwirtschaftlichen Erzeugern, Winzern, Imkern und ökologisch denkenden Unternehmern auch drei Oberbürgermeister und 15 Bürgermeister.

Bewusstsein für mehr Bio-Produkte stärken

Von einer Bio-Musterregion erhofft sich die Initiative, das Bewusstsein der Verbraucher für mehr Bio-Produkte in der Region zu stärken. So könnten kleine und mittelständische Betriebe durch den verstärkten regionalen Handel gefördert werden. Außerdem sei die Vermarktung regionaler Bio-Produkte ein entscheidender Faktor dafür, dass die Wertschöpfung in der Region bleibe, wie es in einer Broschüre der IBM heißt. Nicht zuletzt wirken sich kurze Wege auch positiv auf die CO2-Bilanz aus, was letztlich ein wichtiger Schritt für mehr Klimaneutralität bedeute. Auch deshalb soll die Bioregion Mittelbaden ein Beitrag zum 1,5-Grad-Klimaziel sein.

PFC-Problem erschwert ökologischen Anbau

Die Nachfrage nach Bio-Produkten sei zwar schon groß, allerdings würden noch immer 70 Prozent der Lebensmittel importiert, schreibt die IBM. Auch deshalb möchte die Landesregierung Baden-Württemberg erreichen, dass 30 bis 40 Prozent der Ackerfläche im Land bis 2030 biologisch bewirtschaftet werden. Laut einem Bericht der IBM würde das für den Landkreis Rastatt, der 2019 bei „unterdurchschnittlichen sechs Prozent“ lag, bedeuten, bis 2030 etwa fünfmal mehr der Flächen ökologisch zu bewirtschaften. Für den Ortenaukreis, der 2019 bei 8,9 Prozent lag, drei- bis viermal mehr. Allerdings erschweren mit PFC belastete Böden den ökologischen Anbau in Mittelbaden. Deshalb will sich die IBM besonders dafür einsetzen, zusammen mit dem Landkreis und dem Regierungspräsidium weitere Lösungen für die ökologische Bewirtschaftung auf weniger belasteten Böden zu finden.

Ob der 20-seitige Antrag, den die IBM eingereicht hat, vom Gremium abgesegnet wird, hängt von vielen Kriterien ab. Wie gut die Chancen für Mittelbaden stehen, ist noch nicht durchgesickert. Auch, wie viele Regionen sich insgesamt beworben haben, hat das MLR noch nicht veröffentlicht.


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