Wohnmobilhafen beim Alohra in aller Stille begraben

Rastatt (ema) – Obwohl gerade in der Pandemie Wohnmobile starke Zuwächse erfahren, haben die Stadtwerke den speziellen Parkplatz für die rollenden Wohnzimmer begraben.

Trostloser Anblick: Das Alohra ist für immer geschlossen – und für den Wohnmobilstellplatz auf dem Parkplatz davor ist keine kurzfristige Perspektive erkennbar. Foto: Frank Vetter

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Trostloser Anblick: Das Alohra ist für immer geschlossen – und für den Wohnmobilstellplatz auf dem Parkplatz davor ist keine kurzfristige Perspektive erkennbar. Foto: Frank Vetter

Wohnmobile boomen – ein Trend, der durch die Corona-Pandemie befeuert wurde, wie Zahlen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg belegen. Und just in dieser Phase haben die Stadtwerke Rastatt in aller Stille ihren Wohnmobilhafen auf dem Parkplatz des Alohra begraben. Eine kurzfristige Alternative ist derzeit nicht in Sicht. Das Versorgungsunternehmen setzt vorerst auf das neue Kombibad.
Dabei war vor elf Jahren die Euphorie noch groß. „Der Standort ist optimal“, zeigte sich Stadtwerke-Chef Olaf Kaspryk im Juni 2010 stolz, die Anlage mit fünf Stellplätzen eröffnen zu können. 30.000 Euro hatte das örtliche Versorgungsunternehmen nach Beratungsgesprächen mit dem Reisemobil-Club zuvor investiert – in Strom- und Wasseranschlüsse, eine Entsorgungsstation für tragbare Wassertanks sowie verschließbare Absperrvorrichtungen.

Die Bushaltestelle in unmittelbarer Nähe hob der Stadtwerke-Chef hervor – und vor allem das benachbarte Alohra. An dessen Tageskasse konnten Wohnmobilisten nicht nur die Gebühr bezahlen und Wertmarken für die Versorgungsstation in Empfang nehmen. Die Gäste kamen auch in den Genuss vergünstigter Eintrittspreise im Hallenbad.

Aus und vorbei. Denn die Stadtwerke haben den Wohnmobilstellplatz bereits Mitte 2020 aufgegeben, wie Bäderleiter Tobias Peter auf BT-Nachfrage bestätigte. Durch die Schließung des Alohra sei eine Bewirtschaftung nicht mehr möglich beziehungsweise der Aufwand stehe in keinem Verhältnis mehr zum Nutzen, heißt es bei den Stadtwerken.

Stadtwerke haben Schwalbenrain im Auge

Zuletzt hatte man beim Parkplatz für jedermann offen zugänglich Trinkwasser verkauft. Weil die Verkaufsstelle täglich gereinigt werden musste, aber ein Großteil der Bädermitarbeiter derzeit nicht mehr zur Verfügung steht, könne die Reinigung der Trinkwasserzapfstellen nicht gewährleistet werden, so Peter. Hintergrund: Weil sowohl Alohra als auch Natura geschlossen sind, sind Mitarbeiter anderweitig im Einsatz. Zwei Beschäftigte seien auf „Leihbasis“ im Schwarzwaldbad Bühl tätig; ein weiterer Teil der Belegschaft arbeitet bei den Stadtwerken beziehungsweise der Stadtverwaltung.

Durch die Schließung des Alohra gestaltete sich laut Peter auch der Verkauf der Münzen für Strom, Wasser und Tagestickets „sehr schwierig“, da die Abwicklung lediglich bei den Stadtwerken oder an der Kasse des Freibads möglich wäre. Und schließlich scheuten die Betreiber auch ein Hygienekonzept aufgrund von Corona.

Entsprechend brachen die Nutzerzahlen bis Betriebsende ein. Für das Rumpfjahr 2020 zählten die Stadtwerke 110 Tagestickets. Im Jahr zuvor wurden 413 Tage von Wohnmobilisten gebucht; 604 Tagestickets waren es sogar im Jahr 2018.

Das Aus für den Wohnmobilhafen fällt ausgerechnet in eine Zeit, in der die Stadt Rastatt ohnehin stark auf Tourismus setzt und gerade die Zahl der Wohnmobile enorm zulegt. Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg meldete zum Stichtag 1. Januar 2021, dass erstmals die Marke von 100.000 Wohnmobilen im Südwesten geknackt wurde. Innerhalb eines Jahres legte der Bestand um 13,9 Prozent zu – von 89.447 auf 101.862 Wohnmobile.

Doch wie gehts in Rastatt weiter? Ob und wo man nach der Pandemie wieder Wohnmobilstellplätze bewirtschafte, wolle man im ersten Quartal des kommenden Jahres entscheiden, sagt Tobias Peter. Perspektivisch haben die Stadtwerke den Schwalbenrain ins Visier genommen. Nach Angaben des Bäderleiters sollen im Auslobungstext beim Architektenwettbewerb für den Neubau des Kombibads Wohnmobilstellplätze berücksichtigt werden. Eine Umsetzung wäre aber dann wohl frühestens im Jahr 2027 zu erwarten.


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