Wörthgarten „keineswegs im Stillstand“

Gernsbach (stj) – Es war still geworden um das Streitthema Pfleiderer-Areal. Am Montag informierte Bürgermeister Julian Christ über den Sachstand bei der Konversion des kontaminierten Areals.

Die Konversion des Pfleiderer-Areals eingangs der Stadt Gernsbach befindet sich nicht im Stillstand, versichert Bürgermeister Christ. Foto: Stephan Juch

Die Konversion des Pfleiderer-Areals eingangs der Stadt Gernsbach befindet sich nicht im Stillstand, versichert Bürgermeister Christ. Foto: Stephan Juch

„Wir befinden uns keineswegs in einem Stillstand.“ Diese Feststellung traf Bürgermeister Julian Christ gestern bei einem Pressegespräch vor der Gemeinderatssitzung, bei der das umstrittene Thema „Wörthgarten“ (ehemals Pfleiderer-Areal) nach langer Zeit mal wieder auf der Tagesordnung stand. Das BT fasst im Folgenden die wichtigsten Erkenntnisse daraus zusammen.

Was hat sich seit dem Gebäudeabriss Anfang 2020 getan? Laut Christ eine ganze Menge, wenn auch eher im Hintergrund am Schreibtisch. Vor allem das städtische Bauamt habe im konstruktiven Austausch mit Regierungspräsidium, Landratsamt und den beteiligten Fachgutachtern bei den planerischen Vorbereitungen große Schritte nach vorne gemacht. Es handle sich schließlich „um eine komplexe Situation, ein anspruchsvolles Baugebiet“.

Warum liegt das Abbruchmaterial seit vergangenem Frühjahr auf dem Gelände? Wie Albert Betting vom Bauamt erklärt, habe sich gezeigt, dass ein Großteil wieder verbaut werden kann – etwa beim Unterbau für die Erschließung. Die Belastung des Materials sei gering, von daher könne es recycelt werden. Deshalb wird es auch nicht abtransportiert.

Wie ist der Sachstand beim Hochwasserschutz? Mit der Verbreiterung der Murg auf Höhe des ehemaligen Pfleiderer-Areals habe man eine wesentliche Maßnahme der Hochwasserschutzkonzeption identifiziert. Sie bringe für den Bereich bis zur Stadtbrücke eine Murg-Pegelabsenkung von bis zu 40 Zentimetern. Das führe zum einen dazu, dass große Teile der Nordstadt komplett geschützt wären, zum anderen wird die Bleichstraße entlastet, an der zwei weitere Projekte am Katz’schen Garten und am Kanal der Wasserkraftanlage für Sicherheit sorgen sollen. Die weiteren Hochwasserschutzmaßnahmen hängen im Wesentlichen von der Murgaufweitung ab, weshalb es Sinn mache, diese als erstes anzugehen. Alleine dafür sind Kosten von bis zu zwei Millionen Euro kalkuliert, die zu 70 Prozent vom Land getragen werden. Die Vorplanung für dieses Projekt läuft jetzt. Die Untersuchung des Dammbereichs habe bereits stattgefunden und wie erwartet ebenfalls kontaminiertes Material zutage gefördert. Dies könne laut Christ aber im Rahmen der Aufweitung der Murg zusammen mit der durch den Investor (Krause-Gruppe, Bayreuth) zu finanzierenden Sanierung der Kernschadenszone (4,5 Millionen Euro) auf dem Gelände fachgerecht entsorgt werden. „Das hat für mich einen ganz, ganz großen Charme“, betont Christ. Ziel sei eine ganzheitliche Lösung der Themen Altlasten, Hochwasserschutz, Bebauungsplan.

Hat der Hochwasserschutz die Planungen im „Wörthgarten“ verändert? Ja, allerdings nicht was das Grundkonzept betreffe. Weil am Murguferbereich zehn Meter weggenommen werden, müssen Grundrissanpassungen vorgenommen und die Gebäudeanordnung geändert werden, erklärt Betting. Zudem wird der Dammweg aufgegeben und durch einen öffentlich nutzbaren Unterhaltungsweg ersetzt. So können Spaziergänger und Radfahrer direkt am Wasser entlang, versichert Christ, der dieser Lösung sogar mehr Charme abgewinnt.

Kein Rathaus, mehr Planungsfreiheit

Was bedeutet die Abkehr von den Plänen, im Wörthgarten ein neues Rathaus zu bauen? Laut Christ gebe dies der Krause-Gruppe mehr Planungsfreiheit, vor allem weil in diesem urbanen Gebiet viel möglich sei. Am ehesten werden wohl weitere Wohnungen oder Gewerbeflächen entstehen, schätzt Christ den Investor ein.

Gibt es eine zweite Offenlage? Die Verwaltung strebe eine solche an, „um nochmals allen Beteiligten die Möglichkeit zur Stellungnahme zu geben“.

Wie sieht der weitere Zeitplan aus? Christ rechnet damit, „dass die Umsetzung des Hochwasserschutzes sowie die Erschließung des Wörthgartens 2021 beginnen“ werden.

Besteht die Gefahr, dass sich in der Trümmerlandschaft wieder geschützte Arten ansiedeln? Das Einwandern von Tieren sei derzeit unwahrscheinlich, weil man dafür Sorge trage, das Gelände für eine Ansiedlung unattraktiv zu halten, bis die Arbeiten fortgeführt werden. Unter anderem geschieht dies durch einen Eidechsenzaun.

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Erstellt:
28. September 2020, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 46sec

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