Wissenschaftsministerin Bauer will OB werden

Stuttgart (bjhw) – Theresia Bauer tritt im September bei der Rathauswahl in Heidelberg an – und legt ihr Regierungsamt in Stuttgart nieder.

Wird ihren Kabinettsposten aufgeben und sich in Heidelberg zur Wahl stellen: Theresia Bauer. Foto: Uwe Anspach/dpa

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Wird ihren Kabinettsposten aufgeben und sich in Heidelberg zur Wahl stellen: Theresia Bauer. Foto: Uwe Anspach/dpa

„Sie dürfen spekulieren, aber ohne meine Beteiligung“, sagt Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zu einer Personalie, die derzeit die Landespolitik aufmischt. Theresia Bauer, Wissenschaftsministerin seit elf Jahren, will im November erste grüne Oberbürgermeisterin in ihrer Wahlheimat Heidelberg werden.

Als natürliche Nachfolgerin ist Kunststaatssekretärin Petra Olschowski im Gespräch, weil sie das Ressort kennt und weil die Geschlechterparität erhalten bliebe. Dennoch könnten auch ganz andere Entscheidungen fallen, wenn der Regierungschef mit Blick auf seinen eigenen Abgang spätestens 2025/2026 zu einer größeren Umbildung im grünen Teil des Kabinetts ausholen würde.

„Aus Liebe zu unserer Stadt möchte ich Oberbürgermeisterin werden“, schreibt Bauer auf ihrer Homepage. Im Stuttgarter Landtag war bereits seit einigen Wochen über einen möglichen Wechsel getuschelt worden. Die gebürtige Pfälzerin könnte für ihre Grünen, nach dem Verlust von Freiburg und Stuttgart, ein wichtiges Rathaus erobern – Amtsinhaber Eckart Würzner, den CDU und FDP unterstützt haben, ist parteilos.

Kretschmann war informiert. Er verliere „eine meiner besten und profiliertesten Ministerinnen“, sagt er, sie sei entscheidungs- und umsetzungsstark, daran werde sich bis zum Sommer auch nichts ändern. Auf die Frage, ob Olschowski aufsteigen werde, weicht er aus: Das sei weder nahe- noch fernliegend.

Kommt das große Stühlerücken?


Manche in Partei und Fraktion werten diese Einlassung zumindest als Fingerzeig, dass noch nicht sicher ist, ob es nicht doch zu einem Stühlerücken kommt. Das wäre nicht ganz einfach, weil mit Danyal Bayaz (Finanzen) und Thekla Walker (Umwelt) zwei Neue im Amt und damit vor einer Auswechselung geschützt sind. Zudem tauchen beide Namen auf der Liste derer ziemlich weit oben auf, die für die Kretschmann-Nachfolge infrage kommen. Sie wurden Regierungsmitglieder, nachdem zwei Granden gingen: Edith Sitzmann und Franz Untersteller. Zwei weitere sind geblieben und lassen bislang keinerlei Amtsmüdigkeit erkennen. Sich von Gesundheitsminister Manfred Lucha zu trennen, würde zudem als Eingeständnis gewertet, dass der 52-Jährige doch überfordert gewesen sei mit dem Corona-Management. Und Verkehrsminister Winfried Hermann wird zwar im Juli 70, tritt aber mit dem Habitus eines deutlich Jüngeren auf. Und er hängt, wie es unter Grünen-Abgeordneten heißt, „mit Leib und Seele“ an seinem Ressort.

Sollte trotzdem am Kabinettstisch ein zweiter Platz frei werden, könnte Fraktionschef Andreas Schwarz bereitstehen. Nach jahrzehntealter CDU-Logik sind Fraktionsvorsitzende natürliche Nachfolger des Regierungschefs . Der 42-jährige Wirtschaftsjurist wird allerdings immer wieder als möglicher Minister genannt, durchaus in Vorbereitung auf den Einzug in die Villa Reitzenstein. Für die Grünen gesichert wäre Kretschmanns Nachfolge ohnehin zumindest bis 2026, denn der Koalitionspartner CDU hat 2021 zugestanden, keine Neuwahl zu verlangen, sollte der in wenigen Wochen 74 Jahre alt werdende Ministerpräsident vorzeitig seinen Hut nehmen.

Entscheiden will er, berichten Fraktionäre, über den Ersatz für Theresia Bauer allein. Was auch einer Konstellation geschuldet ist, die die Grünen von CDU oder SPD grundlegend unterscheidet. Denn dort sind Ministerpräsidenten in der Regel Landesvorsitzende und schon deshalb auch dem jeweiligen Landesvorstand verpflichtet.

Kretschmann dagegen hat bereits 2019 nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch die eigene Partei warten lassen, bis er sich zum Wiederantritt entschloss. Der zumindest ist ausgeschlossen, denn diese dritte ist nach seinen eigenen Worten definitiv auch seine letzte Amtszeit.

Ihr Autor

BT-Korrespondentin Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
23. März 2022, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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