Wo das Kleinkind durch die Raser aufwacht

Gaggenau (tom) – Brüllender Motorenlärm bis weit in die Nacht: Ein Anwohner der August-Schneider-Straße berichtet vom Alltag in der Gaggenauer Innenstadt.

David Schöffler und weitere Mitstreiter fordern Maßnahmen gegen den unnötigen Verkehrslärm. Foto: pr

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David Schöffler und weitere Mitstreiter fordern Maßnahmen gegen den unnötigen Verkehrslärm. Foto: pr

David Schöffler (33) arbeitet als Teamleiter in einem amerikanischen Konzern. Mit seiner Partnerin und dem ein Jahr alten Sohn wohnt er in einer Neubauwohnung entlang der Bahnlinie gegenüber dem Rathaus. Im Interview mit Thomas Senger erklärt er, warum er die Unterschriftenliste gegen zu viel Verkehrslärm in der August-Schneider-Straße unterschrieben hat.

BT: Herr Schöffler, wenn ich in die Innenstadt ziehe, muss ich mit einem anderen Lärmpegel rechnen, als wenn ich im Grünen wohne. Warum beschweren Sie sich?

David Schöffler: Mit einem erhöhten Grundrauschen durch den Straßenverkehr und die Straßenbahn haben wir gerechnet, dass aber unser einjähriger Sohn abends durch vorbeifahrende Raser mit getunten Auspuffanlagen wach wird und durch den Schreck schreit, das war nicht einkalkuliert.

Ebenso fühlen wir uns beim Genießen des Feierabends auf der Terrasse enorm durch die Krachmacher eingeschränkt, da man oft sein eigenes Wort für zehn Sekunden nicht versteht. Ich meine, es bin ja nicht nur ich, dem Lebensqualität geraubt wird und der sich beschwert.

Interview

BT: Sie meinen damit Ihre Unterschriftensammlung.

Schöffler: Ja, und sie unterstreicht unsere Entschlossenheit mit fast 100-prozentiger Teilnahme der Bewohner und Eigentümer der vier Häuser des Hertweck-Areals zu einer Petition gegen Straßenlärm auf der August-Schneider-Straße.

BT: Ist es eine bestimmte Art von Fahrzeugen, die negativ in Erscheinung tritt?

Schöffler: Es sind aufgemotzte beziehungsweise vom Werk aus getunte Autos, oft Sportwagen mit Hubräumen über drei Litern und unterschiedlicher Hersteller sowie Motorräder, hier hauptsächlich Motocross-Maschinen mit Sportauspuff.

BT: Und was für Leute sind es, die da so rücksichtslos unterwegs sind?

Schöffler: Das kann man nicht verallgemeinern, da sind von jedem Typ Mensch und jeder Altersklasse welche dabei. Jedoch hauptsächlich 18- bis dreißigjährige Männer.

Belästigung und Sicherheitsrisiko

BT: Angenommen, Sie haben Erfolg mit Ihren Forderungen. Das würde aber letztlich nur eine Verlagerung des Problems bedeuten.

Schöffler: Tempo 30 für die August-Schneider-Straße verlagert die Raserei raus aus der Innenstadt, die durch die Innenstadtverdichtung für immer mehr Personen ein Zuhause wird.

Einige Gaggenauer Innenstadt-Straßen haben bereits eine Begrenzung auf 30 km/h. Diese würde uns helfen, da hier derzeit noch erschwerend der große Sprung von 20 km/h (im Bahnhofbereich) auf 50 km/h hinzukommt. Dieser lädt die Poser zu Beschleunigungsvorgängen mit hochgedrehten Motoren ein. In anderen Städten und Gemeinden, zum Beispiel Kuppenheim, Malsch, Bruchhausen oder Rastatt geht es doch auch, warum sollte es hier dann nicht durchsetzbar sein?

BT: Konsequenterweise müsste dann auf allen „innerörtlichen Beschleunigungsstrecken“, zum Beispiel Rotherma-Brücke oder Berliner Straße in Gaggenau, Tempo 30 gelten und kontrolliert werden. Wären Sie dafür?

Schöffler: Nein, dafür bin ich nicht. In Ihren genanten Bereichen sehe ich zum einen kein Sicherheitsrisiko, wie bei der August-Schneider-Straße, wo Schüler in Richtung Goethe-Gymnasium gehen oder Personen in Richtung Markt, Fußgängerzone, Rathaus und so weiter.

Zum Beispiel ist die Ausgangstür eines Bäckers zur August-Schneider-Straße nur durch den Fußgängerweg von der 50er-Posermeile getrennt. Zum anderen ist in den genannten Bereichen keine direkt angrenzende Wohnbebauung.

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Unterschriften gegen Krach-Poser

Gaggenau (tom) – Mit einer Unterschriftenaktion wenden sich Innenstadtbewohner an die Stadt Gaggenau. Ihr Ziel: Auf der „“Rennstrecke und Posermeile August-Schneider-Straße soll dauerhaft eine Geschwindigkeitsbeschränkung gelten.

Dazu werden folgende Maßnahmen angemahnt:

l Tempo 30 zwischen der 20 km/h-Zone und Schillerstraße in beide Richtungen.

l Eine Blitzersäule auf der Höhe der Bushaltestelle „Rathaus“.

l Regelmäßige Kontrollen durch die Polizei.

Zur Begründung führen die Initiatoren der Aktion ins Feld: In Richtung Schillerstraße werde in der August-Schneider-Straße nach der 20er-Zone spätestens an der Ampelanlage am Marktplatz oft sehr stark und damit auch sehr laut beschleunigt, nicht selten auf weit mehr als 50 km/h. Ebenso sie zu beobachten: „Wenn die Ampel nach 19 Uhr ausgeschaltet ist, wird schon kurz nach dem Bahnhof Gas gegeben, um oft mit ohrenbetörendem Lärm und zum Teil elektronisch gesteuerten Fehlzündungen die breite August- Schneider-Straße entlang zu rasen. Oft finden auch Auto- und Motorradrennen statt. Ruhebedürftige Erwachsene werden nachts aus dem Schlaf gerissen, ebenso Babys und Schulkinder.“

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Erstellt:
19. April 2020, 22:00 Uhr
Lesedauer:
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