Wo die Bäume nasse Füße kriegen

Lichtenau (jo) – Im Lichtenauer Naturschutzgebiet Wörthwald gibt es zwei lehrreiche Infopfade zu erkunden. Weidenbaum Waldemar nimmt große und kleine Waldläufer unter seine Fiche und erklärt dabei die Geschichte dieses Biotops.

Kein natürliches Gewässer, sondern ausgebaggert: Der Riedfeldsee im Naturschutzgebiet Wörthwald.  Foto: Eiermann

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Kein natürliches Gewässer, sondern ausgebaggert: Der Riedfeldsee im Naturschutzgebiet Wörthwald. Foto: Eiermann

Auf schwankender Hängebrücke einen Bach überqueren oder knarzendem Holzsteg über sumpfige Schluten gehen, das klingt ein wenig gefährlich, ist es aber nicht. In den Rheinauen bei Lichtenau kommen große und kleine Waldläufer so in den Genuss von Naturerlebnissen. Für Erwachsene ist es eine abwechslungsreiche Kurzwanderung, für Kinder ein bisschen Abenteuer. Und für beide lehrreich dazu.

Die Route ist 3,6 Kilometer lang, eigentlich eine Sache von einer Stunde Gehzeit, doch daraus wird leicht das Doppelte bis Dreifache angesichts vieler kleiner Attraktionen am Wegesrand. Waldemar, ein Weidenbaum als Maskottchen für Kinder, führt durch den Wörthwald, der seit 1996 unter Naturschutz steht.

Was Stadtverwaltung, Forstamt und -revier sowie das NABU-Umweltzentrum Rastatt hier vor Jahren konzipiert und angelegt haben, vermittelt auf bequem zu gehenden Wegen und Pfaden verschiedene Lebensräume am Rhein: vom einst regelmäßig überfluteten Auwald über den Deichbau zwecks Hochwasserschutz bis zu den angrenzenden Kulturlandschaften. Waldemar erklärt auf 19 Tafeln sein Reich.

Der alte Steg führt mitten ins Sumpfgebiet, wo Roterlen und Silberweiden die Staunässe gut vertragen.  Foto: Eiermann

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Der alte Steg führt mitten ins Sumpfgebiet, wo Roterlen und Silberweiden die Staunässe gut vertragen. Foto: Eiermann

Die Tour beginnt und endet an der Straße zwischen Lichtenau und Grauelsbaum (K3744) gegenüber dem Sportplatz des FC Rheingold. Zunächst geht es auf einer kerzengeraden Schotterpiste schnurstracks in den Wald hinein, der sich vor allem auf der linken Seite sehr urwüchsig präsentiert. Was einmal Sumpfgebiet war, wurde 1950 entwässert. Mit der Folge, dass der Grund einsackte und die alten Bäume seither wie auf Stelzen stehen. Ein Blick durchs Holzfernrohr zeigt, wie frei die Wurzeln liegen. „Uuii ist das wackelig“, kommentiert Waldemar. Rund um Baumschösslinge wachsen kleine Mooskegel empor, die mit ein wenig Fantasie eine Zwergen-Kolonie bilden. Um hohe Erlen winden sich dicke Stränge von Efeu und wildem Wein als wären es Schlangen.

Nach 600 Metern folgen wir der grünen Route nach links. Kurz darauf geht es nach rechts zum Riedfeldsee, dessen Ufer mit Schilf und Weiden bewachsen ist. Von ein paar Anglerplätzen aus lassen sich, wenn nicht besetzt, Fische und Insekten beobachten. Der Weg schwenkt danach wieder in den Wald ab. Ein grüner Teppich bedeckt hier den Boden; der Duft von Bärlauch steigt in die Nase. Das Sammeln der Blätter verbietet sich jedoch in einem Naturschutzgebiet. Der schmale Pfad mündet in einen breiten Forstweg. Hier scheint ein Wegweiser abhanden gekommen; es geht nach links. Aus Stämmen herausgesägte Sitzmöbel laden ein, Platz zu nehmen und dem Wald zuzuhören. In der Ferne arbeitet ein Specht. Danach führt Waldemar zu einem moosbewachsenen Stein mit der Jahreszahl 1820. Was wie ein Grenzstein aussieht, stellt jedoch eine sogenannte „Rückmarke“ dar, die den Altvorderen Entfernungen im Längenmaß Rute (zehn Fuß) anzeigte.

Alsbald geht es auf einen Rheindamm zu, die einzige Erhebung dieser Flachlandtour. Wir gehen auf die andere Seite und wechseln nach kurzer Distanz über eine schaukelnde, aber sichere Hängebrücke in unseren „Urwald“ hinter dem schützenden Damm zurück. Vorbei an den Überresten eines Bunkers führt der Weg kurzzeitig aus dem Wald hinaus zu einer Streuobstwiese mit einem kuriosen Obstbaum. Aus dem abgebrochenen dicken, völlig hohlen Stamm ragen spirrelige Äste heraus wie aus einer Vase.

Ein letzter Höhepunkt ist ein links abzweigender breiter Holzsteg, der inmitten alter sumpfiger Schluten errichtet wurde. Die Bäume stehen hier – je nach Rheinwasserstand – im Wasser. Zumeist sind es Roterlen, die nasse Füße gut vertragen, oder Weiden wie Maskottchen Waldemar: „Ich liebe das. Das Wasser ist mein Element.“ Der Verkehrslärm in der Nähe signalisiert das Ende der Tour. Diese endet nicht unmittelbar, aber nahe am Ausgangspunkt. Entlang des Radwegs auf der gegenüberliegenden Straßenseite geht es nach rechts zurück zum Sportplatz.

Info: Ausgeschildert ist auch eine kürzere gelbe Route, die jedoch den Riedfeldsee und die Hängebrücke außen vor lässt, auf breiten, gut befestigten Wegen. Start- und Zielpunkt sind identisch mit der beschriebenen grünen Route. Beide Touren sind als Rundwege ausgewiesen. Parkmöglichkeiten finden sich am Sportplatz.

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Erstellt:
30. März 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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