Wohnbebauung statt illegaler Müllkippe

Rastatt (ema) – Wieder wird gerodet. Und abermals keimt Hoffnung auf, dass eine der letzten Lücken im Rheinauer Ring bebaut und das Grundstück Nummer 66 nicht als Müllplatz missbraucht wird.

Die Rodung im Rheinauer Ring 66 fördert einiges an Müll zutage. Im Frühjahr soll hier der Bau von drei Häusern mit insgesamt 72 Wohnungen starten. Foto: Sabine Wenzke

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Die Rodung im Rheinauer Ring 66 fördert einiges an Müll zutage. Im Frühjahr soll hier der Bau von drei Häusern mit insgesamt 72 Wohnungen starten. Foto: Sabine Wenzke

„Es ist furchtbar“, kann die Seniorin nur den Kopf schütteln. Als sie mit ihrem Hund spazieren geht und einen Blick auf das Grundstück wirft, wird der Charakter der Fläche überdeutlich. Eine Fachfirma ist mit Bagger und weiterem Gerät dem Wildwuchs zu Leibe gerückt. Ergebnis der Rodung: „Jetzt wird der ganze Müll und Dreck sichtbar“, sagt die Passantin, die nicht mit Namen genannt werden will. Sogar ein Trampelpfad wird erkennbar, der offenbar genutzt wurde, um illegal Grünabfall auf der Brache zu entsorgen. Die Gitterzäune um das 12.344 Quadratmeter große Grundstück haben nur mit Lücken ihren Zweck erfüllt. André Lang weiß um den Zustand des Geländes. Der Geschäftsführer des Ludwigsburger Unternehmens Wohnbau Reisser würden liebend gerne beenden. Der Investor hatte das Grundstück gekauft und verfügt mittlerweile über eine Baugenehmigung zur Errichtung von 72 Wohnungen.

Doch so einfach liegen die Dinge dort offenbar nicht. Das Areal hat ohnehin eine wechselvolle Geschichte, die bis in die 1990er Jahre zurückreicht. Im Rheinauer Ring 66 sollten ursprünglich 246 Wohneinheiten mit 223 Tiefgaragenplätzen entstehen. Nach einer Pause mit dem Status einer Bauruine (die Rheinauer sprechen vom „Geisterhaus“) konnte zumindest der erste Bauabschnitt 1995 vollendet werden. Doch der Investor ging in Insolvenz. Erst viele Jahre später kam Bewegung in die Sache, als die Stadt Rastatt Antrag auf Zwangsversteigerung der Brachfläche stellte. Im Jahr 2013 wurde der Zuschlag erteilt – für 700 000 Euro. Im Gespräch war ein Konzept mit betreutem Wohnen. Doch dazu kam es nicht.

Investor will im Frühjahr loslegen

Im vergangenen Jahr wurde der „Dornwald“ gerodet, ohne dass die Stadtverwaltung mit einer Bauvoranfrage oder einem Bauantrag befasst war. Über zwei Sommer wucherte das Grundstück wieder zu, sodass der Eigentümer nun erneut die Pflegemaßnahme in die Wege leitete. Obendrein kann das Unternehmen jetzt noch eine Firma engagieren, die den ganzen Müll auf dem Areal entsorgt.

Reisser-Geschäftsführer Lang hofft, dass mit dem Bau im nächsten Frühjahr begonnen werden kann. Details seien „sehr kompliziert“, da man sich mit dem Verwaltungsbeirat der Eigentümergemeinschaft im benachbarten Gebäudekomplex abstimmen müsse. Das betrifft auch das Außengelände sowie die bestehende Tiefgarage, wo man wohl einige Autoparkplätze zugunsten von Fahrradstellplätzen opfern müsse.

Geplant sind auf dem Areal drei Gebäude mit insgesamt 72 Zwei-, Drei- oder Vier-Zimmer-Wohnungen. Wenn mal der Startschuss gefallen ist, rechnet Geschäftsführer Lang mit einer Bauzeit von anderthalb Jahren.


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