Wo der „klassische Monteur“ willkommen ist

Gaggenau (tom) – Was ist geplant am Penny-Kreisel in Ottenau? Ein bevorstehender Hotel-Neubau sorgt für Ärger bei Anwohnern. Der künftige Betreiber nimmt Stellung zu den Sorgen.

Beispiel für das geplante Hotel in Ottenau; mit 27 Zimmern wäre es größer als das hier abgebildete Haus. Foto: Wagner Möbel-Manufaktur

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Beispiel für das geplante Hotel in Ottenau; mit 27 Zimmern wäre es größer als das hier abgebildete Haus. Foto: Wagner Möbel-Manufaktur

1,5 Millionen Euro nennt der künftige Betreiber WMM-Hotels als Gesamtinvestition. Das BT hat nachgehakt:

Wer sind die Investoren?

Im BT-Gespräch erläutert Sebastian Waltl das Vorhaben. Er ist Prokurist bei WMM, der Wagner Möbel-Manufaktur GmbH & Co. KG in Mindelheim (Allgäu). Zu Wagner wiederum gehört die WMM Hotel Betriebs GmbH. Sie betreibt deutschlandweit rund 30 Hotels. Als Bauherrin in Gaggenau tritt die WMM Immobilien GmbH in Erscheinung. Waltl: „Wir sind eigentlich ein Schreinerbetrieb aus Mindelheim und bauen kleinere Hotels.“

Zielgruppe der WMM-Hotels:

Sebastian Waltl nennt Geschäftsreisende und andere Gäste, die an eher kurzfristigen Aufenthalten interessiert sind, weil sie in der Umgebung zu tun haben. Dazu zähle auch „der klassische Monteur“.

In den vergangenen Jahren habe sich die Zahl der Buchungen durch Fahrradtouristen erhöht, insbesondere in den Sommermonaten. Dies werde anhand der Bewertungen deutlich, die von Gästen abgegeben werden. Waltl: „Für 37 Euro, wenn man rechtzeitig bucht, bekommt man ein richtig gut ausgestattetes Zimmer. Das ist nichts für Leute, die Party machen wollen.“ Zu Befürchtungen von Anwohnern betont Waltl: „Wir achten auf unseren Ruf. Wir haben überragende Bewertungen von 8-9,5 Punkten von zehn möglichen, das ist sehr, sehr gut für Business Hotels.“

Beispielansicht für die Innenausstattung der Hotelräume. Foto: Wagner Möbel-Manufaktur

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Beispielansicht für die Innenausstattung der Hotelräume. Foto: Wagner Möbel-Manufaktur

Wer schaut in den Häusern nach dem Rechten?

In der Regel werden die Häuser ohne ständige Anwesenheit von Personal betrieben. Sebastian Waltl sagt zum Vorhalt, dass kein Personal da sei, das kontrolliere und den Zustand überwache: „Das ist eine alte Denkweise.“ Schließlich gebe es mittlerweile auch kontaktloses Bezahlen: „Man hat sich daran gewöhnt, so wird es auch mit dem kontaktlosen Buchen sein. Das funktioniert bei uns sehr gut, wir sind eine der wenigen, die das so ausgeklügelt machen.“ Natürlich gebe es in den WMM-Häusern Reinigungspersonal. Dies sei in der Regel aus der Nähe; die Mitarbeiter bekommen per App die Hinweise, welche Zimmer wann zu reinigen sind.

Angrenzer-Thematik:

Waltl zeigt Verständnis für Vorbehalte der Anwohner: „Klar, wenn ein freies Grundstück in der Nachbarschaft nach zig Jahren bebaut wird, ist man dem nicht so wohlgesonnen.“ Auch mit Kritik an der Riegelbauweise setzt er sich auseinander. Doch das Grundstück an der Max-Roth-Straße sei „nicht sonderlich gut geschnitten für einen quadratischen Baukörper, deshalb passt unsere kompakte Bauweise, ein Riegel, hier ganz gut.“

Um den Sorgen der Anwohner zu entsprechen – sie befürchten durch die unmittelbare Nähe der Hotelzimmer auch den Verlust von Privatsphäre –, könnte sich Waltl zum Beispiel einen bewachsenen Erdwall zum angrenzenden Wohngebiet hin vorstellen. „Die Baugrenzen wurden von der Stadt ja durchaus großzügig ausgelegt, was gut für die umliegende Wohnbebauung ist.“

Unterm Strich könne der Neubau für weniger Verkehrslärm sorgen: „Ich war da vor Ort, es ist unfassbar laut. Der Hotelbau schluckt in jedem Fall viel Verkehrslärm, der jetzt in den Gärten ankommt.“

„Modern, praktisch, günstig“ lautet der Werbeslogan für diese Unterkünfte. Foto: Wagner Möbel-Manufaktur

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„Modern, praktisch, günstig“ lautet der Werbeslogan für diese Unterkünfte. Foto: Wagner Möbel-Manufaktur

Wo in der Region plant WMM weitere Häuser?

WMM treibt Pläne voran für Standorte in Rheinau bei Kehl und Efringen-Kirchen (Markgräflerland). Waltl: „Viele kleine Gemeinden und Städte haben eine hohe Nachfrage nach Hotelzimmern in unserem Segment.“ Schließlich gebe es dort wenige Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe.

Was erzürnt die Anwohner?

Erst Ende Juli hatte das Rathaus die Angrenzer über den Antrag auf ein Baugenehmigungsverfahren informiert. Gegen den „Neubau eines Hotelgebäudes (27 Zimmer) in Modulbauweise“ haben Angrenzer und Nachbarn vier Wochen Zeit, Einwände vorzutragen. Doch die Überlegungen im Rathaus waren lange vorher konkret.

Rund 57 Meter lang, zweistöckig, dazu 25 oberirdische Parkplätze sind geplant. Das Gebäude liegt in einem Mischgebiet. Sieben Tage Emissionen jeglicher Art rund um die Uhr fürchten die Anwohner. Hinzu kommt: „Die Gäste können uns Tag und Nacht direkt in den Garten gucken.“ Auch die nächtliche Beleuchtung sei eine Beeinträchtigung. Und das Hotel werde zusätzlichen Verkehr und Lärm bringen.

Weiterer Bericht zum Thema.

Hier geht es zur Homepage der Hotelgesellschaft.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
2. August 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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