Wohl zwei Kaufinteressenten für die Bühlerhöhe

Schwarzwaldhochstraße (BNN) – Seit zwölf Jahren ist das Schlosshotel Bühlerhöhe geschlossen. Nun soll es in Baden-Baden mögliche Käufer geben, die Kontakte zu den kasachischen Eigentümern haben.

Flaggschiff der Schwarzwaldhochstraße: Das Schlosshotel Bühlerhöhe wurde 1912 bis 1914 nach einem Entwurf des Düsseldorfer Stararchitekten Wilhelm Kreis erbaut. Foto: Ulrich Coenen

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Flaggschiff der Schwarzwaldhochstraße: Das Schlosshotel Bühlerhöhe wurde 1912 bis 1914 nach einem Entwurf des Düsseldorfer Stararchitekten Wilhelm Kreis erbaut. Foto: Ulrich Coenen

Die Bühlerhöhe ist seit zwölf Jahren Spielball osteuropäischer Oligarchen. Im Herbst 2010 wurde das denkmalgeschützte Schlosshotel an der Schwarzwaldhochstraße geschlossen. Seit Eugen Theise, Redakteur der Deutschen Welle, in einem umfangreichen Online-Beitrag im Februar berichtet hat, die Bühlerhöhe gehöre der Familie des gestürzten kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew ist nach Jahren der Stagnation Bewegung in die Sache gekommen.

In Baden-Baden sind nach Informationen dieser Zeitung für Recherchen zum Schlosshotel mindestens zwei Kaufinteressenten unterwegs, die angeblich direkte Kontakte zu den Eigentümern haben. Auf Nachfrage bei der Bühlerhöhe Castle Invest GmbH zu den Hotels Bühlerhöhe und Plättig teilte deren Rechtsanwalt im Auftrag des Unternehmens allerdings mit, dass „derzeit keine Absicht besteht, die genannten Objekte zu verkaufen“.

Besitzer gehören weitere Objekte in Baden-Baden

Die Bühlerhöhe Castle Invest GmbH mit Sitz im Schlosshotel ist im Handelsregister in Mannheim eingetragen. Ihre Aufgabe ist „die Verwaltung eigenen Vermögens und der Erwerb sowie der Betrieb von Hotels und Restaurants; insbesondere Erwerb und Betrieb des Hotels Bühlerhöhe“. Bis zu Theises Bericht galt der kasachische Geschäftsmann Jakow Tskhaj als Eigentümer der Bühlerhöhe. Nach Recherchen der Deutschen Welle soll Tskhaj lediglich ein Strohmann sein. Theise nennt Timur und Dinara Kulibajew, den Schwiegersohn und die Tochter Nasarbajews als wirtschaftliche Berechtigte hinter einem Firmengeflecht, zu dem neben Bühlerhöhe und Plättig weitere historische Gebäude in Baden-Baden wie Schloss Seelach und Villa Stroh gehören.

Nachdem diese Zeitung über Theise Recherchen berichtet hatte, gab es in Mittelbaden einen Sturm der Entrüstung. Hansjörg Willig, der Vorsitzende des Vereins Kulturerbe Schwarzwaldhochstraße, erklärte: „Wir sollten nicht dem Charme von Gangstern erliegen.“ Er verwies auf den „Runden Tisch“ zur Schwarzwaldhochstraße, den der frühere baden-württembergische Justizminister Guido Wolf (CDU) im Februar 2021 gegründet hat. Wolf hatte in einer Pressekonferenz nach der ersten Sitzung des Gremiums konstatiert: „Wir haben es hier zum Teil mit Eigentümern zu tun, die komplett im Ausland abgetaucht sind. Da darf Enteignung kein Tabu sein. Nach der Landtagswahl wurde Wolf als Minister abgelöst. „In der Sache hat sich meine Position und meine Einschätzung nicht geändert“, teilte er im Februar 2022 der Redaktion auf Anfrage mit. Der Rastatter Landtagsabgeordnete Jonas Weber (SPD) forderte ebenfalls im Februar 2022 in einem Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), „alle Möglichkeiten – auch der Enteignung zu ergreifen, damit Baden-Württemberg nicht zum Rückzugsort von Autokraten und ihrem Vermögen wird“. Der Bühler Stadtrat Timo Gretz (SPD) hakte im März im Gemeinderat nach: „Durch den Angriffskrieg Putins auf die Ukraine hat das Thema eine andere Dimension erhalten. Der russische Präsident Wladimir Putin und Nasarbajew sind ziemlich beste Freunde.“

Im Innenhof wächst das Gras: Das denkmalgeschützte Schlosshotel Bühlerhöhe an der Schwarzwaldhochstraße steht seit inzwischen zwölf Jahren leer. Foto: Ulrich Coenen

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Im Innenhof wächst das Gras: Das denkmalgeschützte Schlosshotel Bühlerhöhe an der Schwarzwaldhochstraße steht seit inzwischen zwölf Jahren leer. Foto: Ulrich Coenen

Man darf davon ausgehen, dass die Familie Nasarbajew, die sich bislang im Hintergrund hielt, von den Enthüllungen der Deutschen Wellen und den politischen Reaktionen darauf nicht begeistert sein dürfte. Nachdem Kaufinteressenten, die sich in den vergangenen Jahren bei der Stadt Bühl, aber auch in der Redaktion meldeten, nicht zum Zuge kamen, hoffen die jetzigen Investoren angesichts der aktuellen Entwicklung auf bessere Chancen.

