Wissenswertes rund um den Stausee

Forbach (mhr) – Manches Bekanntes, aber auch vieles, das die rund 20 Teilnehmer zuvor noch nicht wussten, vermittelte Schwarzwald-Guide Bernd Schneider bei einer Wanderung entlang der Talsperre.

Auch fernab der Talsperre vermittelt Schwarzwald-Guide Bernd Schneider (links) viel Wissenswertes. Foto: Margrit Haller-Reif

© mhr

Auch fernab der Talsperre vermittelt Schwarzwald-Guide Bernd Schneider (links) viel Wissenswertes. Foto: Margrit Haller-Reif

Beim Gang über die 400 Meter lange Krone der Staumauer wird man sich ihrer gigantischen Ausmaße kaum bewusst. Umso mehr als der rund zwei Kilometer lange Stausee des weithin bekannten und beliebten Naherholungsziels Schwarzenbach-Talsperre nach ergiebigen Regenfällen gut gefüllt ist. Doch die entsprechenden Daten und Fakten ließen nicht lange auf sich warten. Denn bei einer Führung mit Schwarzwald-Guide Bernd Schneider verbinden sie sich mit Natur und Geschichte.

So entdeckten rund 20 Wanderfreudige aus der Region am Samstagnachmittag auch manches historische Fundstück rund um die Schwarzenbach-Talsperre. Dass die Staumauer 65 Meter hoch ist, an ihrem Fuß über 48 Meter misst und der See über ein Speichervolumen von 14,4 Millionen Kubikmeter Wasser verfügt, erfuhren sie vor dem ersten Anstieg.

Auch dass das Wasser der Talsperre als Antriebskraft bei der Stromerzeugung dient und der neue Hochbehälter oberhalb der Talsperre „eins der jüngsten Bauwerke“ auf der Gemarkung Forbach ist. Um die Reinheit und Verfügbarkeit des „Lebensmittels Trinkwasser“ für den Kernort Forbach gewährleisten zu können, wird das Wasser aus der ertragreichen Fliegenlochquelle im Hochbehälter Schwarzenbach aufbereitet. Das neue Wasserwerk mit einer hochmodernen Ultrafiltrationsanlage wurde gebaut, um die Versorgung mit Trinkwasser zukunftsfähig zu machen.

„Dreiländereck“ im Nordschwarzwald

Das zweite Etappenziel der geführten Wanderung war das „Dreiländereck“, in dem sich die Gemarkungsflächen des Heiligenwalds, des Murgschifferschaftswalds und des Nationalparks Schwarzwald treffen. Nicht ohne Stolz wies der bekennende Forbacher Bernd Schneider darauf hin, dass Forbach mit seinen 13.000 Hektar Waldfläche zu den waldreichsten Gemeinden Baden-Württembergs zählt. Nicht zu vergessen: Das Forbacher Wahrzeichen ist die historische Holzbrücke, die längste, freitragende befahrbare Holzbrücke in Europa, die seit 1778 in der heutigen Form besteht.

Immer wieder auf der knapp fünfstündigen Tour lenkte Schneider den Blick auf Besonderheiten der Umgebung. Etwa auf die schindelgedeckte Hütte an der „Schäfersgrüb“, verewigt im „Schäfersgrüb“-Lied und damit ein Stück Forbacher Kulturgut. Bei der Frage nach dem größten Lebewesen der Welt mussten die interessierten Zuhörer allerdings passen. Schneider klärte auf, dass es sich dabei aufgrund seines weitverzweigten „Wurzelnetzwerks“ um den Baumpilz Hallimasch handelt, wie eine Wissenschaftlerin aus dem US-Staat Oregon herausfand.

Geschichte der Flößerei

Vorbei an der „Jägerloch-Hütte“, befand sich die Wandergruppe wenig später mitten im Murgschifferschaftswald, der ältesten Waldgenossenschaft Deutschlands. An der Herrenwieser Schwallung, einem „einzigartigen technischen Denkmal“, hatte Bernd Schneider allerhand Wissenswertes zur Geschichte der Flößerei parat. 1844 bis 47 wurde der Staudamm aus Buntsandstein erbaut, der das Wasser des Schwarzenbachs zu einem sogenannten Schwellweiher aufstaute. Zur Trift ließ man es mit einem Schwall ab, um so das geschlagene Kurzholz ins Murgtal zu flößen. Ein Spektakel für die Kurgäste aus der Umgebung, aber ein nicht ungefährlicher Job für die Floßknechte. Heute dient das Wehr als Brücke über den Schwarzenbach und soll künftig als Eingang für einen Bestattungswald dienen, der Ende Juli eingeweiht wird.

Die wasserseitige Staumauer rückte nun immer mehr ins Blickfeld und erhielt zusätzlich auch inhaltliches Gewicht durch Schneiders kundige Erzählungen zu Entstehung, Historie und Bedeutung des einzigartigen Bauwerks. Von 1922 bis 1926 errichtet, mussten beim Bau der ersten Gussbeton-Talsperre in Deutschland unvorstellbare Erschwernisse in Kauf genommen werden: Sei es der eigens eingerichtete Granitsteinbruch, die Schienenverbindung Steinbruch-Baustelle oder ein Schrägaufzug zum Materialtransport; sei es die Infrastruktur für über 2.000 Arbeiter aus vielen Ländern, die mit Wohnbaracken, ja sogar einem kleinen Gasthaus, einer Feuerwehr- und Polizeistelle gewährleistet wurde. Von einer weiteren Besonderheit in Sachen Mauereinlagerungen und Blendmauerwerk schwärmte Schneider besonders: „Wir haben hier den seltenen Zweiglimmergranit, den schönsten Granit der Welt.“

Ein „einzigartiges technisches Denkmal“ ist die Herrenwieser Schwallung. Foto: Margrit Haller-Reif

© mhr

Ein „einzigartiges technisches Denkmal“ ist die Herrenwieser Schwallung. Foto: Margrit Haller-Reif

Zum Artikel

Erstellt:
4. Juli 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.