Im Bühler Rathaus verfolgt man das aufmerksam. „Wir wissen nichts von einer neuen Entwicklung, die auf eine Verkaufsabsicht des Eigentümers deuten lässt“, berichtet Pressesprecher Matthias Buschert. „Eine Enteignung ist aus eigentumsrechtlichen Gründen nicht möglich. Dies hat die Landesregierung verlauten lassen in ihrer Antwort auf einen entsprechenden Brief des SPD-Landtagsabgeordneten Jonas Weber an Ministerpräsident Kretschmann. Herr Weber war mit diesem Schreiben Oberbürgermeister Hubert Schnurr zuvorgekommen, weshalb er selbst in diese Richtung nichts mehr unternehmen musste.“

Unstrittig ist übrigens der inzwischen erhebliche Sanierungsbedarf der Bühlerhöhe. Die Zimmer und das Schwimmbad hätte man nach Einschätzung eines Insiders damals abschnittweise während des laufenden Betriebs erledigen können. Nach zwölf Jahren Leerstand sei das aber nun nicht mehr möglich.

Erster und zweiter Verkauf mit Folgen

Die Misere begann, als SAP-Gründer Dietmar Hopp die 1914 nach Plänen des Düsseldorfer Stararchitekten Wilhelm Kreis vollendete Bühlerhöhe an eine Investorengruppe um den ukrainischen Oligarchen Igor Bakai verkaufte. Der Kaufpreis soll damals 32,5 Millionen Euro betragen haben. Die von diesem gegründete Anna Maria Vermögensverwaltung GmbH ging im Sommer 2013 mit großem Theaterdonner in Insolvenz. Aus den hochfliegenden Umbau- und Sanierungsplänen wurde nichts.

Im Dezember 2013 erwarben kasachische Investoren Bühlerhöhe. Sie gründeten dafür die Bühlerhöhe Castle Invest GmbH. Der Kaufpreis lag nach Informationen dieser Zeitung bei 21 Millionen Euro. In den ersten Jahren zeigten sich die neuen Investoren sehr offen und ermöglichten in der Bühlerhöhe den früheren Hotelmitarbeitern 2016 sogar ein Ehemaligentreffen sowie Führungen im Schlosshotel. Doch bald gingen sie auf Tauchstation. Auch aus den Sanierungsplänen wurde nichts.

Rückzugsort und Verfall

BNN-Redakteur Ulrich Coenen kommentiert: Die aktuelle Entwicklung ist ziemlich undurchsichtig. Die Bühlerhöhe Castle Invest GmbH weist Verkaufsabsichten zurück. Das wäre auch nicht weiter verwunderlich. Es gab schließlich in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Kaufinteressenten, die an der Schwarzwaldhochstraße nicht zum Zuge gekommen sind, weil die kasachischen Eigentümer die Bühlerhöhe nicht abgeben wollen. Der Ukrainer Igor Bakai und ab 2013 die Kasachen haben das Kulturdenkmal aber nur verwaltet. Es gab keinerlei sichtbare Anstrengungen für die von ihnen versprochene Sanierung und Neueröffnung. Die Frage, warum Investoren aus Osteuropa riesige Millionensummen in einer Immobilie parken, ist indes kaum zu beantworten. Oligarchen, bei denen man nicht so genau nachfragen darf, woher das viele Geld stammt, ticken offensichtlich anders. Nach den Enthüllungen der Deutschen Welle über Nursultan Nasarbajew und seine zahlreichen historischen Immobilien in Bühl und Baden-Baden könnte sich trotz des Dementis jetzt aber vielleicht etwas tun. Putins Überfall auf die Ukraine und die bekannte Verbindung zwischen dem kasachischen Ex-Diktator und seinem noch amtierenden russischen Kollegen sorgen nämlich für erheblichen Unmut in der Öffentlichkeit. Vom Einfrieren des Vermögens und sogar von einer Enteignung ist die Rede. Im Bühler Rathaus will man davon mit Verweis auf den grünen Ministerpräsidenten Kretschmann leider nichts wissen. Während die grünen Bundesminister Habeck und Baerbock und Oppositionsführer Merz sich eindeutig gegen Putin positionieren, droht Baden-Württemberg zum „Rückzugsort von Autokraten und ihrem Vermögen“ zu werden. So hat es jedenfalls der SPD-Landtagsabgeordnete Jonas Weber formuliert. Gleichzeitig droht dem bedeutendsten Gebäude im Stadtgebiet Bühl der Verfall.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Ulrich Coenen

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Erstellt:
10. Mai 2022, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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